Angela Merkel: Strengere Corona-Regeln geplant

Ines Fedder Medizinredakteurin

Nachdem die Infektionszahlen vor allem in den Großstädten in den vergangenen Tagen rapide angestiegen sind, beriet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagmittag mit den Bürgermeistern der 11 größten Städte Deutschlands. Das Ergebnis: Strengere Regeln und ein eindringlicher Appell. "Das Virus darf nicht unkontrollierbar werden!" 

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Inhalt
  1. Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Corona-Lage: Virus darf nicht unkontrollierbar werden
  2. Strengere Corona-Maßnahmen: Alkoholverbot, Maskenpflicht und Sperrstunden möglich
  3. Angela Merkel: Zusammenhalt, auch wenn es schwierig ist
  4. Corona-Nachverfolgung: Drosten für Cluster-Quellen-Tagebuch

Bundeskanzlerin Angela Merkel beriet sich am Freitagmittag mit den Bürgermeistern der elf größten Städte in Deutschland, um über Corona-Maßnahmen zu sprechen. An der Videokonferenz nahmen die Bürgermeister von Berlin, Hamburg, Bremen, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Leipzig und Stuttgart teil.

Ein besonderer Aspekt, der in dieser Runde diskutiert werden sollte: Das risikoreiche Verhalten junger Menschen in Zeiten der Pandemie sowie die Auswirkungen von Partys und anderen privaten Veranstaltungen auf die steigenden Infektionszahlen.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Corona-Lage: Virus darf nicht unkontrollierbar werden

Die Sorge war den Worten der Bundeskanzlerin deutlich zu entnehmen. „Es muss unser Ziel sein, die Infektionszahlen in einem Bereich zu halten, wo möglichst jede einzelne Infektion nachvollziehbar werden kann", so die Kanzlerin. Die Zunahme an Infektionen in manchen Städten sei so sprunghaft, dass sich das Virus unkontrollierbar ausbreiten könne

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Strengere Corona-Maßnahmen: Alkoholverbot, Maskenpflicht und Sperrstunden möglich

Wie man dagegen zukünftig vorgehen möchte, darüber waren sich die Bürgermeister und Angela Merkel relativ schnell einig. Bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von 35 auf 100.000 Einwohner seien bereits strengere Maßnahmen möglich. Bei einem Wert von 50 müsse man unbedingt agieren. 

Als Vorbild für mögliche Einschränkungen diene die Stadt München, die bereits frühzeitig diverse Maßnahmen ergriffen habe. Unter anderem stünden eine Sperrstunde und Alkoholbeschränkungen für Gastronomie-Betriebe in Raum, sowie ein konsequentes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch an öffentlichen Plätzen, an denen eine Abstandseinhaltung kaum möglich sei. Zudem kommen noch Beschränkungen bei Feiern im privaten Raum hinzu.

Zur Kontrolle und als Unterstützung bei der Kontaktnachverfolgung soll die Bundeswehr herangezogen werden. "In zwei Wochen werden wir zusammen schauen, was man mit den Maßnahmen erreicht hat", erklärte die Kanzlerin. 

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Angela Merkel: Zusammenhalt, auch wenn es schwierig ist

Neben Möglichkeiten der strengeren Regulierung der Corona-Maßnahmen, appellierte die Bundeskanzlerin noch einmal nachdrücklich an den geforderten Zusammenhalt. "Ich möchte, dass Deutschland auch in den nächsten Monaten so eine Entwicklung wie in den Nachbarländern nicht durchmachen muss."

"Denken Sie an die Gesundheit ihrer Familie, auch der Großeltern. Ist es dafür nicht wert, jetzt ein wenig geduldig zu sein?"

Merkel sei sehr wohl bewusst, dass die Einschränkungen, die jetzt notwendig seien, weh tun. Sie ist sich jedoch sicher: "Alles wird zurückkommen; Feiern, Ausgehen, Spaß haben ohne Corona-Regeln. Jetzt zählt etwas anderes: Zusammenhalt und Gesundheit."

"Wir haben bewiesen, dass wir gegen das Virus zusammenhalten können. Und das sollten wir auch weiter tun", erklärte die Kanzlerin zum Abschluss der Pressekonferenz.

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Corona-Nachverfolgung: Drosten für Cluster-Quellen-Tagebuch

Zuvor trat bereits Christian Drosten mit Berlins Bürgermeister Müller am frühen Freitagmorgen an die Presse. Der Chef-Virologe der Charité plädierte angesichts der steigenden Infektionen mit COVID-19 für ein sogenanntes Cluster-Tagebuch: Wenn man konsequent Kontakte aufschreibe, könne man beantworten, wo man sich vor sieben bis zehn Tagen infiziert habe. „Das ist dann eine Cluster-Quelle.“

Besonders kritisch sei das aktuelle Pandemie-Geschehen in der Hauptstadt Berlin. Berlins Bürgermeister Michael Müller erklärte: „Es ist nicht die Zeit des Feierns, des unbedachten Zusammenkommens.“ Es sei maßgeblich, zu verhindern, dass die Infektionszahlen explodieren.
„Nach den Monaten, die wir hinter uns haben, ist das eine bedrückende Situation, einen Rückschritt erleben zu müssen.“

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