Allergieprävention: Kinder vor Allergien schützen

Dr. med. Nadine Hess

Überall liest man: Allergien nehmen wieder zu und gerade jetzt werden sie wieder besonders häufig Thema, weil der Frühling naht – und damit für viele wieder die Hauptsaison für allergische Beschwerden. Viele Eltern, die selbst Allergiker sind, fragen sich darum: gibt es eine Möglichkeit zur Allergieprävention bei Kindern? Und wenn mein Kind eine Allergie entwickelt, welche Medikamente kommen dann in Frage? Ab wann ist eine Hyposensibilisierung gegen das Allergen bei Kindern möglich?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Mit je mehr Nahrungsmitteln der Körper im ersten Lebensjahr konfrontiert wird, desto weniger häufig entwickeln sich in der Folgezeit Allergien.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Wir alle sehen dem Frühling mit großer Freude entgegen – endlich wieder Sonne, blühende Sträucher, sprießendes Grün. Der Spielplatz ist wieder mehrere Tage hintereinander trocken und die Kinder sind auch mal drei Wochen am Stück fieberfrei. Der lange Winter mit seinen vielen Infekten und dem gruseligen Wetter hat an uns genagt. Für einige ist die Vorfreude auf die wieder wärmer und länger werdenden Tage aber leider getrübt: Allergiker mit einer Allergie gegen Pflanzenpollen.

Wenn Mama oder Papa unter einer ausgeprägten Allergie leiden (es können auch sogenannte perenniale Allergene wie Hausstaubmilben sein, die das ganze Jahr Probleme bereiten), möchten sie gern alles tun, um ihrem Kind diese Beschwerden zu ersparen.

 

 Allergieprävention – schützt Stillen das Kind vor späteren Allergien?

Kind isst Brei
Allergieprävention: Durch abwechslungsreiche Kost im ersten Lebensjahr und Verzicht auf übertriebene Hygiene können Sie das Allergierisiko Ihres Kindes vermindern© Fotolia

Es gibt einige Dinge, die zur Allergieprävention infrage kommen. Kinder, die auf natürlichem Wege (also nicht per Kaiserschnitt) auf die Welt gekommen sind und Babys, die – am besten vier volle Monate – gestillt wurden, leiden seltener unter Allergien. Was die Kaiserschnittentbindung angeht: Hier ist die mangelnde Besiedelung des kindlichen Darmes durch die Bakterien der mütterlichen Vaginalflora, zu der es auf dem Weg durch den Geburtskanal kommt, mutmaßlich der Grund für eine bis zu 20 Prozent erhöhte Neigung zu Allergien[1].

Bei Kindern aus Allergie-belasteten Familien, die nicht gestillt werden können, empfiehlt man aktuell eine HA-Formulanahrung (HA steht für hypoallergen) zur Allergieprävention. Bei der HA-Nahrung sind die Eiweiße so aufgespalten, dass sie vom Körper nicht mehr als fremd erkannt werden.

 

Gibt es Nahrungsmittel, die Allergien bei Kindern fördern?

Früher hat man bei allergiegefährdeten Kindern davon abgeraten, Nahrungsmittel wie Fisch, Eier oder Nüsse (diese nur gemahlen oder als Mus füttern, sonst besteht die Gefahr des Verschluckens kleiner Nuss-Teile – Allergie hin oder her!) im ersten Lebensjahr ganz zu meiden, da sie als Nahrungsmittel mit einem hohen Potential für eine Allergieauslösung gelten. Davon ist man gänzlich abgerückt – das Gegenteil hat sich als wahr herausgestellt.

Mit je mehr Nahrungsmitteln der Körper im ersten Lebensjahr konfrontiert ist, desto weniger häufig entwickeln sich in der Folgezeit Allergien. Ein sehr vielfältiges Angebot an Lebensmitteln im ersten Lebensjahr ist also absolut sinnvoll und wünschenswert. Es gibt nur ganz wenige Dinge, wie Honig, rohes Fleisch oder Fisch, die in den ersten zwölf Monaten tabu sind.

 

Sehr auf Sauberkeit achten – ist das gut oder schlecht zur Allergieprävention?

Auch hat sich herausgestellt, dass Kinder, die in einer sterilen Umgebung aufwachsen (ständig wird alles peinlichst sauber gehalten, die Spielsachen werden desinfiziert, ebenso die Hände, etc.), häufiger zu Allergien neigen. Weil das Immunsystem mit weniger Eindringlingen von außen konfrontiert wird, lernt es offensichtlich schlechter, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Was – vereinfacht ausgedrückt – das Problem bei Allergien ist: Der Körper erkennt einen an sich unproblematischen Stoff (wie zum Beispiel Gräserpollen) als feindlich, also bekämpfenswert an – und reagiert mit einer Entzündungsreaktion. Das erklärt auch, warum Allergiker sich in den Hochphasen ihrer Allergie wie unter einem Dauerinfekt fühlen und ihre Lebensqualität deutlich beeinträchtigt ist.

Kind pustet Pusteblume
Allergieprävention Geburt: Kinder, die nicht per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind und als Baby gestillt wurden, haben im Allgemeinen ein niedrigeres Allergie-Risiko© Fotolia
 

Wie sieht die beste Behandlung von Allergien bei Kindern aus?

Ist es bei Ihrem Kind trotz Allergieprävention zur Entwicklung einer Allergie gekommen, kann man meistens gut und nebenwirkungsarm mit Antiallergika der neuen Generation behandeln, die auch nicht oder nur noch sehr wenig müde machen. Je nach den Symptomen Ihres Kindes muss vielleicht gar nichts oral eingenommen werden (Saft oder Tabletten) – oft reicht eine lokale Behandlung mit antiallergischen Augen- oder Nasentropfen aus.

Ab dem fünften Lebensjahr kann – je nach Allergie – auch eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Dies gehört jedoch – zumindest in der Anfangsphase – in die Hände eines erfahrenen Allergologen, der Sie dann auch vollumfänglich über Durchführung, Risiken und Erfolgsaussichten informiert.

 

[1] Sevelsted A. et al, Cesarean Section and Chronic Immune Disorders; 2015 Pediatrics, Jan;135(1)

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