Alkohol ohne Kater? Mit diesem „Smart-Drinking“-Trick klappt es

Phyllis Kuhn
Cocktails
Wenn man ein paar einfache Regeln beherzigt, ist Alkohol gar nicht mehr so ungesund © istock

Möglichst schonend Alkohol trinken kann man lernen. Mit den „Smart Drinking“-Tipps gehören Kater und Bierbauch bald der Vergangenheit an.

Zu einer typischen Silvesterfeier gehört es, um Mitternacht mit Sekt anzustoßen, zum Essen trinkt man ein Glas Wein und später am Abend kommen vielleicht noch ein paar Cocktails oder Kurze dazu. Die häufige Folge: Kater, Kopfschmerzen und bei allen, die auch sonst gerne ein Gläschen mehr trinken: Fettpolster.

Dabei gibt es einen einfachen Trick, um die Schäden durch Alkohol zu minimieren: Den richtigen Alkohol auf die richtige Weise trinken. Aber wie geht das? Diese und andere Fragen beantwortet die Ernährungsexpertin Charlotte Watts in ihrem Buch „The De-Stress Effect“.

PraxisVITA stellt Ihnen die besten Tipps der „Smart Drinking“-Expertin vor:

 

Wein

Zum Essen am noch jungen Abend wird häufig ein Glas Wein getrunken. Hier ist laut Watts Rotwein meist die gesündere Wahl. Er enthält Resveratrol, ein Flavonoid, das Studien zufolge den Anteil von gutem Cholesterin erhöht, das Herz schützt und das Immunsystem stärkt. Da sich Resveratrol nur in roten Weintrauben findet, ist die erste Entscheidung schon einmal einfach. Aber welcher Rotwein ist der gesündeste? Hier gilt die Grundregel: Je dunkler die Farbe, desto höher der Anteil an antioxidativen Stoffen. Wer die Farbe des Weins aufgrund der dunklen Flasche nicht erkennen kann, dem reicht auch ein Blick auf das Etikett: Merlot, Cabernet Sauvignon und Chianti haben die höchsten Anteile an Antioxidantien. Rioja und Pinot rangieren im Mittelfeld, den geringsten Anteil haben Weine aus dem Anbaugebiet Côtes du Rhône.

 

Spirituosen

Je später der Abend umso alkoholischer werden die Getränke. Wer jetzt von Wein auf Spirituosen umschwenkt, hat die richtige Entscheidung getroffen: „Spirituosen sind meistens destilliert und nicht fermentiert. Für ihre Herstellung wird somit kein Zucker benötigt und süß schmecken sie auch nicht. So spüren wir zwar die Wirkung des Alkohols, allerdings ohne die Zucker-Belastung. Auf diese Weise reguliert man die Zucker-Aufnahme, da diese dann nur noch vom alkoholfreien Mischgetränk (Mixer) abhängig ist“, so Watts.

Aber welches Mischgetränk ist das richtige? Wenn man an dieser Stelle nicht aufpasst, wird aus einem Longdrink schnell eine Kalorienbombe. „Alkoholfreie Mischgetränke sind häufig eine Quelle massiver Zuckeraufnahme“, erklärt Watts. „Die neun Teelöffel Zucker in einer Dose Cola sind absolut gesundheitsschädlich, Orangensaft-Konzentrat, das in Bars zum Mischen verwendet wird, hat genauso viel oder noch mehr Zucker. Und Süßungsmittel, die etwa in Diät-Drinks verwendet werden, können die Blutzuckerregulation durcheinander bringen. Die beste Wahl zum Mischen eines Drinks bleibt Soda.“

 

Zucker reduzieren, wo es geht

Auch bei Getränken, die nicht gemischt werden müssen, gilt es, Zucker zu vermeiden. Hier die gute Nachricht: Champagner gehört auch zu den zuckerarmen Getränken. Weitere kalorienarme Drinks sind Gin und Wodka Soda, die mit ein paar Limettenscheiben aufgepeppt werden können. Da bei beiden Longdrinks das Wasser schon im Drink enthalten ist, hat man auch eine gute Chance, den nächsten Morgen ohne Dehydrations-Kopfschmerzen zu erleben. Auch Whiskey und Rum haben eher wenig Zucker und können gut „on the rocks“ (auf Eis) oder mit Wasser verdünnt getrunken werden. Weniger geeignet sind Bier, gespritete (mit Alkohol verstärkte) Weine wie Sherry oder Portwein, Dessertweine und Brandy, da diese einen hohen Zuckeranteil haben. Wer langfristig weniger süße Getränke wählt, verändert nach Charlotte Watts Erfahrung nach einer kurzen Umgewöhnungsphase auch sein Geschmacksempfinden und die Lust auf süße Cocktails und Rum-Cola verschwindet von selbst.

 

Vorher Essen ist Pflicht

Auch wenn Alkohol – mit oder ohne Zuckerzusatz – immer mit einer erhöhten Kalorienaufnahme einhergeht, sollte man keinesfalls vor dem Trinken am Essen sparen. Auf leeren Magen zu trinken ist laut Charlotte Watts nicht nur gefährlich, sondern auch ein Kater-Garant. „Wir müssen die Absorption des Alkohols durch den Magen so weit es geht verlangsamen, einerseits um ihn vor neurotoxischen Bestandteilen zu schützen und andererseits um den ‚Plötzlich betrunken’-Effekt zu minimieren. Deshalb ist Essen vor dem Trinken so wichtig. Am besten sind Lebensmittel, die den Blutzucker regulieren, wie Eier, Bohnen, Ziegenkäse, Nüsse und Samen“.

 

Leberfunktionen unterstützen

Leider ändert auch das smarteste Trinken nichts daran, dass Alkohol an sich eine Belastung für unsere Leber und unseren Verdauungstrakt darstellt. Normalerweise braucht unsere Leber acht Stunden, um eine Einheit Alkohol zu entgiften. Während dieser Zeit können andere Giftstoffe nur eingeschränkt verarbeitet werden. Charlotte Watts empfiehlt deshalb Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E sowie die Mineralien Zink und Selen die den Körper beim Verarbeiten des Alkohols unterstützen. Und es gibt noch ein weiteres Zaubermittel: Die sogenannte Milchfleckdistel. Dieses Heilkraut eignet sich hervorragend zur Vorbeugung eines Katers und kann als Extrakt in der Apotheke gekauft werden. „Die Milchfleckdistel ist seit 2000 Jahren bekannt für ihren Gesundheitseffekt auf die Leber, die Nieren und die Gallenblase. Viele wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Heilpflanze die Leberfunktion verbessert und die Überlebensrate bei Menschen mit einer Zirrhose oder einer alkoholbedingten chronischen Hepatitis erhöhen kann.“

Um Kater, Fettpolster und ein schlechtes Gewissen zu vermeiden, sollten „Smart Drinker“ vor allem einen Satz aus Charlotte Watts Buch berücksichtigen: „Qualität ist entscheidend: Investieren Sie mehr und kaufen Sie weniger, seien Sie ein Connoisseur, statt eines Schluckspechts. Ermutigen Sie auch Ihre Freunde, so mit Alkohol zu verfahren“.

 

Pflaster misst Promillewert

Übrigens: Wer so smart getrunken hat, dass er nicht ganz sicher ist, ob er noch Autofahren darf, kann dies in Zukunft mithilfe eines Hautpflasters herausfinden. Amerikanische Forscher haben ein Sensorpflaster entwickelt, das den Alkoholanteil im Schweiß analysiert. Alkohol tritt nämlich nicht nur ins Blut, sondern auch in den Schweiß über. Dabei reichen dem Pflaster schon winzige Mengen an Schweiß, um den Promillewert verlässlich anzugeben. In einer Feldstudie gab das Sensorpflaster sogar verlässlichere Werte an, als ein klassisches Atemtestgerät an. Und das schon zehn Minuten, nachdem die Probanden Alkohol getrunken hatten. Gleichzeitig kann das Pflaster mit dem Smartphone verbunden werden und seinem Träger den Promillewert direkt auf dem Display anzeigen. „Das Pflaster kann über Bluetooth eine Verbindung aufbauen, Atemtestgeräte können das nicht. Wir haben einen Weg gefunden, die elektronischen Teile tragbar und schnurlos zu konstruieren, was wichtig für die tägliche Anwendung ist“, erklärt Somayeh Imani, einer der Autoren der Studie.

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