Sicherer Wohnen Ambient Assisted Living – kleine Technik, großer Helfer

Redaktion PraxisVITA
Senioren mit Tablet
Das System Ambient Assisted Living lässt sich mit einem Tablet oder Smartphone steuern © istock/gradyreese
Inhalt
  1. Ambient Aissted Living bewahrt Eigenständigkeit
  2. Ambient Aissted Living gewährt mehr Sicherheit
  3. Ambient Assisted Living: Kosten und Finanzierung

Moderne computergesteuerte Assistenzsysteme können Alltag und Pflege erleichtern. Erfahren Sie hier, wie das Leben mit altersgerechter Assistenz (Ambient Assisted Living) im Alter zukünftig aussehen könnte.

Die Sorge ist immer mit dabei, wenn man als pflegender Angehöriger das Haus verlässt – geht es dem Menschen, den man betreut, gut? Diese Gedanken haben auch Kinder, deren Eltern trotz zunehmender Gebrechlichkeit noch allein leben.

 

Ambient Aissted Living bewahrt Eigenständigkeit

Etwas Sicherheit kann moderne Technik bieten, kurz AAL (Abkürzung für den englischen Begriff Ambient Assisted Living = Leben mit altersgerechter Assistenz) oder auch Smart Home (= intelligentes Zuhause). Ambient Assited Living wurde vom Fraunhofer Institut ins Leben gerufen und fasst technische Systeme, Dienstleistungen und Produkte zusammen, die den hilfebedürftigen Menschen bei der Wahrung seiner Eigenständigkeit unterstützen – und auch pflegenden Angehörigen den Alltag leichter machen können.

 

Ambient Aissted Living gewährt mehr Sicherheit

Von der Steuerung der Heizung und des Lichts über die Überwachung von Elektrogeräten, bis zur Verbindung mit Hausnotrufsystemen und der Kontrolle von Fenstern und Türen ist alles möglich – individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt. So kann das System Ambient Assisted Living vor Gefahren im Haushalt wie einem nicht abgeschalteten Herd warnen und per App, Anruf oder SMS voreingestellte Kontaktpersonen informieren.

Auch kann Ambient Assisted Living in Notsituationen selbstständig Hilfe rufen, wenn beispielsweise in der Wohnung über eine bestimmte Zeit keine Aktivität stattfindet, der Angehörige nicht zur gewohnten Zeit aufsteht.

Senior mit Smartphone

Das System Ambient Assisted Living kann vor Gefahren im Haushalt wie einem nicht abgeschalteten Herd per SMS oder Anruf warnen © istock/va-Katalin

 

Ambient Assisted Living: Kosten und Finanzierung

AAL-System

Je nach System und Umfang variieren die Kosten für das System Ambient Assisted Living. Für ein Paket mit Sensoren und Hausnotruf muss mit Anschaffungskosten zwischen 150 und 450 Euro gerechnet werden.

Tipp: Es gibt auch Mietsysteme.

Achtung: Je nachdem, wie viele Komponenten man hinzunimmt, steigen die Kosten, z. B. für kompatible Thermostate an den Heizkörpern, Bewegungsmelder in den Räumen. Hinzu kommen dann einmalig Anschlussgebühren (circa 10 bis 50 Euro), laufende Gebühren, z. B. für einen Hausnotrufdienst (circa 18 bis 25 Euro).

Finanzielle Hilfe

Bei bestehendem Pflegegrad beteiligt sich die Pflegeversicherung manchmal an den laufenden Kosten so eines Ambient Assisted Livings Systems – das wird von Fall zu Fall individuell entschieden.

Mehr Sicherheit: Das smarte Haus

Weitaus mehr als ein Notruf auf Knopfdruck: Mit modernen Hilfssystemen kann man ein ganzes Haus ausstatten

Rauchmelder

Sie sind gesetzlich vorgeschrieben. Tipp: Für Menschen mit eingeschränkter Hörfunktion gibt es Varianten mit Lichtsignal und Rüttelkissen. Gehörlose können sich die Kosten dafür von der Krankenkasse erstatten lassen.

Sensormatte

Wer sich sorgt, dass sein Angehöriger sich aus dem Zimmer schleicht oder aus dem Bett fällt, kann eine Sensormatte vor das Bett installieren. Sie sendet bei Berührung ein Signal.

Herdplatte an
Ist der Herd noch an? Sensoren im Herd können das Gerät automatisch abschalten © istock/N-sky

Elektrogeräte-Gebrauchssensoren

Mit zunehmendem Alter kann das schnell passieren: Der Herd bleibt an – Brandgefahr! Kleine Sensoren bemerken das und schalten den Herd automatisch ab. Man kann auch andere Geräte wie Kaffee- oder Waschmaschine damit ausstatten.

Bewegungsmelder

An Fenstern und Türen warnt das System vor möglichen Einbrechern. Es kann auch zur Vorsorge genutzt werden, indem es sich meldet, wenn im Haushalt längere Zeit keine Aktivität verzeichnet wird. Bewegungsmelder an der Decke können z. B. bei einem Sturz oder Ohnmacht einen Notruf absetzen.

Wassermelder

Eine überlaufende Wanne oder Waschmaschine kann viel Schaden anrichten – mit dem Wassermelder merkt man es frühzeitig, wenn zu viel Wasser läuft.

kaputte Waschmaschine
Ein Wassermelder in der Waschmaschine kann verhindern, dass zu viel Schaum aus der Maschine läuft © istock/diego_cervo

Telefon und Notruf

Ist jemand Bettlägerig, sollten Telefon und Notruf in greifbarer Nähe platziert sein. Für Hörgeschädigte gibt es sie mit Lichtsignal statt akustischer Klingel.

Sonderfall Demenz – besondere Hilfen

Erinnerungsfunktion

Das intelligente System kann den Pflegebedürftigen per Signal oder Sprachnachricht daran erinnern, z. B. seine Medikamente einzunehmen, aber auch dabei helfen, den Tag zu strukturieren, indem es zu bestimmten Zeiten weckt, das Licht der Tageszeit anpasst.

Schutz bei Weglauf-Tendenz

Mit Sensoren an den Türen, Sensormatten vor dem Bett oder der Eingangstür kann der pflegende Angehörige per App-Signal, Anruf oder SMS gewarnt werden, wenn der Pflegebedürftige ohne sein Wissen sein Zimmer oder das Haus verlassen möchte. Falls man das möchte, kann man dazu noch Überwachungskameras mit Bewegungsmeldern installieren, die bei Stürzen einen Notruf absetzen.

Senior an der Tür
Sensoren an der Tür können pflegende Angehörige warnen, wenn der Pflegebedürftige das Haus verlassen möchte © istock/kali9

Ortungssysteme

Neigt jemand dazu, wegzulaufen und sich dann zu verirren, können GPS-Ortungssysteme helfen. Es gibt sie z. B. als Armband, das ähnlich dem Navigationssystem im Auto Satelliten nutzt. Der dementiell Erkrankte sollte dieses Armband ständig tragen. Weiß man nicht, wo er ist, kann man ihn damit sicher orten. Alternativ gibt es auch GPS Notruf-Uhren. Diese Armbanduhr verfügt über eine Mobiltelefon-Funktion und einen GPS-Sender, der die Position im Notfall oder bei Abfrage in Adressform per SMS an vorprogrammierte Teilnehmer sendet.

Farb- und Lichtsysteme

Mit Lichtern, die sich über Bewegungsmelder bei nächtlichem Bewegungsdrang automatisch einschalten und mit Farbleisten, die bei der Suche von z. B. Bad oder Schlafzimmer helfen, kann man die Wohnung für einen dementiell Erkrankten sicherer machen.

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