Aids-Aufklärung ist wichtig!

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lebten Ende 2012 rund 78.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland. Die Zahl der geschätzten Neuinfektionen in 2012 liegt bei 3.400 Fällen. Dennoch: Aids ist für viele noch immer ein Tabuthema. Von daher ist Aufklärung auch heute noch dringend notwendig.

 

Sozialpädagogin aus Hamburg informiert ehrenamtlich über HIV

Neugierig betreten die 20 Schülerinnen und Schüler den Flur der Aidshilfe in St. Georg, Hamburg. Schon die bunte Fassade des Vereins wirkt freundlich und einladend. „Das ist sehr wichtig, denn viele Jugendliche sind zwar neugierig, wenn es um das Thema Aids geht, aber gleichzeitig auch gehemmt“, sagt die Sozialpädagogin Heidrun-Schüler-Nnadi (55). Lächelnd empfängt sie die 15- Jährigen, die sich heute für den Workshop angemeldet haben.

Seit drei Jahren ist sie ehrenamtlich für die Aidshilfe tätig. Warum hat sich die Sozialpädagogin, die sonst einen Mittagstisch in einer Grundschule organisiert, diese Aufgabe gewählt? „Die Idee entstand, als ich Anfang der 90er-Jahre 'Philadelphia' mit Tom Hanks im Kino sah. In dem Film spielt er einen Homosexuellen, der sich mit dem HI-Virus ansteckt und schließlich stirbt. Damals glaubten alle, dass es in erster Linie schwule Männer sind, die an Aids erkranken. Ich wollte etwas gegen dieses Vorurteil tun und fand so den Weg zur Aidshilfe in Hamburg.“

Zu Beginn des Workshops teilen Heidrun Schüler-Nnadi und ihre Kollegen die jungen Besucher auf: in eine Mädchen- und eine Jungengruppe. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es vor allem den Mädchen so leichter fällt, Fragen zum Thema Aids zu stellen.“

Diese wichtigen Punkte werden in dem zweistündigen Präventions-Workshop thematisiert: Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten durch Safer Sex, Informationen über Beratung und Testangebote sowie das Zusammenleben mit Menschen mit HIV. Heidrun Schüler-Nnadi: „Je jünger die Schüler sind, desto größer ist der Aufklärungsbedarf. Wir merken schnell, ob in den Familien oder im Schulunterricht über Aids gesprochen wird oder wurde.“

Im kleinen Kreis überwiegt schnell die Neugier. „Was schützt gegen Ansteckung?“ Ganz klar: „Nur Kondome!“ – „Wo kauft man sie?“ – „Nicht am Automaten oder im Internet, da sind sie oft alt und brüchig.“ – „Also, besser im Drogeriemarkt?“ – „Ja, und unbedingt auf das Haltbarkeitsdatum und das Prüfzeichen CE achten.“

Ein weiteres wichtiges Thema sind Drogen. Auch Alkohol gehört dazu. Um das zu verdeutlichen, setzen die Mädchen nacheinander eine Brille auf, die ihnen einen Alkoholzustand von 1,5 Promille vermittelt. Da wird’s mit dem Versuch, der Schauvorrichtung ein Kondom überzustülpen, schon schwieriger. „Und was kann dann die Folge sein?“, hakt Heidrun Schüler-Nnadi nach. „Dass man keines benutzt, wenn man zu viel getrunken hat?“ – „Richtig!“

Zwei Stunden später verlassen die Jugendlichen nachdenklich, aber um vieles klüger den Workshop. Sie wissen jetzt, dass Aids nicht nur Homosexuelle betrifft, sondern alle Menschen. Dass man Infizierte nicht ausgrenzen sollte. „Denn es gibt nur einen Schuldigen“, sagt Heidrun Schüler-Nnadi, „und das ist das HI-Virus.“

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