Alltag mit Demenz: Tipps für Angehörige

Redaktion PraxisVITA
Demenzkranke wird von Anghöriger gepflegt
Fast 70 Prozent der Patienten mit Demenz werden von Familienangehörigen gepflegt © istock

In Deutschland sind über eine Million Menschen von der Demenz-Diagnose betroffen – und mit ihnen Angehörige wie Partner, Kinder, Freunde. Was macht das mit uns und wie gehen wir damit um?

Rund 1,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Krankheit. Doch was passiert, wenn die Demenz plötzlich mit am eigenen Tisch sitzt? Wenn nichts mehr ist, wie es war? Was macht das mit uns Angehörigen und wie gehen wir damit um?

 

Demenz: eine leidvolle Erfahrung für Angehörige

Neben den rund 1,6 Millionen Alzheimer-Kranken in Deutschland sind auch unzählige Partner, Kinder, Freunde von der furchtbaren Diagnose betroffen. Besonders hart für einen Angehörigen ist, dass er „den Krankheitsverlauf der Demenz – im Gegensatz zum Erkrankten – in vollem Maße mitbekommt“, erklärt Dr. Claus Wächter, Chefarzt der Fachabteilung für Gerontopsychiatrie an der Asklepios Klinik Hamburg-Nord. Der Mediziner ist überzeugt: „Die Erkrankungen und Probleme, mit denen Angehörige von Demenzkranken zu kämpfen haben, werden meist noch unterschätzt.“

 

Die Wesensveränderung des Demenzkranken ist für Angehörige am schwersten

„Für Angehörige ist wohl die Veränderung der Persönlichkeit des Demenzkranken am schwersten zu verkraften“, weiß die Sozialwissenschaftlerin Dr. Sandra Maxeiner. „In den meisten Fällen passieren diese Veränderungen so schnell, dass Angehörige das nicht verarbeiten können. Sie gehen durch ein Wechselbad der Gefühle. Fassungslosigkeit, Schmerz und Mitleid wechseln mit Hilflosigkeit, Ärger, Wut, Trauer und Verzweiflung.“ Sie rät Angehörigen, sich unbedingt professionelle Hilfe und Pflegeunterstützung bei der Betreuung des Demenzkranken zu holen.

Demenz-Angehöriger ist gestresst
Stehen Demenz-Angehörige noch im Berufsleben, fühlen sie sich oft unter Stress gesetzt, die Pflege des kranken Menschen zu organisieren© istock
 

Pflegende Angehörige leiden öfter unter Depressionen

Stehen pflegende Angehörige noch im Berufsleben, fühlen sie sich oft unter Zeitdruck gesetzt, die Aufgaben und Pflege des demenzkranken Menschen zu organisieren.

Internationale Studien zeigen, dass sich dies auf ihre eigene Gesundheit auswirkt. So werden pflegende Angehörige häufiger depressiv und leiden eher unter psychosomatischen Beschwerden wie z. B. Gliederschmerzen oder Verdauungsstörungen.

Auch das eigene Sterberisiko steigt und die Einweisung ins Heim erfolgt früher – das meldet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

 

Demenzrisiko erhöht sich mit der Erkrankung des Partners

Eine aktuelle Studie aus Amerika zeigt außerdem, dass das Demenzrisiko von Ehefrauen um das vierfache, das von Ehemännern um das zwölffache steigt, nachdem der Partner an Demenz erkrankt ist. Ursachen könnten im vorangegangenen gleichen Lebensstil so wie in der seelischen Belastung liegen.

Erfahren Sie außerdem im Video, welche Hilfsmittel Ihnen den Alltag in der Pflege leichter machen:

 

Mit Kindern über Demenz reden

Es hat Auswirkungen auf die gesamte Familie: Erkrankt jemand an Alzheimer-Demenz sind nicht nur Ehepartner gefragt, sondern auch die Kinder und Enkel. Jedoch scheuen sich viele Erwachsene, das Thema bei Kindern anzusprechen. Was sie dabei verkennen: Diese bemerken sehr wohl, dass Oma sich plötzlich anders verhält. Den Kontakt zwischen ihnen deshalb einzuschränken, wäre der falsche Weg. Denn Kinder können viel entspannter als Erwachsene mit scheinbar schrägen Verhaltensweisen umgehen. Sie lachen einfach laut los, wenn Opa mittags die Kaffeetassen statt der Suppenteller eindeckt. Diese spontane, humorvolle Reaktion auf das „Missgeschick“ kann für alle befreiend sein.

Mit den Kindern über Demenz reden
Erkrankt jemand an Alzheimer-Demenz sollten auch die Kinder und Enkel darüber informiert werden© istock
 

Demenz: Info-Tipps für Angehörige

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