Allergie durch Blutspende

Redaktion PraxisVITA
Blutspende
Allergien können – zumindest für eine gewisse Zeit – vom Blutspender auf den Empfänger übertragen werden © Fotolia

Ein acht Jahre alter Junge entwickelte eine schwere Allergie gegen Fisch und Erdnüsse, nachdem er eine Bluttransfusion bekommen hat. Ein seltener Fall. Eltern und Ärzte sollten ihn trotzdem im Kopf behalten – das könnte in einer Notsituation Leben retten.

Ursache waren wohl eine Reihe von Blutspenden, die der Junge im Rahmen einer Chemotherapie wegen eines Medulloblastoms, eines bösartigen Hirntumors, bekam. Vor der Behandlung zeigte er nie Anzeichen einer Allergie. Doch kurze Zeit danach kam es bei ihm zu einem anaphylaktischen Schock. Die Lippen schwollen an, das Gesicht färbte sich rot, die Luftröhre verengte sich und sein Kreislauf brach zusammen. Das alles passierte zehn Minuten nachdem er Lachs aß – den zuvor ohne Probleme vertrug.

 

Allergie durch Blutspende – ein seltener Fall

Dr. Julia Upton beschreibt den Fall in der aktuellen Ausgabe des Journals der Canadian Medical Association. „Es ist selten, eine allergische Reaktion auf ein Essen zu zeigen, dass man sonst vertragen hat“, sagt Upton. „Noch seltener ist es, diese Allergie durch eine Blutspende zu bekommen und glücklicherweise verschwindet sie in der Regel auch wieder nach einigen Monaten.“ Trotzdem ist es ihr wichtig, auf dieses seltene Ereignis hinzuweisen – denn das könnte in Zukunft Leben retten.

Antikörper
Der Junge hatte vom Blutspender sogenannte Immunglobuline E übertragen bekommen – Antikörper, die im Körper allergische Reaktionen auslösen© istock
 

Zwei anaphylaktische Schocks innerhalb weniger Tage

Der Fall des kanadischen Jungen ging gut aus: Ihm wurden nach seinem Schock im Krankenhaus Antihistaminika verabreicht. Die Ärzte warnten ihn davor, Lachs zu essen und sie gaben seinen Eltern einen Adrenalininjektor mit, mit dem sie ihn im Falle eines Kreislaufstillstandes wiederbeleben könnten. Ganz zu Ende ist die Geschichte damit aber noch nicht: Nur vier Tage nach dem ersten Schock, erlitt er einen zweiten – diesmal durch Erdnüsse in einer Schokolade.

Später stellten die Ärzte fest, dass der Junge vom Blutspender sogenannte Immunglobuline E übertragen bekommen hatte. Das sind Antikörper, die im Körper allergische Reaktionen auslösen. Wie von Upton vorhergesagt, bildeten sich diese Antikörper nach einigen Monaten zurück. Die Allergie verschwand.

 

Ausgangspunkt: Blutspender mit Allergien

Damit es zu einem solchen Fall kommen kann, fasst die Autorin zusammen, müssen mehrere Umstände zusammenkommen: Ausgangspunkt ist ein Blutspender mit Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel. Von diesem muss das Kind große Mengen Blut übertragen bekommen. Danach muss es in den Folgemonaten genau diese Lebensmittel essen. Unwahrscheinlich, aber wie der Fall zeigt, nicht unmöglich – aber im Zweifelsfall lebensbedrohlich.

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