Als Corona-Hygienemaßnahme: Deutsche Uni verbietet Vollbärte

Damit die FFP2-Masken richtig sitzen, müssen sich Studenten und Mitarbeiter an einer deutschen Universität die Vollbärte abrasieren. Die Corona-Hygienemaßnahme ruft gemischte Reaktionen hervor.

Deutsche Uni verbietet Vollbärte
Deutsche Uni verbietet Vollbärte: Nachvollziehbar oder unverhältnismäßig? Foto: iStock/AnnaStills

Das Tragen von FFP2-Masken senkt das Risiko einer Corona-Infektion laut zahlreicher Studien erheblich. Wichtig ist allerdings, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt. Um dies sicherzustellen, verbietet eine deutsche Universität ihren Studenten und Mitarbeitern nun Vollbärte.

FFP2-Masken richtig tragen: Mit Vollbart unmöglich

Im Dezember 2021 veröffentlichte das Max-Planck-Institut eine Studie zur Effektivität gut sitzender FFP2-Masken. Trifft eine nicht infizierte Person in einem geschlossenen Raum auf eine infizierte Person, beträgt das Ansteckungsrisiko selbst auf kürzeste Distanz nach 20 Minuten kaum mehr als ein Promille. Sitzen die Masken beider Personen schlecht, steigt das Risiko auf rund vier Prozent.

Genau hier setzt die Corona-Hygienemaßnahme der Universitätsmedizin in Greifswald an: Vollbärte machen das korrekte Tragen von FFP2-Masken unmöglich. Erscheint ein Medizinstudent also mit Vollbart in der Klinik um dort zu arbeiten, wird er wieder nach Hause geschickt.

Uni Greifwald: Vollbärte müssen abrasiert werden

Der Krisenstab der Universitätsmedizin in Greifswald versendete vergangene Woche eine Rundmail, in der Studenten und Mitarbeiter darüber informiert wurden, welche Bartfrisuren mit den aktuellen Corona-Hygienemaßnahmen konform gehen und welche nicht. Der Mail angehängt war eine Grafik aus den USA, die zeigt, dass verschiedene Stile des Vollbarts verboten sind.

Die Grafik stammt laut "Nordkurier" ursprünglich vom amerikanischen Center for Disease Control an Prevention (CDC), das mit dem deutschen Robert-Koch-Institut vergleichbar ist. Sie war erstmals 2017 verwendet worden.

Gehört ein Vollbart zum Persönlichkeitsrecht?

Das Vollbart-Verbot wird ganz unterschiedlich aufgenommen. Befürworter weisen darauf hin, dass es in vielen Alltagsbereichen normal sei, auf die Körperbehaarung zu achten. Ärzte müssten dies genauso tun wie Angestellte in der Gastronomie.

Im Interview mit der "Ostsee-Zeitung" betonte Krisenstabsleiter Klaus Hahnenkampf: "Wir tragen die FFP2-Maske, um uns zu schützen. Und das geht nur, wenn diese dicht am Gesicht fest anliegt."

Der Schutz der Erkrankten sei wichtiger als ein persönlicher Look: "Im Klinikbereich sind Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte unvermeidbar, wenn es um die Sicherheit von Patientinnen, Patienten und medizinischem Personal geht."

Scharfe Kritik am Bartverbot in Greifswald

Nicht alle können das Verbot von Vollbärten an der Greifswalder Uniklinik nachvollziehen. Susanne Schmidt, Medizinstudentin im neunten Semester und FDP-Vorstandsmitglied in Greifswald, nannte die Maßnahme "unverhältnismäßig". Sie führte aus, dass die Studierenden auf anderem Wege sicherstellten, das Coronavirus nicht zu verbreiten:

"Die Medizinstudierenden lassen sich vor jedem praktischen Einsatz testen. Also einmal am Tag. Wenn sie infiziert sein sollten, haben sie an diesem Tag so eine geringe Viruslast, dass sie nicht infektiös sind. Die meisten von uns sind zudem bereits vollständig geimpft oder geboostert."

Bis auf weiteres bleibt das Vollbart-Verbot bestehen: Medizinstudenten, deren FFP2-Maske nicht eng genug anliegt, müssen die Klinik wieder verlassen.

Quellen:

So gut schützen Masken, in: mpg.de

Greifswalder Unimedizin verbietet Mitarbeitern und Studenten Vollbart, in: ostsee-zeitung.de

Kuriose Rasur-Vorschrift an Uni Greifswald – Hitler-Bart erlaubt, in: nordkurier.de