Alzheimer mit 55: Ich weiß nicht, ob meine Frau mich noch erkennt

Frau mit Alzheimer und ihr Mann
So oft es geht, verbringt das Paar seine Zeit in der Natur. Daran scheint die an Alzheimer erkrankte Magdalena immer noch Freude zu haben © Fotolia

Ein Mann berichtet, wie er mit seiner ganzen Liebe gegen die Krankheit seiner Frau kämpft und nicht aufgibt.

Wie soll man sich das vorstellen? Wie ist das, wenn die Wörter, die einem ein Leben lang vertraut waren, plötzlich fort sind? Was ist das hier in meiner Hand? Ein Schlüssel? Was macht man damit? Und wer ist die fremde Frau dort im Spiegel?

Eine Geschichte über Alzheimerkranke ist eine Geschichte voller Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Nicht für die Kranken. Und auch nicht für die Menschen, die sie lieben.

Die Frage, die Klaus Erichs* aus Düsseldorf zurzeit am meisten quält, ist diese: Erkennt meine Frau mich überhaupt noch?

 

Alzheimer bedeutet Abschied nehmen

"Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen", erklärt der 72-Jährige. "Alzheimer ist wie jeden Tag ein bisschen Abschied zu nehmen. Oft blickt Magdalena einfach ins Leere. Ich weiß nicht, was sie dann sieht. Und ich weiß auch nicht, was oder wen sie sieht, wenn sie mich anblickt."

Sieben Jahre sind vergangen, seitdem Magdalena die Diagnose "Alzheimer" bekam. 55 war sie da erst. Eine engagierte Lehrerin für Englisch, Mathematik und Sport. Beliebt bei Schülern und Kollegen, alles war gut. Nur dass ihr immer öfter die Kreide aus der Hand fiel. Dass sie plötzlich Schwierigkeiten mit den Namen ihrer Schüler hatte. Ihr Portemonnaie ständig verlegte. Dann wurde es schlimmer, wie ihr Mann erzählt: "Sie verwechselte rechts und links, fand die Tür zum Bad nicht mehr." Heute kann Magdalena Erichs nicht mehr alleine essen, sich nicht mehr alleine waschen, nicht alleine anziehen.

Wie gerne denkt Klaus Erichs zurück an die Zeit, als er sich mit seiner Frau noch unterhalten konnte. "Das ging noch bis vor einem Jahr", sagt er. Doch dann verschwanden die Wörter aus Magdalenas Kopf. Eines nach dem anderen. Wie Wassertropfen, die aus einem Fass fallen, bis es leer ist.

 

Alzheimer mit Liebe begegnen

Die Wohnung im ersten Stock kann die Kranke inzwischen nicht mehr ohne ihren Mann erreichen. "Sie weiß nicht mehr, was Treppen sind", erklärt er. Der ehemalige Bauleiter steht nachts auf, um mit ihr zur Toilette zu gehen. Er muss ihr beim Zähneputzen helfen, sie füttern und ständig in ihrer Nähe sein, damit sie nicht wegläuft. Dreimal ist das schon passiert. Einmal musste sogar die Polizei nach ihr suchen. Seitdem schließt Karl Eisenbarth die Haustür immer ab.

Seine größte Sorge ist nun, dass er selbst krank werden könnte. Was soll dann werden? Wird Magdalena irgendwann in ein Heim müssen?

Auch darauf weiß niemand eine Antwort. Doch Klaus Erichs ist glücklich, dass Magdalena ihm wenigstens auf seine wichtigste Frage noch antworten konnte. Vor drei Jahren war das. "Willst du mich heiraten?", hat er da gefragt, nach zweieinhalb gemeinsamen Jahrzehnten, und sie sagte: "Ja." Seitdem steckt er ihr jeden Morgen den Ehering an den Finger. Auch wenn sie nicht mehr weiß, was er bedeutet.

 

Alzheimer: Das sind Warnsignale!

  • Vergesslichkeit: Wer gelegentlich einen Namen vergisst, muss nicht gleich Alzheimer haben. Alarmsignale sind aber immer häufigeres Vergessen, bei dem man sich auch später nicht wieder erinnern kann. Oder: Man erkennt jemanden nicht wieder, den man erst kurz zuvor kennengelernt hat.
  • Sprachprobleme: Betroffene suchen oft vergeblich nach passenden Wörtern, auch bei Alltagsgegenständen. Sie sagen dann etwa: "Das Ding zum Schneiden" statt "Messer".
  • Falsche Zuordnung von Gegenständen: Alzheimerkranke legen Dinge oft am falschen Ort ab, etwa die Brille in den Kühlschrank oder die Zeitung in den Kleiderschrank.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Betroffene verlaufen sich selbst in der Nachbarschaft oder bringen Tageszeiten durcheinander.
  • Stimmungsschwankungen: Alzheimerkranke sind manchmal in der einen Minute noch fröhlich, brechen in der nächsten in Tränen aus oder werden wütend.

*Name von der Redaktion geändert

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