Analfissur OP ist nicht immer notwendig

Redaktion PraxisVITA
Bei Problemen im Analbereich ist es wichtig, mit dem Arzt darüber zu sprechen
Bei Problemen im Analbereich ist es wichtig, mit dem Arzt darüber zu sprechen © shutterstock

Eine Analfissur ist meist sehr schmerzhaft und muss in manchen Fällen sogar operiert werden. PraxisVITA erklärt, wann auf eine Analfissur OP verzichtet werden kann und wie eine Alternativ-Therapie aussieht.

 

Schmerzen am Darmausgang deuten auf Analfissur hin

„Mir ist es recht unangenehm, was ich Ihnen zu berichten habe”, meinte Rita G., nachdem ich sie in meinem Sprechzimmer begrüßt hatte.

„Na, nur raus mit der Sprache, was haben Sie denn auf dem Herzen”, sagte der Proktologe Dr. Med. G. Scholz aufmunternd.

„Ich habe starke Schmerzen am Darmausgang. Seit Wochen gehe ich deshalb mit großer Angst zur Toilette. Der Stuhlgang bereitet mir Höllenqualen. Je länger ich ihn aber zurückhalte, um so härter wird er. Hämorrhoidenpräparate und Abführmittel brachten auch keine Linderung.”

 

Analfissur bereitet starke Schmerzen

Bei der allgemeinen Untersuchung konnte ich nichts Auffälliges feststellen. Um in den Darmausgang einsehen zu können, bat ich meine Patientin, die sogenannte Knie-Ellenbogen-Lage einzunehmen. Schon der Versuch, die Gesäßbacken etwas auseinanderzuziehen, scheiterte an den hierdurch ausgelösten Schmerzen. Doch der kurze Blick genügte mir. Ich sah ein tropfenförmiges Geschwür, das ich als Analfissur diagnostizierte. Doch um ganz sicher zu sein, spritzte ich ein lokales Betäubungsmittel. Nach wenigen Minuten wirkte es und ich konnte den Darm austasten und den Ausgang mit einem speziellen Spiegel betrachten. Ich sah ein eitriges Geschwür, das meiner Patientin zu schaffen machte.

„Wie komme ich denn dazu?” fragte sie überrascht.

„Ursache war aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst eine Thrombose in einer kleinen Vene im Bereich des Darmausgangs. Diese Thrombose hat sich entzündet und so zu dem Geschwür geführt”, antwortete ich.

Wie eine Analfissur entstehen kann

Man bezeichnet sie auch als Analschrunde. Es handelt sich dabei um einen schmerzhaften Einriss der Afterschleimhaut an ihrem Übergang in die äußere Haut. Entstehen kann dieser Riss bei chronischer Stuhlträgheit, Stuhlverhärtung und Hämorrhoiden. Die nachfolgenden Entzündungen dieser kleinen Einrissstelle führen zu einem Krampf des Schließmuskels, so dass wegen der starken Schmerzen jeder Stuhlgang gefürchtet und möglichst hinausgeschoben wird. Nicht selten bildet sich aus dem Riss auch ein Darmgeschwür.

„Eine Bekannte von mir hatte das gleiche. Sie hatte dann eine Analfissur OP. Sie werden mich wahrscheinlich ebenfalls zum Chirurgen schicken”, meinte Rita G.

 

Analfissur OP ist nicht immer notwendig

Diese Analfissur OP wurde bei Ihrer Bekannten damals sicher zu Recht durchgeführt. Doch inzwischen hat sich erwiesen, dass die als Fissur bezeichneten Geschwüre auch auf einem einfacheren Weg zur Heilung gebracht werden können. Ich werde Ihnen in die seitlichen Geschwürränder Botulinum-Toxin injizieren. Dieses Gift des Erregers, der als Wurst- oder Fleischvergiftung bezeichneten schweren Krankheit lähmt die Muskulatur. Seit einigen Jahren wissen wir aber, dass das Botulinum-Toxin, so der Name des Giftes, in minimalen Dosen lokal injiziert ein ausgezeichnetes Heilmittel ist. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Patienten, die damit behandelt worden sind, zu 80 Prozent geheilt werden konnten.”

Meine Patientin war mit der vorgeschlagenen Therapie einverstanden. Schon drei Tage später zeigte sich die erste Wirkung. Auf die Analfissur OP konnten wir verzichten.

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