Also doch! Männer empfindlicher für Infektionskrankheiten

Männer empfindlicher für Krankheiten
Männer leiden (wirklich) mehr unter bestimmten Krankheiten als Frauen, weil sie weniger Östrogen produzieren © Fotolia

Es galt bisher als Binsenweisheit: Männer leiden mehr unter Erkrankungen als Frauen. Doch eine Studie zeigt nun, dass Männer offenbar nicht grundlos mehr jammern. Tatsächlich sind sie gegenüber vielen Infekten empfindlicher. Praxisvita hat die Fakten.

Die Forscher der Harvard University stellten sich in einer aktuellen Studie die Frage, wieso Männer häufiger an bestimmten Infekten erkranken als Frauen. Dabei fanden sie heraus, dass das weibliche Immunsystem widerstandfähiger ist, als das ihrer männlichen Artgenossen.

 

Östrogen: Geheimwaffe der Frauen

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen bestimmte bakterielle Erreger – wie z.B. Streptococcus Pneumoniae oder Staphylococcus Aureus –, die zu schweren Atemwegserkrankungen (beispielsweise Lungenentzündungen) führen können.

Lungenentzündung:

Die Lungenentzündung (Pneumonie) gilt als die tödlichste Erkrankung. Weltweit erkranken jährlich schätzungsweise 450 Millionen Menschen an der Pneumonie, von denen rund vier Millionen Patienten sterben.

Die Studie zeigt, dass Frauen eine erhöhte Resistenz gegenüber diesen bakteriellen Erregern haben. Der Grund: Ein bestimmtes Enzym (NO-Synthase 3), das durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen aktiviert wird. Dieses Enzym stellte sich als effektiver Bakterien-Killer heraus. Anders gesagt: Je mehr NO-Synthase-3-Enzyme im Körper aktiv sind, desto schneller werden Lungenentzündung auslösende Erreger vernichtet.

 

Männer mit Weiblichkeit behandeln

Grundsätzlich verfügen auch Männer über dieses Enzym. Da sie aber naturgemäß weniger Östrogen produzieren, werden weniger Bakterien-Killer aktiviert. Tatsächlich zeigte ein Versuch mit Mäusen, dass durch die Behandlung mit Östrogen die Aktivität der NO-Synthase-3-Enzyme gesteigert werden kann.

Da der Östrogenspiegel im Körper bei beiden Geschlechtern künstlich erhöht werden kann, spricht das Forscherteam um Studienleiterin Professor Lester Kobzik von einer großen Chance – auch für Männer – in Zukunft gefährliche bakterielle Lungenentzündungen, die normalerweise mit starken Antibiotika behandelt werden, mit einer Art Hormontherapie behandeln zu können.

Hamburg, 20. Oktober 2014

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.