Alexander Litwinenko – Gift im Tee?

Alexander Litwinenko starb im November 2006 an einer Polonium-Vergiftung
Alexander Litwinenko starb im November 2006 an einer Polonium-Vergiftung. Ob ihm das Gift bei einem Treffen in den Tee getan wurde, ist bis heute unklar © Fotolia

Der Kreml-Kritiker wurde mit Polonium verstrahlt. Binnen weniger Tage verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er schließlich starb. Erfahren Sie hier, was eine Polonium-Vergiftung mit dem menschlichen Körper macht.

Der Abend des 1. November 2006 hatte für Alexander Litwinenko angenehm begonnen. Zunächst hatte er in einem Londoner Hotel mit zwei früheren russischen KGB-Agenten – Andrei Lugowoi und Dmitri Kowtun – ein Tässchen Tee getrunken. Dann hatte er in einem Sushi-Restaurant den italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella getroffen. Doch kaum war Litwinenko wieder zu Hause, verspürte er plötzlich heftige Schmerzen im Unterleib. Im Krankenhaus stellten die Ärzte eine schwere Vergiftung fest. Der Zustand des 44-Jährigen verschlechterte sich binnen Tagen dramatisch.

 

Lästiger Kritiker

Er sei vergiftet worden, erklärte Litwinenko. Und er wusste auch, von wem: Der russische Geheimdienst, wenn nicht gar Putin persönlich, wolle ihn aus dem Weg räumen. Litwinenko, früher selbst einmal russischer Agent, war zu einem lästigen Mitwisser und Kritiker der Geheimdienstpraktiken des Kreml geworden. So hatte er mehrere angebliche staatliche Auftragsmorde angeprangert, etwa an der kritischen Journalistin Anna Politkowskaja. Er selbst habe einst den Befehl zu einem Auftragsmord bekommen, behauptete Litwinenko. Nachdem er in Haft gesessen hatte, flüchtete er nach London, beantragte Asyl und wurde britischer Staatsbürger.

 

Radioaktives Polonium

Nun lag der Ex-Agent ausgemergelt, totenbleich und kahlköpfig in einem Londoner Krankenhaus. Die Ärzte tippten erst auf eine Schwermetallvergiftung mit Thallium. Doch dann fanden sie durch Untersuchungen heraus, dass es noch schlimmer war: Litwinenkos ganzer Körper war mit Polonium 210 verstrahlt. Wenn das radioaktive Polonium eingeatmet wird oder mit dem Essen in den Körper gelangt, entfaltet es schnell eine verheerende Wirkung. Es zerstört in kürzester Zeit die Körperzellen und schädigt die DNA. Die Strahlenkrankheit beginnt mit Schwindel und Kopfschmerzen, dann kommen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und starke Blutungen hinzu. Ähnliche Symptome soll auch Palästinenserführer Jassir Arafat gehabt haben.

 

Botschaft an Putin

Vom Krankenbett aus ließ Litwinenko in einem Abschiedsbrief Putin noch eine Botschaft zukommen: "Während ich hier liege, höre ich in aller Deutlichkeit die Flügel des Todesengels. Sie, Putin, werden es vielleicht schaffen, mich zum Schweigen zu bringen. Aber der Protest aus aller Welt wird für den Rest des Lebens in Ihren Ohren nachhallen." Litwinenko starb am 23. November 2006.

 

Lugowois Poloniumspur

Danach entwickelte sich die Angelegenheit zu einem regelrechten Thriller und führte zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Großbritannien und Russland. Schnell gerieten die letzten Gesprächspartner Litwinenkos ins Visier, vor allem der Ex-Geheimdienstler Andrei Lugowoi. Er hatte quasi eine breite Polonium-Spur hinter sich gelassen. Überall wo er gewesen war – in Restaurants, Hotels und Taxis –, aber auch auf Banknoten und seinen Kreditkarten fand sich Polonium. Die Ermittler gingen davon aus, dass Lugowoi Litwinenko das Gift bei ihrem Treffen in den Tee getan hatte. Ganz unverdächtig war aber auch der Italiener Scaramella nicht. Denn auch in seinem Urin fand sich Polonium. Doch sieben Jahre nach Litwinenkos spektakulärem Tod wurde noch keiner der verdächtigen Männer belangt. Russland weigert sich bis heute, Lugowoi nach England auszuliefern oder ihm ein Verfahren zu machen.

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