Die beste Mentaltechnik gegen Albträume

Verena Elson

Als Trauergast auf der eigenen Beerdigung, das Verschwinden eines geliebten Menschen, ein Sturz in die Tiefe: Wiederkehrende Albträume können extrem belastbar sein. Doch Betroffene sind den nächtlichen Horrortrips nicht hilflos ausgeliefert – es gibt eine einfache Methode, sich selbst zu helfen.

Albtraum
Wenn Albträume immer wiederkehren, werden sie zu einer großen Belastung für die Betroffenen Foto:  kparis/iStock

Der Mörder rennt mit erhobener Axt hinter mir her. Ich renne und renne und merke plötzlich, dass ich gar nicht vom Fleck komme. Ich drehe mich um: Der Mörder kommt immer näher. Jetzt wird er jeden Moment zuschlagen. Er steht vor mir, holt aus – und fällt um. Und da steht meine Schwester – in der Hand die Bratpfanne, die sie meinem Verfolger gerade über den Schädel gezogen hat.

So glimpflich gehen Albträume selten aus – zumindest, wenn wir unserem Unterbewusstsein komplett die Regie überlassen. Doch wenn wir auch am Tag von der Erinnerung an schlechte Träume gequält werden, haben wir es in der Hand, dem Spuk seinen Schrecken zu nehmen. Einem Positionspapier der American Academy of Sleep Medicine zufolge ist die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy die beste Therapieform gegen wiederkehrende Albträume.

 

Angsttraumstörung: Viele wissen nicht, dass Hilfe möglich ist

Etwa fünf Prozent der Erwachsenen leiden an einer sogenannten Angsttraumstörung – ihr Alltag ist durch wiederkehrende Albträume stark belastet. Als Richtwert für das Vorliegen dieser Schlafstörung gilt mindestens ein Albtraum pro Woche – kommen die Träume seltener, beeinträchtigen das Leben des Betroffenen aber dennoch stark, stellen Psychologen ebenfalls die Diagnose Angsttraumstörung.

Dass es solch eine Diagnose gibt und dass das Leiden behandelbar ist, ist vielen Betroffenen gar nicht bekannt. Die beste Methode gegen Albträume ist folgende: Der Betroffene stellt sich über mehrere Wochen täglich seinen Albtraum vor – allerdings mit einem positiven Ausgang.

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Imagery Rehearsal Therapy: Zum Traumregisseur werden

Wichtig ist es bei der Imagery Rehearsal Therapy vor allem, so viele Details wie möglich aus dem ursprünglichen Traum in das neue „Traum-Drehbuch“ zu übernehmen. Ein guter Trick ist es außerdem, sich in dem Traumgeschehen Hilfe von Bezugspersonen zu holen. Denn vielen Albträumen ist gemeinsam, dass die Betroffenen darin ganz allein und auf sich gestellt sind. Hat man selbst als „Traumregisseur“ die Federführung, ist das anders. Beim Umschreiben des Albtraums hat jeder die Möglichkeit, sich so viel Unterstützung zu holen, wie er will. Und schon die Vorstellung, dass Freunde und Familie uns im nächtlichen Gruselkabinett beistehen, kann einen großen Teil des Horrors wegnehmen.

Dass Betroffene nach Anwendung der Methode ihren Traum tatsächlich in der abgewandelten, positiven Form träumen, kommt selten vor. Das ist auch gar nicht das Ziel: Vielmehr geht es darum, die Albträume als weniger belastend zu empfinden und die Frequenz, in der die Albträume auftreten, zu verringern. Die oben genannte Studie der American Academy of Sleep Medicine bestätigte die Frequenzverringerung, denn bei 68 Prozent der Probanden sank die Anzahl der Albträume unter die kritische Grenze einer Albtraumstörung.

Quellen:
Morgenthaler, Timothy I., et al. (2018): Position Paper for the Treatment of Nightmare Disorder in Adults: An American Academy of Sleep Medicine Position Paper, in: Journal of Clinical Sleep Medicine.

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