Allergie-Therapien im Test – Was hilft wirklich?

Redaktion PraxisVITA
Der Pricktest soll eine Allergie nachweisen
Der Pricktest (engl.: Einstich) soll eine Allergie etwa gegen Pollen oder Tierhaare nachweisen © Fotolia

Es gibt viele medizinische Ansätze, eine Allergie zu behandeln. Aber wie helfen sie im Einzelfall? Facharzt Dr. Andreas Hellmann erklärt die Allergie-Therapien.

"Nimm Gräsertabletten, und du hast keinen Stress mehr mit Heuschnupfen!" – "Versuch's mal mit Lichttherapie! Ich hab' gehört, das hilft!" Im Falle einer Allergie wird man mit den unterschiedlichsten Ratschlägen überhäuft. Dr. Andreas Hellmann, Facharzt für Lungen und Bronchialheilkunde in Augsburg hat die gängigsten Allergie-Therapien unter die Lupe genommen:

 

Phytotherapie gegen Allergien

Die Methode: Pflanzliche Extrakte aus Schwarzkümmel oder Pestwurz werden beim Heuschnupfen zur Regulierung des Immunsystems eingesetzt. Einige diese Arzneien sind verschreibungsfähig, die meisten muss der Allergiker allerdings selbst zahlen.

Schwarzkümmel
Pflanzliche Extrakte aus Schwarzkümmel oder Pestwurz werden beim Heuschnupfen zur Regulierung des Immunsystems eingesetzt© istock

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Es gibt einige Patienten, die mit Pflanzenmedizin gute Erfahrungen gemacht haben. Mein Rat: Wer es das erste Mal damit versuchen will, sollte sich von einem naturheilkundlich orientierten Arzt/Allergologen beraten lassen.

 

Akupunktur gegen Allergien

Die Methode: Die Akupunktur soll bei Heuschnupfen und allergischem Asthma helfen. Die Stiche der feinen Nadeln beeinflussen das Immunsystem so, dass es nicht mehr überreagiert. Die Behandlung beginnt traditionell bereits in der symptomfreien Zeit, etwa vier Wochen vor Ausbruch allergischer Reaktionen. Laut Untersuchungen soll sich die Zahl der symptomfreien Tage erhöhen, die Beschwerden gelindert werden (Kosten: für 10 bis 15 Akupunktur-Sitzungen muss man zwischen 600 und 800 Euro rechnen, Krankenkassen zahlen nicht).

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Im Einzelfall kann Akupunktur allergisches Asthma lindern und zur Entspannung der Bronchien beitragen. Nach meinen Erfahrungen ist Patienten aber schon mit einem Stoß aus ihrem Asthma-Spray besser geholfen.

Allergie-Therapie Akupunktur
Die Akupunktur soll bei Heuschnupfen und allergischem Asthma helfen. Die Stiche der feinen Nadeln beeinflussen das Immunsystem so, dass es nicht mehr überreagiert.© istock
 

Lichttherapie gegen Allergien

Die Methode: Die Licht- oder auch Phototherapie nutzt die unterschiedlichen Strahlungen der Sonne. Zu Heilzwecken kommen die Strahlen aber aus Speziallampen, die künstliches UV- oder Infrarot-Licht erzeugen. Die UV-Therapie soll dem Körper Impulse zur Selbstheilung geben. Die Lichtstrahlen kommen bei Neurodermitis zum Einsatz, wärmendes Infrarot-Licht soll bei Atemwegsentzündungen helfen.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Die Lichttherapie hat sich bei allergischen Hauterkrankungen wie etwa Neurodermitis bewährt. Die Wirkung kann durch Medikamente noch verstärkt werden, gehört allerdings grundsätzlich in die Hände des Facharztes (Dermatologen).

 

Kneipptherapie gegen Allergien

Die Methode: Die Heilwirkung basiert auf genau dosierten Wärme- bzw. Kältereizen oder wechselwarmen Anwendungen. Zur Kneipp-Therapie gehören Wickel, Wassertreten, Waschungen, Kneippgüsse, Teilbäder (Arm-, Fuß- und Sitzbäder), medizinische Bäder mit Zusätzen und Saunagänge.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Egal, ob zu Hause in der Badewanne oder im Heilbad, jeder weiß um die wohltuende Wirkung von Wasser. Auf Allergien jedoch wirkt die Therapie allenfalls lindernd, nicht heilend. Sie sollte also nur begleitend eingesetzt werden, neben den Medikamenten die Symptome lindern.

Kneippkur
Eine Kneippkur wirkt als Allergie-Therapie lindernd, jedoch nicht heilend© Fotolia
 

Atemtherapie gegen Allergien

Die Methode: Die Atemtherapie ist ein wesentlicher Begleiter für eine erfolgreiche Asthmabehandlung. Studien zeigen, dass Patienten weniger inhalieren müssen, wenn sie regelmäßig Atemübungen durchführen. Die speziellen Übungen lernen die Betroffenen entweder in einer Lungensportgruppe oder Einzel- und Gruppensitzungen bei speziell dafür ausgebildeten Physiotherapeuten. Krankenkassen übernehmen die Kosten für ärztlich verordnete Atemtherapien. Nachfragen lohnt in jedem Fall.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Eine wertvolle Untersützung zur medikamentösen Therapie. Asthmakranke sollten Ihren Arzt darauf ansprechen.

 

Gras-Impftablette gegen Allergien

Die Methode: Die Standard-Therapie bei Heuschnupfen ist die Desensibilisierung per Spritze. Wer die nicht mag oder sogar Angst vor der Spritze hat, der kann es mit rezeptpflichtigen Gräser-Impftabletten versuchen. Das Präparat sollte mindestens acht Wochen vor Beginn des Pollenflugs eingenommen werden und wird täglich unter die Zunge gelegt – möglichst drei Jahre lang. Die Kassen zahlen.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Die Tablette ist gut untersucht und wohl ebenso wirksam wie die Spritzen, es gibt sie aber nur gegen die Gräserpollen und nicht gegen andere Allergien, wie zum Beispiel die Hausstaubmilbe. Deshalb muss man vorher beim Allergologen abklären lassen, dass man ausschließlich auf Gräserpollen reagiert. Nur dann wirkt sie auch.

 

Impfung gegen Allergien

Die Methode: Bei der Allergieimpfung, auch Spezifische Immuntherapie (= SIT) oder Hyposensibilisierung genannt, werden in steigender Dosierung über mehrere Wochen Extrakte von Allergieauslösern wie zum Beispiel Pollen, Schimmelpilzen, Insektengift oder Tierhaaren unter die Haut gespritzt, damit das Immunsystem lernt, sie nicht mehr als Feind zu bekämpfen. Die SIT sollte etwa drei Jahre durchgeführt werden (Langzeit-Immunisierung). Für Heuschnupfen-Patienten gibt es die Kurzzeit-Variante über sechs Wochen mit sieben Spritzen (Kassen zahlen).

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Die Hyposensibilisierung ist neben der Vermeidung des individuellen Allergieauslösers die einzige ursächliche Allergie-Therapie. Sie kann verhindern, dass aus einem allergischen Schnupfen chronisches Asthma wird.

 

Klimatherapie gegen Allergien

Die Methode: Eine Reise ins Hochgebirge, in Küstenbereiche oder auf Inseln verschafft vor allem Pollenallergikern schnell Erleichterung.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Fragen Sie Ihren Arzt, welches Reiseziel in Ihrem Fall das richtige ist und stimmen Sie Ihren nächsten Urlaub darauf ab. In Höhenlagen zwischen 1000 und 3000 Metern über dem Meeresspiegel herrscht Hochgebirgsklima, das zum Beispiel Asthmatikern guttut. Allerdings: Sobald Betroffene in belastete Regionen zurückkehren, kehren leider auch die Beschwerden zurück.

Allergie-Therapie Meditation
Entspannungstechniken wie Meditation und Qi Gong reduzieren Stress und sollen Allergikern helfen, sowohl im Akutfall als auch auf Dauer besser mit der Krankheit umzugehen© istock
 

Mentale Therapie gegen Allergien

Die Methode: Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Feldenkrais, Qi Gong oder Meditation reduzieren Stress und sollen Allergikern helfen, sowohl im Akutfall als auch auf Dauer besser mit der Krankheit umzugehen.

Das sagt der Experte über diese Allergie-Therapie: Nach meinen Erfahrungen sind Entspannungsverfahren ein ganz wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Asthmabehandlung. Lassen Sie sich von Ihrem Allergologen beraten, Kurse gibt es über die Krankenkassen, oder an Volkshochschulen (Kosten: 50 bis 70 Euro).

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