Ahornsirup - Wunderwaffe gegen multiresistente Bakterien?

Pfannkuchen mit Ahornsirup
Ahornsirup: Nicht nur schmackhaft auf Pfannkuchen, sondern auch wirkungsvoll gegen Bakterien © Fotolia

Die Wirkung von Antibiotika wird durch ein Extrakt aus dem Ahornsirup deutlich verstärkt. Das könnte den Kampf gegen multiresistente Bakterien eine entscheidende Wende geben.

Ein Bestandteil des Ahornsirups schwächt die Verteidigung von Bakterien gegen Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht wurde. Das Mittel könnte in Zukunft genutzt werden, um multiresistente Bakterien effizienter zu bekämpfen.

Die steigende Zahl multiresistenter Bakterien bereitet Ärzten und Gesundheitswissenschaftlern seit Jahren Sorge. Hausärzte werden angehalten, nur in Notfällen Antibiotika zu verschreiben. Dänemark hat ein Gesetz erlassen, das den Einsatz in der Massentierhaltung streng reguliert. So kann die verheerende Entwicklung aber lediglich verlangsamt werden. Die neue Forschung bietet nun einen möglichen Ausweg:

Zu Beginn ihrer Forschungsreihe isolierten die Wissenschaftler einen Teil des Sirups, der reich an Polyphenolen ist, und gaben diesen zu verschiedenen Bakterien, zum Beispiel E. coli (unter anderem verantwortlich für schweren Durchfall) oder Proteus mirabilis (unter anderem verantwortlich für Harnwegsinfektionen). Dabei konnte das Team um Studienleiterin Dr. Nathalie Tufenkji von der McGill University in Montreal jedoch nur einen schwachen Effekt erkennen.

 

Ahornsirup verstärkt Antibiotika

Spannend wurde es hingegen in einem zweiten Versuch: Als sie Sirup und Antibiotika gemeinsam gaben, konnten sie beobachten, wie sich die beiden Substanzen in ihrer Wirkung deutlich verstärkten - es tritt ein sogenannter "überadditiver Effekt" ein. Die Polyphenole aus dem Sirup ließen die Zellwände der Bakterien kollabieren und nahmen ihnen so den Schutz vor den Antibiotika. Diese konnten so ihre volle Wirkung entfalten. Ein Biofilm, den die Bakterien sonst zurücklassen, wurde komplett zersetzt, was die Ansiedlung neuer Erreger zusätzlich erschwert.

Tufenkji bleibt aber zurückhaltend und sieht ihre Arbeit noch am Anfang: „Wir müssen noch Tests am Menschen und später klinische Studien durchführen, um zu bewerten, ob es wirklich hilft.“ Dann könnte sie sich aber vorstellen, dass Sirup-Extrakt in einer Pille mit Antibiotika verabreicht wird – und diesen so wieder zu alter Wirksamkeit verhilft.

Hamburg, 20. April 2015

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