Ambroxol – die 10 häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Ambroxol – Wirkstoff-Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Ambroxol ist neben Acetylstein der bekannteste Wirkstoff zur Behandlung von zähem Hustenschleim. Er erleichtert das Abhusten und reinigt die Bronchien.

Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Ambroxol.

 

Wann nimmt man Ambroxol?

Der Wirkstoff Ambroxol gehört zu den sogenannten Sekretolytika oder Mukolytika, die zur Behandlung von zähem, festsitzendem Schleim eingesetzt werden, da sie den Schleim in den Bronchien lösen. Meist wird Ambroxol zur Behandlung von starkem Husten, der infolge einer Erkältung auftritt, eingesetzt. Aber auch bei einer COPD oder Mukoviszidose kann der Wirkstoff zu Therapiezwecken verwendet werden.

Ambroxol hat zudem eine leicht betäubende Wirkung. Lutschtabletten, die mit dem Wirkstoff versetzt sind, können starke Halsschmerzen lindern, da Ambroxol bestimmte Ionenkanäle blockiert.Wie ein lokales Betäubungsmitttel kann Ambroxol damit verhindern, dass Schmerzen ans Gehirn weitergeleitet werden.

Ambroxol wird zur Behandlung von Husten und Atemwegserkrankungen mit zäher Schleimbildung eingesetzt
Ambroxol wird zur Behandlung von Husten und Atemwegserkrankungen mit zäher Schleimbildung eingesetzt© Fotolia
 

Ab welchem Alter darf man Ambroxol nehmen?

Ambroxol kann zwar bereits im Vorschulalter eingesetzt werden. Je nach Alter werden aber unterschiedliche Dosierungen empfohlen.

Brausetabletten sind mit 60 mg sehr hoch dosiert. Sie sind zwar für Patienten ab 12 Jahren geeignet. Die Startdosis liegt bei Jugendlichen jedoch bei nur einer ½ Brausetablette, also 30 mg.  Tabletten oder Kapseln mit einem Wirkstoffgehalt von 30 mg dürfen ab einem Alter von sechs Jahren eingesetzt werden. Die Startdosis liegt jedoch auch bei dieser Altersgruppe bei einer halben Tablette (15 mg).

Grundsätzlichen können auch Kinder unter zwei Jahren mit dem Wirkstoff behandelt werden – allerdings nur nach ärztlicher Anordnung. Saft oder Tropfen mit dem Wirkstoff sind hier meist die beste Wahl, da nur sehr niedrige Dosierungen erforderlich sind. Saft und Tropfen eignen sich nicht nur gut für Kinder, sondern auch für Personen, die Probleme haben eine Tablette zu schlucken.

 

Ambroxol, besser Saft oder Tablette?

Ob Ambroxol nun als Saft oder als Tablette eingenommen wird, ändert nichts an der schleimlösenden Wirkung. Was jedoch zu einem kleinen Teil beeinflusst wird, ist der Wirkungseintritt. So werden die Beschwerden unter der Einnahme von Ambroxol in Saftform etwas schneller gelindert, da hierbei der Wirkstoff schon in gelöster Form vorliegt und somit vom Körper schneller aufgenommen werden kann.

 

Ab wann wirkt Ambroxol?

Ab wann Ambroxol wirkt bzw. wie schnell der Wirkstoff Beschwerden lindert, liegt u.a. daran, in welcher Darreichungsform Ambroxol eingenommen wird. Generell kann man aber sagen, dass bereits nach etwa vier bis sechs Stunden eine Wirkung eintritt.

Ambroxol in Saftform sollte nicht länger als vier bis fünf Tage lang eingenommen werden. In Tablettenform nicht länger als drei Tage.

 

Wirkt Ambroxol blutverdünnend?

Der Wirkstoff Ambroxol hat zwar einen „verflüssigenden“ Effekt auf zähen Schleim, jedoch verflüssigt oder verdünnt er nicht das Blut, wie es beispielsweise der Wirkstoff Acetylsalicylsäure macht. Ambroxol löst „nur“ den zähen Hustenschleim und befreit die Bronchien. Zusätzlich wirkt Ambroxol der Entzündung in den Atemwegen entgegen, dadurch lässt der Husten schnell nach.

Der Wirkstoff Ambroxol ist zwar apothekenpflichtig, nicht jedoch verschreibungspflichtig
Der Wirkstoff Ambroxol ist zwar apothekenpflichtig, nicht jedoch verschreibungspflichtig© Fotolia
 

Ist Ambroxol rezeptpflichtig?

Der Wirkstoff Ambroxol ist apothekenpflichtig, jedoch nicht rezeptpflichtig. Ich lege den Patienten, die sich rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke kaufen, immer ans Herz, dass sie sich wirklich von dem Apotheker / der Apothekerin beraten lassen sollen. Sie sollten von sich aus darauf hinweisen, ob sie zur Zeit andere Medikamente einnehmen, damit der Apotheker mögliche Wechselwirkungen, die durch eine bestimmte Wirkstoffkombination ausgelöst werden könnten, vermeiden kann. Auch die Darreichungsform von Ambroxol und damit auch die Dosierungshöhe sollten mit dem Apotheker besprochen werden. Denn nur weil ein Wirkstoff rezeptfrei ist, heißt es nicht, dass er harmlos ist und beliebig eingenommen werden kann.

 

Was ist besser: Acetylcystein oder Ambroxol?

Sowohl Acetylcystein (ACC) als auch Ambroxol sind Wirkstoffe, die zu den sogenannten Sekretolytika oder Mukolytika zählen. Beide Wirkstoffe besitzen antioxidative Eigenschaften. Das bedeutet, dass durch die Einnahme der Wirkstoffe der oxidative Stress, der meist durch die Entzündungsvorgänge im Bronchialsystem ausgelöst wird, verringert wird.

Beide Wirkstoffe unterscheiden sich nicht in ihrer Wirksamkeit. Beides sind effektive Mittel zur Hustenbehandlung. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrem Wirkmechanismus. Durch ACC werden bestimmte chemische Verbindungen in den Schleimmolekülen gespaltet, wodurch die Moleküle auseinanderfallen. Dadurch wird die Zähflüssigkeit herabgesetzt und das Abhusten erleichtert.

Bei Ambroxol wird das sogenannte oberflächenaktive Surfactant stimuliert. Nach Einnahme des Wirkstoffs hält der Schleim nicht mehr so stark zusammen, da die Oberflächenspannung reduziert wird. Der Schleim kann sich nicht mehr an den Lungenwänden halten. Dadurch verliert er ebenfalls an Zähflüssigkeit und kann leichter abgehustet werden.

Grundsätzlich sollte man aber immer nur einen der beiden Wirkstoffe einnehmen und nicht beide zusammen. Die Wirkung wird durch gleichzeitige Einnahme nicht verstärkt, die Nebenwirkungen jedoch schon.

Prof. Dr. Hartmut Göbel
Experte Prof. Dr. Göbel: "Ambroxol wirkt in Saftform etwas schneller, da der Wirkstoff hier bereits in gelöster Form vorliegt."© privat
 

Macht Ambroxol abhängig?

Der Wirkstoff Ambroxol macht nicht abhängig, sondern „verflüssigt“ nur den in den Bronchien festsitzenden Schleim.

Anders sieht es bei hustenstillenden Wirkstoffen wie Codein aus. Er gehört zu den Opiaten, lindert Schmerzen und trocknet die Schleimhaut aus. Dieser Wirkstoff kann abhängig machen, wenn er über einen längeren Zeitraum und hochdosiert eingenommen wird.

 

Dürfen alkoholkranke Personen Ambroxol einnehmen?

Man kann Personen, die alkoholkrank sind, nicht verbieten, diesen Wirkstoff einzunehmen. Ich würde ihnen jedoch nicht dazu raten, da sie ihre Leber einer schweren Doppelbelastung aussetzen. Bei dauerhafter Einnahme von Medikamenten, die über die Leber abgebaut werden, und gleichzeitigem übermäßigen Alkoholkonsum kann es zu einem Leberversagen kommen.

Generell sollte aber während der Einnahme von Medikamenten auf Alkohol verzichtet werden, da viele Arzneimittel über die Leber abgebaut werden. So auch Ambroxol. Aus diesem Grund dürfen Personen, die unter einer schweren Lebererkrankung leiden, Ambroxol beispielsweise nur in größeren zeitlichen Abständen oder in verminderter Dosis einnehmen.

 

Kann man Ambroxol noch nehmen, wenn es abgelaufen ist?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Arzneimitteln hat schon einen Sinn und sollte auch beachtet werden.

Was mit den Wirkstoffen nach Ablauf der Haltbarkeit passiert, ist nicht absehbar. Einige Arzneiwirkstoffe verlieren lediglich ihre Wirkkraft. Bei manchen Wirkstoffen jedoch, wie z.B. Hustensäfte mit Codein, können aber Abbauprodukte entstehen, die krebserregend sind. Es können im Laufe der Zeit also chemische Veränderungen auftreten, die die Inhalts- und Hilfsstoffe negativ beeinflussen. Da dies nicht bei jedem Medikament vorhersehbar ist, rate ich jedem davon ab, Medikamente einzunehmen, die bereits abgelaufen sind. Das gilt auch für alle Arzneimittel, die den Wirkstoff Ambroxol enthalten.

Wenn Ambroxol in Saft- oder Tropfenform vorliegt und die Flasche bereits angebrochen wurde und sich lediglich noch ein Rest in der Flasche befindet, sollte diese besser entsorgt werden, da sich sonst Keime in der Flasche bilden können. Der Hersteller des Arzneimittels garantiert zwar immer eine ausreichende Konservierung. Diese gilt aber nur für ungeöffnete Flaschen.

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