Alkoholverzicht: Was passiert dabei im Körper?

Verena Elson Medizinredakteurin

Zu Jahresbeginn haben die guten Vorsätze Hochkonjunktur. Ein häufiger: weniger Alkohol trinken. Dass es sich lohnt, diesen Vorsatz mit viel Willenskraft zu verfolgen, zeigen zahlreiche Studien. Denn in der Alkoholpause atmet der ganze Körper förmlich auf. Doch ab wann bemerkt man bei Alkoholverzicht Auswirkungen auf den Körper und wie genau äußern sie sich?

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Inhalt
  1. Abnehmen durch Alkoholverzicht: Warum funktioniert das?
  2. Alkoholverzicht: Haut und Haar profitieren
  3. Alkoholverzicht: Auswirkungen auf die Schlafqualität
  4. Zwei Wochen ohne Alkohol: Das passiert im Körper
  5. Einen Monat ohne Alkohol: Das passiert im Körper
  6. Ein Jahr ohne Alkohol: Das passiert im Körper

Haut, Haare, Organe: Regelmäßiger Alkoholkonsum ist für nahezu alle Bereiche des Körpers eine Belastung. So ist es nur logisch, dass ein Alkoholverzicht Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben kann. Wie äußern sich diese Auswirkungen konkret?

 

Abnehmen durch Alkoholverzicht: Warum funktioniert das?

Laut einer in dem Fachblatt „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlichten Studie bringt uns Alkohol dazu, deutlich mehr zu essen: Wenn Studienteilnehmer Alkohol-Infusionen bekamen, die etwa zwei Drinks entsprachen, aßen sie anschließend 30 Prozent mehr als Probanden, die nur eine Kochsalzlösung erhalten hatten.

Der Grund: Alkohol erhöht die Aktivität im sogenannten Hypothalamus – dieses Gehirnareal ist für die Regulation der Nahrungsaufnahme verantwortlich. Bei Alkoholkonsum feuern spezielle „Heißhunger-Neuronen“ vermehrt und wir tendieren eher dazu, uns einen Nachschlag zu nehmen.

Eine 2005 im Fachblatt „American journal of epidemiology“ veröffentlichte Studie zeigte zudem, dass Männer an Tagen, an denen sie eine „moderate“ Menge Alkohol trinken, im Schnitt 433 Kalorien mehr zu sich nehmen als an Tagen, an denen sie nicht trinken.

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Alkoholverzicht: Haut und Haar profitieren

Ein hoher Alkoholkonsum führt dazu, dass die Haut trocken und spröde wirkt. Das liegt zum einen daran, dass Alkohol entwässernd wirkt, also häufigen Harndrang fördert. Zum anderen hemmt der Stoff die Produktion eines Hormons, das dem Körper hilft, Wasser zu absorbieren. Schon nach wenigen Tagen Alkoholverzicht erholt sich die Haut von dem Flüssigkeitsmangel und sieht frischer und lebendiger aus. Auch andere Hautprobleme wie Schuppen, Ausschläge und Rosacea können sich durch den Alkoholverzicht verbessern.

Auch die Haare freuen sich über die Alkoholpause: Durch Alkoholkonsum werden die Haare trocken und spröde, wachsen langsamer und fallen vermehrt aus. Der Verzicht führt dazu, dass ich die Haare regenerieren und wieder schneller wachsen.

 

Alkoholverzicht: Auswirkungen auf die Schlafqualität

Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, sorgt aber insgesamt für einen weniger erholsamen Schlaf, wie Studien zeigen. 2015 konnten Forscher etwa nachweisen, dass Alkohol vor dem Schlafengehen die Aktivität spezifischer Hirnwellen verstärkt, die uns am Tiefschlaf hindern.

Der Alkoholverzicht kann zunächst zu Einschlafproblemen führen – wenn man an die einlullende Wirkung von Wein und Bier gewöhnt ist. Doch dafür wird der Schlaf erholsamer und das hat ausschließlich positive Nebenwirkungen: eine bessere Stimmung und gesteigerte Konzentrationsfähigkeit.

Doch wie lange muss man durchhalten, um all diese positiven Effekte zu spüren?

Eine Woche ohne Alkohol: Das passiert im Körper

Für Menschen, die sonst Jeden Tag oder fast täglich Alkohol trinken, kann sich eine Woche ohne Alkohol schon deutlich bemerkbar machen, und zwar durch die verbesserte Schlafqualität. Der Schlaf wird erholsamer, man fühlt sich wacher und leistungsfähiger.

Auch die Leber profitiert schon nach wenigen Tagen Alkoholverzicht – sie beginnt sehr schnell damit, sich von den Strapazen durch den Alkoholkonsum zu erholen und eingelagerte Fette abzubauen.

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Zwei Wochen ohne Alkohol: Das passiert im Körper

Nach zwei Wochen ohne Alkohol sind diese Veränderungen schon deutlich mehr spürbar. Besonders eine höhere Fitness sollte sich jetzt bemerkbar machen: Man fühlt sich ausgeruhter, hat mehr Kraft und ist bewegungsfreudiger. Unter Alkoholverzicht schüttet der Körper weniger Cortisol aus – die Reduktion dieses Stresshormons führt zu mehr Entspannung und stärkt das Immunsystem. Auch die Haut sieht jetzt schon frischer und weniger trocken und spröde aus.

 

Einen Monat ohne Alkohol: Das passiert im Körper

Ein alkoholfreier Monat ist in Großbritannien bereits zur Tradition geworden: Die Regierung ruft ihre Bürger jedes Jahr zur Teilnahme am „Dry January“, also einem absoluten Alkoholverzicht im Januar auf.

Eine Auswertung von drei Umfragen mit insgesamt rund 5.300 Teilnehmern des Dry January 2018 ergab: Befragte, die den alkoholfreien Januar durchhielten, tranken im August immer noch weniger Alkohol. Im Schnitt hatten sich ihre „Trink-Tage“ von 4,3 auf 3,3 wöchentlich verringert und sie waren nur noch 2,1 Mal anstatt 3,4 Mal monatlich betrunken. Dazu kam ein gesteigertes Wohlbefinden in verschiedenen Bereichen:

 

Ein Jahr ohne Alkohol: Das passiert im Körper

Nach einem Jahr ohne Alkohol hat sich der Körper regeneriert und sich von den Schäden durch das Nervengift erholt. In einem Jahr hat vor allem die Leber genügend Zeit, sich zu erneuern: Sogar schwere Leberschäden können nach dieser Zeit geheilt werden.

Weitere positive Effekte von einem Jahr Alkoholverzicht sind eine geringere Infektanfälligkeit, eine gesteigerte Leistungsfähigkeit, eine schönere Haut und eine deutliche Gewichtsabnahme.

Wer es geschafft hat, eine gewisse Zeit auf Alkohol zu verzichten, lernt in der Regel eine wichtige Lektion: Ohne Alkohol sinkt die Lebensqualität nicht – sie kann im Gegenteil sogar deutlich gesteigert werden. Und die positiven Auswirkungen des Alkoholverzichts sind ein guter Grund, um künftig weniger Alkohol zu trinken oder ganz darauf zu verzichten.

Quellen:
Chan, Julia KM, et al. (2015): The acute effects of alcohol on sleep electroencephalogram power spectra in late adolescence, in: Alcoholism: Clinical and Experimental Research.

Breslow, Rosalind A., et al. (2013): Diets of drinkers on drinking and nondrinking days: NHANES 2003–2008, in: The American of Clinical Nutrition.

Breslow, Rosalind A., and Barbara A. Smothers. (2005): Drinking patterns and body mass index in never smokers: National Health Interview Survey, 1997–2001, in: American journal of epidemiology.

How ‘Dry January’ is the secret to better sleep, saving money and losing weight, in: sussex.ac.uk.

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