Alkoholverzicht – was passiert dabei im Körper?

Verena Elson

Der „Dry January“ setzt sich in England immer mehr durch. Es gibt viele gute Gründe, warum auch wir mit einem alkoholfreien Januar in das neue Jahr starten sollten.

Eine Frau trinkt Wasser
Immer mehr Engländer verzichten im "Dry January" komplett auf Alkohol Foto:  Eva-Katalin/iStock

In den vergangenen Jahren entschieden sich immer mehr Engländer für einen „Dry January“, also einen absoluten Alkoholverzicht im Januar. Was als Gesundheitskampagne begann, ist inzwischen zu einem landesweiten Trend geworden.

„Das Brilliante am Dry January ist, dass es dabei nicht wirklich um den Januar geht“, sagt Dr. Richard Piper, CEO von Alcohol Change UK, gegenüber der britischen Inverse. „Für 31 Tage auf Alkohol zu verzichten zeigt uns, dass wir keinen Alkohol brauchen um Spaß zu haben, zu entspannen, uns zu unterhalten.“

Diese Erfahrung wirkt sich auf unseren Alkoholkonsum im Rest des Jahres aus, wie eine Auswertung von drei Umfragen mit insgesamt rund 5.300 Teilnehmern ergab. Befragte, die den Dry January 2018 durchhielten, hatten eines gemeinsam: Sie tranken im August immer noch weniger Alkohol. Im Schnitt hatten sich ihre „Trink-Tage“ von 4,3 auf 3,3 wöchentlich verringert und sie waren nur noch 2,1 Mal anstatt 3,4 Mal monatlich betrunken. Dazu kam ein gesteigertes Wohlbefinden – die Befragten berichteten etwa über besseren Schlaf (71 Prozent), bessere Gesundheit (70 Prozent), mehr Energie (67 Prozent) und Gewichtsabnahme (58 Prozent).

"Immer fährt mir die Bahn vor der Nase weg". "Das Essen hier war auch schon mal besser". "In den letzten Jahren hatten wir gar keinen richtigen Sommer". Solche Sätze kennen wir alle – von unseren Mitmenschen und von uns selbst. Kann man auf sie verzichten
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Doch wie kommt es zu diesen positiven Auswirkungen? Der Alkoholverzicht leitet für den Körper eine Erholungsphase ein, in der er sich von den Belastungen durch das Nervengift regeneriert. Diese „Kur“ wirkt sich auf den ganzen Körper aus:

 

Der Schlaf wird erholsamer

Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, sorgt aber insgesamt für einen weniger erholsamen Schlaf, wie Studien zeigen. 2015 konnten Forscher etwa nachweisen, dass Alkohol vor dem Schlafengehen die Aktivität spezifischer Hirnwellen verstärkt, die uns am Tiefschlaf hindern.

Der Alkoholverzicht kann zunächst zu Einschlafproblemen führen – wenn man an die einlullende Wirkung von Wein und Bier gewöhnt ist. Doch dafür wird der Schlaf erholsamer und das hat ausschließlich positive Nebenwirkungen: eine bessere Stimmung und gesteigerte Konzentrationsfähigkeit.

 

Die Pfunde purzeln

Laut einer in dem Fachblatt „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlichten Studie bringt uns Alkohol dazu, deutlich mehr zu essen: Wenn Studienteilnehmer Alkohol-Infusionen bekamen, die etwa zwei Drinks entsprachen, aßen sie anschließend 30 Prozent mehr als Probanden, die nur eine Kochsalzlösung erhalten hatten.

Der Grund: Alkohol erhöht die Aktivität im sogenannten Hypothalamus – dieses Gehirnareal ist für die Regulation der Nahrungsaufnahme verantwortlich. Trinken wir Alkohol, feuern spezielle „Heißhunger-Neuronen“ vermehrt und wir tendieren eher dazu, uns einen Nachschlag zu nehmen.

Studien zeigen, dass Männer an Tagen, an denen sie eine „moderate“ Menge Alkohol trinken, im Schnitt 433 Kalorien mehr zu sich nehmen als an Tagen, an denen sie nicht trinken.

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Die Haut wird schöner

Ein hoher Alkoholkonsum führt dazu, dass die Haut trocken und spröde wirkt. Das liegt zum einen daran, dass Alkohol entwässernd wirkt, also häufigen Harndrang fördert. Zum anderen hemmt der Stoff die Produktion eines Hormons, das dem Körper hilft, Wasser zu absorbieren. Schon nach wenigen Tagen Alkoholverzicht erholt sich die Haut von dem Flüssigkeitsmangel und sieht frischer und lebendiger aus. Auch andere Hautprobleme wie Schuppen, Ausschläge und Rosacea können sich durch den Alkoholverzicht verbessern.

Quellen:
Chan, Julia KM, et al. (2015): The acute effects of alcohol on sleep electroencephalogram power spectra in late adolescence, in: Alcoholism: Clinical and Experimental Research.

Breslow, Rosalind A., et al. (2013): Diets of drinkers on drinking and nondrinking days: NHANES 2003–2008, in: The American of Clinical Nutrition.

Breslow, Rosalind A., and Barbara A. Smothers. (2005): Drinking patterns and body mass index in never smokers: National Health Interview Survey, 1997–2001, in: American journal of epidemiology.

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