Alterssichtigkeit: Wenn die Sehkraft abnimmt

Mit der richtigen Lesebrille gewinnen Sie Lebensqualität zurück
Eine Sehhilfe bei Alterssichtigkeit gibt dem Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurück © Fotolia

Mit zunehmendem Alter wird die Elastizität unserer Augenlinse geringer und damit auch die Fähigkeit, scharf zu sehen. Die sogenannte Alterssichtigkeit tritt ein.

 

Alterssichtigkeit beschreibt eine Sehschwäche im Nahbereich

Streng genommen gilt Alterssichtigkeit nicht als Krankheit, weil sie aufgrund natürlicher Prozesse zustande kommt. Doch sie beeinträchtigt die Wahrnehmung und muss ausgeglichen werden.

Verantwortlich ist die Augenlinse, die von außen einfallendes Licht derart brechen sollte, dass es gebündelt auf der Netzhaut ankommt und ein scharfes Bild entstehen kann. In dieser Linse lagern sich im Lauf der Zeit verschiedene Stoffe ab, zum Beispiel Kalk. Folge ist eine zunehmende Verhärtung, die sich bei vielen Menschen ab dem 40. Lebensjahr als Alterssichtigkeit bemerkbar macht. Dem Auge gelingt es nicht mehr so gut, sich auf Objekte in der Nähe einzustellen. Denn dafür ist eine mehr oder weniger starke Wölbung der Linse notwendig. Dafür fehlt ihr jedoch nun die ausreichende Elastizität.

Meist fallen die Symptome beim Lesen auf: Es strengt an und es kommt zu einem Druckgefühl im Stirnbereich. Buchstaben sind schwerer zu erkennen und werden erst dann schärfer wahrgenommen, wenn ein größerer Abstand zu Buch oder Zeitschrift gewahrt wird. Manche Betroffene halten ihre Lektüre sogar mit ausgestrecktem Arm von sich fort.

 

Alterssichtigkeit: Behandlung

Eine Lesebrille korrigiert die Sehschwäche bei Alterssichtigkeit. Liegt gleichzeitig Kurzsichtigkeit vor, bieten sich Bifokalbrillen an, da in ihre Gläser ein Bereich für die Nahsicht eingeschliffen ist. Gleitsichtgläser gehen allmählich und unmerklich vom Fern- zum Nahbereich über. Sie sind jedoch nicht in jedem Fall geeignet.

Moderne Kunstlinsen – sogenannte Intraokular- oder Multifokallinsen – machen es heute jedoch möglich, ohne Brille bis ins hohe Alter scharf zu sehen. Ihr Vorteil: können sowohl bei Alterssichtigkeit als auch beim grauen Star die geschwächte körpereigene Augenlinse ersetzen. Einmal implantiert, sorgen sie dauerhaft dafür, dass man nicht nur in der Ferne, sondern auch in der Nähe alles wieder klar erkennen kann.

 

Der Eingriff dauert nur wenige Minuten

Um die Kunstlinse einsetzen zu können, wird in einer ambulanten Operation im ersten Schritt die körpereigene Augenlinse entfernt. Dafür wird zunächst das Auge betäubt – in der Regel reicht hierfür ein Mittel aus, das in Augentropfen verabreicht wird. Anschließend wird ein kleiner Schnitt an der Hornhaut durchgeführt, über den die Linse mit einem speziellen Instrument abgesaugt wird.

Alterssichtigkeit Kontrolle beim Augenarzt
Auch bei einer bereits festgestellten Alterssichtigkeit ist eine regelmäßige Kontrolle der Sehkraft sehr wichtig© IStock

Im zweiten Schritt wird die gefaltete Kunstlinse über den Hornhautschnitt ins Auge eingebracht. Die Linsen bestehen aus sehr weichem Material (z. B. Silikon), das sich im Augeninneren von alleine entfaltet. Danach sichert der Arzt die Lage mit kleinen, elastischen Bügeln. Die Multifokallinse befindet sich nun in gleicher Position wie zuvor die körpereigene Linse. Der Eingriff dauert zwischen 15 und 30 Minuten. Oft ist der Schnitt so klein, dass er sich selbstständig verschließt.

 

Die neue Linse hält ein Leben lang

Grundsätzlich empfehlen Mediziner, beide Augen im Abstand von ein bis zwei Wochen zu operieren. So hat der Patient die Möglichkeit, sich im Alltag weiterhin gut zurechtzufinden. Am Operations-Tag wird das Auge nach dem Eingriff verbunden. Der Verband wird dann am Folgetag bei der Kontrolluntersuchung entfernt.

Der Heilungsprozess ist meist nach vier bis sechs Wochen abgeschlossen. Ängste vor Abstoß-Reaktionen sind übrigens unbegründet: Die verwendeten Materialien werden vom Körper sehr gut angenommen. Auch Nachoperationen sind nicht notwendig – der Eingriff hält lebenslang.

Leider ist die Linse nicht für jeden geeignet. Das gilt z. B. für Patienten, die unter chronisch fortschreitenden Augenerkrankungen (z. B. grüner Star) leiden. Auch bei Netzhauterkrankungen ist der Eingriff nicht möglich.

Werden die Linsen im Rahmen einer Behandlung des grauen Stars ausgetauscht, handelt es sich um eine Kassenleistung. Ansonsten müssen die Behandlungskosten von den Betroffenen selbst getragen werden. Diese können abhängig von den Bedürfnissen des Patienten stark variieren. Inklusive Vor- und Nachuntersuchungen liegen sie zwischen 3000 und 4500 Euro für beide Augen. Viele Kliniken bieten jedoch Finanzierungsmöglichkeiten an.

 

Alterssichtigkeit: Vorbeugen und Selbsthilfe

Regelmäßige Augengymnastik kann einen positiven Einfluss auf die Sehschärfe haben und könnte Alterssichtigkeit vorbeugen. Um möglichst lange gesunde Augen zu haben, sollte man oft grünes Blattgemüse essen. Es enthält viel Lutein. Dieser Farbstoff wird in der Makula eingelagert und wirkt dort als Radikalenfänger. So kann der Alterungsprozess im Auge deutlich verlangsamt werden. Die Vitamine C, E und A sind ein guter Schutz fürs Auge. Vor allem in Kombination mit Omega-3-Fettsäuren, die ebenfalls freie Radikale unschädlich machen. Außerdem sollte man seine Augen vor schädlichen UV-Strahlen schützen. Eine gute Sonnenbrille ist vor allem bei Aufenthalten im Hochgebirge wichtig, da die Strahlung in großer Höhe besonders intensiv ist.

So wie zu lange Sonnenbäder die Haut vorzeitig altern lassen, verstärkt starke Sonneneinstrahlung die Alterungsprozesse der Augen. Wichtig ist auch, dass man regelmäßig zu Früherkennungsuntersuchungen beim Facharzt geht. Ab 40 Jahren sollte jeder ein Mal im Jahr den Augeninnendruck messen lassen. Bei Auffälligkeiten wird der Experte weitere Untersuchungen wie zum Beispiel Gesichtsfeldmessung und Retina-Tomografie vornehmen.

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