Alzheimer: Hoffnung auf Heilung

Stress erhöht Alzheimerrisiko
Risikofaktor Stress: Dauerhafte Überbelastung erhöht das Risiko, an Alzheimer zu erkranken © Fotolia

Forscher auf der ganzen Welt suchen fieberhaft nach einem Mittel gegen die gefürchtete Alzheimererkrankung. Vor allem bei der Früherkennung tut sich etwas.

 

Gibt es Früherkennungs-Tests, um Alzheimer festzustellen?

Bislang wird Alzheimer erst festgestellt, wenn es bereits zu ersten Gedächtnis-Ausfällen kommt. Doch Tests zur Früherkennung sind absehbar: So wissen Forscher mittlerweile, dass es schon Jahre vor Ausbruch der Demenz zu Veränderungen in der Nasenschleimhaut und den Nervenzellen der Augen kommt. Mit radioaktiven Markern konnten Leipziger Wissenschaftler die Eiweißablagerungen im Gehirn nachweisen, die offenbar in die Demenz führen. Ganz neu ist der Ansatz, anhand der Schrumpfung des Gehirns zu berechnen, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Neurologen an der Universität Frankfurt testen seit Anfang dieses Jahres entsprechende Verfahren. Der Nutzen von Früherkennung für die Betroffenen ist allerdings noch bescheiden: Denn bisher kann der Ausbruch lediglich mit Medikamenten verzögert werden.

 

Was passiert bei Alzheimer im Kopf?

Wahrscheinlich sind Eiweißablagerungen im Gehirn für Alzheimer verantwortlich. In und zwischen den Nervenzellen stören sie so nachhaltig den Stoffwechsel, dass die Zellen absterben. Dadurch schrumpft das Gehirn mehr und mehr, die Folgen sind Gedächtnis-und Orientierungsverlust, später ist auch das Denken und Fühlen der Betroffenen nachhaltig gestört. Was genau den "Protein-Müll" verursacht, weiß man noch nicht, auch lassen sich die Ablagerungen bisher nicht entfernen. Alzheimer ist ein schleichender Prozess: Die Vorphase dauert zehn bis 15 Jahre.

 

Wer ist gefährdet, an Alzheimer zu erkranken?

Rund 1, 2 Millionen Deutsche sind an Alzheimer erkrankt. Experten befürchten, dass sich die Zahl in den nächsten Jahrzehnten verdoppelt. Hauptgrund: die zunehmende Lebenserwartung. Über 95 Prozent der Erkrankungen treten nach dem 65. Lebensjahr auf, Frauen sind häufiger betroffen, weil sie älter werden als Männer. Weitere Risikofaktoren: Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen.

 

Was kann man zur Vorbeugung gegen Gedächtnisstörungen tun?

Die wichtigste Vorbeugung: Sport, gesunde Ernährung und Gedächtnistraining. Vier große deutsche Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung die Demenz-Gefahr um bis zu 70 Prozent reduzieren kann. Eine US-Studie mit 2000 Personen ergab, dass Mittelmeerkost (viel Gemüse, wenig Fleisch, Olivenöl) das Risiko um 35 Prozent senkt. Optimale Übung für den Kopf: eine Fremdsprache lernen. Bei den möglichen Auslösern von Alzheimer gibt es weniger Klarheit: Dauer-Stress, Kupfermangel und Parodontose stehen unter starkem Verdacht.

 

Gibt es schon wirksame Therapien gegen Alzheimer?

Die Behandlungsmöglichkeiten von Alzheimer sind begrenzt. Wenn es wiederholt zu Gedächtnisproblemen kommt, kann mit neurologischen Tests festgestellt werden, ob eine beginnende Demenz vorliegt. Für diese frühe Phase gibt es mittlerweile Medikamente (sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer), die den geistigen Abbau hinauszögern. Bei schwerer Demenz hilft der Wirkstoff Memantine: Die Betroffenen sind aktiver und weniger pflegebedürftig. Später treten häufig Unruhe, Ängste und Depressionen auf, auch dagegen gibt es lindernde Medikamente.

 

Ist eine Impfung gegen Gedächtnisstörungen in Sicht?

Wissenschaftler der Berliner Charité wähnten sich im vergangenen Jahr bereits auf einem guten Weg: Testweise bekamen 50 Patienten regelmäßig Injektionen mit sogenannten Antikörpern, die das Immunsystem anregen sollten, die Eiweißablagerungen im Gehirn abzubauen. Das wäre ein erster Schritt in Richtung Impfstoff gewesen. Der Abbau der Eiweißablagerungen gelang tatsächlich, doch leider ging es den Testpersonen nicht besser. Es wird weiter geforscht.

 

Wann kommt der Durchbruch?

Die US-Regierung hat den Kampf gegen Alzheimer kürzlich zum nationalen Projekt erklärt. Ehrgeiziges Ziel: Heilung bis 2025. Große Hoffnung setzen amerikanische Forscher auf das Krebsmittel Bexaroten: Bei Alzheimer-Mäusen brachte es die Eiweißablagerungen im Gehirn zum Verschwinden, und auch die Gedächtnisstörungen gingen zurück. Jetzt folgen Studien beim Menschen.

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