Ätherische Öle selbst herstellen: Mit diesen 3 Methoden gelingt's

Luise Bergelt

Ätherische Öle selbst herstellen? Wir stellen Ihnen drei unterschiedliche Methoden vor, mit denen es leicht gelingt. Und das Beste daran: Sie wissen ganz genau, dass wirklich nur natürliche Zutaten enthalten sind.

Selbst hergestellte ätherische Öle in kleinen Flaschen.
Foto:  iStock/Madeleine_Steinbach
Inhalt
  1. Was sind ätherische Öle?
  2. Positiver Effekt ätherischer Öle
  3. Warum ätherische Öle selbst herstellen?
  4. Ätherische Öle selbst herstellen - so geht's
  5. Was muss man beim Destillieren von ätherische Ölen beachten?
  6. Pflanzenzutaten für ätherische Öle

Ätherische Öle duften nicht nur herrlich, sondern wirken auf vielerlei Weise positiv auf unseren Körper und Geist. Dazu sind sie vielseitig verwendbar bei der Herstellung von Cremes, Parfums oder Balsame. Mit etwas Geschick können Sie ätherische Öle ganz einfach selbst herstellen.

 

Was sind ätherische Öle?

Versprühen Pflanzen einen wohltuenden Duft, stecken dahinter die ätherischen Öle. Sie sind hochkonzentrierte Pflanzenessenzen und bestehen aus bis zu 500 unterschiedlichen Pflanzenstoffen. Als Nebenprodukt der Photosynthese werden sie in unterschiedlichen Organen und Teilen der aromatischen Pflanze gespeichert. Ätherische Öle sind also die Duftstoffe, die aus den Blättern, Blüten, Schalen, Wurzeln oder auch der Rinde verschiedener Pflanzen gewonnen werden können. Sie dienen den Pflanzen selbst als Schutz vor Insektenbefall, vor Viren und Bakterien oder auch UV-Strahlung. Nicht zu verwechseln mit „fetten Ölen“ wie Sonnenblumenöl, Kokosöl und Co., die als Energielieferant dienen. 

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Positiver Effekt ätherischer Öle

Doch nicht nur der Pflanze selbst bringen ätherische Öle großen Nutzen. Richtig eingesetzt entfalten sie auch beim Menschen eine positive Wirkungsweise und bringen je nach aromatischer Pflanze viele individuelle Vorteile:

  • Duftmoleküle ätherischer Öle können über das Riechen die Hormonproduktion regulieren, unsere Stimmung und Gefühle beeinflussen und so angstlösen, antidepressiv, konzentrationsfördernd, schlaffördernd, beruhigend oder anregend wirken.
  • Ätherische Öle können über die Haut oder das Einatmen auf Haut und Organe schmerzlindernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, hautpflegend, anregend, tonisierend, entspannend, entkrampfend, schleimlösend, auswurffördernd, verdauungsregulierend wirken.
  • Ätherische Öle können auf der Haut, im Körper aber auch in Raum und auf Oberflächen antibakteriell, antiviral und antifungal wirken, da sie Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) und Parasiten hemmen.
 

Warum ätherische Öle selbst herstellen?

In Drogeriemärkten ist das Angebot an ätherischen Ölen groß und zu nahezu jeder Pflanze gibt es das entsprechende Öl zu kaufen. Dennoch lohnt sich der vergleichsweise hohe Aufwand, sein eigenes ätherisches Öl selber herzustellen. Denn oft wird der Duft kommerzieller Öle synthetisch im Labor hergestellt und verfügt nicht über die Wirkungskraft der entsprechenden Pflanzen. Durch mehrmaliges Destillieren und Reinigen gehen zudem viele Inhaltsstoffe verloren. Die eigene Herstellung hingegen ermöglicht die Verwertung selbstgewählter Kräuter und Pflanzen mit ihrer ungehemmten Heilwirkung zum Beispiel aus dem Garten und kann sogar zum spannenden Hobby werden. 

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Wasserdampfdestillation bei ätherischen Ölen

Das Grundprinzip der Destillation ist kurz und knapp: Wasser wird verdampft und sofort wieder abgekühlt, sodass es kondensiert. Bei der Herstellung ätherischer Öle wird der Wasserdampf durch das Pflanzenmaterial geleitet. Durch die Hitze und den entstehenden Druck reißt der Wasserdampf die winzigen, hochflüchtigen ätherischen Duftmoleküle mit sich und wird durch ein Kühlsystem in einen anderen Behälter geleitet. Hier kondensiert das Gemisch: Es entsteht das sogenannte Hydrolat und das ätherische Öl, das sich durch seine geringere Dichte an der Oberfläche absetzt. Manche Öle sind jedoch auch schwerer als Wasser und setzen sich am Boden ab.

 

Ätherische Öle selbst herstellen - so geht's

Um reines ätherisches Öl in nennenswerter Menge herzustellen, benötigen Sie eine Destille, mit deren Hilfe sie das Öl aus der gewählten Pflanze filtern und auffangen können. Gehen sie Schritt für Schritt vor:

  1. Zerkleinern Sie die gewählte aromatische Pflanzenmenge im trockenen Zustand in kleinste Stückchen. Achten sie darauf, dass kein matschiger Brei entsteht.
  2. Legen Sie das Pflanzenmaterial auf das dafür vorgesehene Sieb der Destille und füllen Sie den darunter befindlichen Behälter mit Wasser. Vorsicht, nur eine geringe Wassermenge verwenden, sodass Sieb und Pflanzen trocken bleiben.
  3. Bringen Sie nun das Wasser zum Kochen, sodass der Wasserdampf durch das Sieb emporsteigt und anschließend in dem zweiten Behälter kondensiert.
  4. In dem zweiten Behälter sammelt sich nun das sogenannte Hydrolat (destilliertes Wasser aus der Pflanze) und das ätherische Öl. Da das ätherische Öl nicht wasserlöslich ist, bildet es einem Film auf dem Hydrolat oder setzt sich am Boden ab und Sie können dieses mit einer Pipette oder Spritze abziehen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
  5. Füllen Sie das ätherische Öl in einen kleinen Glasbehälter und lassen Sie es einige Tage ohne Verschluss atmen.
  6. Damit das Öl seine charakteristischen Dufteigenschaften entfalten kann, lassen Sie es anschließend luftverschlossen in einem kühlen Raum reifen.
Topf und Deckel-Kondensationsmethode

Alternativ bietet sich anstelle einer Destille ein Kochtopf mit Sieb und kleiner Schüssel an. Dazu Wasser in Topf füllen, das Sieb in den Topf einsetzen, ohne dass es den Topfrand überragt. Pflanzenteile in kleiner Schüssel auf dem Sieb platzieren – diese darf nicht mit dem kochenden Wasser in Berührung kommen. Topfdeckel verkehrtherum aufsetzen, sodass sich der Griff über der Schüssel befindet. Wasser bei mittlerer Hitze erwärmen. Öl mit Pipette abziehen.

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Für kleinere Mengen: Die Espressokannen-Methode

Haben Sie nicht so viele Pflanzenteile ihres Wunsch-Duftes im Haus, bietet sich die Espressokannen-Methode an. Dazu einfach den unteren Behälter der Espressokanne mit Wasser füllen. Kleingeschnittene Pflanzenteile in das Sieb für Espressopulver geben und Kanne bei mittlerer Hitze auf dem Herd erwärmen.

 

Was muss man beim Destillieren von ätherische Ölen beachten?

Die Wasserdampfdestillation bedarf für ein zufriedenstellendes Ergebnis viel Geduld, Feingefühl und Expertise auf diesem Gebiet. Gerade die optimale Regulation von Temperatur und Druck verbessert sich mit der Erfahrung und der eigenständigen Lektüre fortschreitend. Die Destillation sollte zügig durchgeführt werden, denn je länger die Pflanzen der Hitze ausgesetzt sind, desto mehr wertvolle Wirkstoffe werden zerstört.

Das Endprodukt selbst sollte kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Denn Wärme und Lichteinfall sorgen dafür, dass Öle schneller mit Sauerstoff reagieren (Oxidation) und ranzig werden. Dabei kann neben einem dunklen Umfeld (z.B. im Keller) auch ein dunkles Glasfässchen helfen. 

 

Pflanzenzutaten für ätherische Öle

Für Ihr selbst gemachtes ätherisches Öl können Sie zwischen einer Vielzahl von Heilpflanzen aus Garten, Wald und Bllumenwiesen wählen.

Besonders bewährt sind folgende ätherische Öle:

  • Rosenblätter: aufgrund des zarten, blumigen Duftes hat das ätherische Öl der Rose eine positive Wirkung auf unsere Stimmung, es soll anregend und aphrodisierend wirken.
  • Blätter der Zitronenmelisse: Ihr Öl wirkt effektiv gegen Bakterien, Pilze und sogar Viren und kann somit auch im Fall von Herpes eingesetzt werden.
  • Ringelblumenblätter: Das Ringelblumenöl wirkt entzündungshemmend, beruhigend und fördert den natürlichen Heilungsprozess der Haut.
  • Oreganoblätter: Durch die starke antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung hilft Öl aus Oreganoblättern bei entzündlichen Hautproblemen wie Akne und Pickel.
  • Lavendelblüten: Dieses Öl entfaltet seine beruhigende und wohltuende Wirkung bei Nervosität, Aufregung und Schlaflosigkeit.
  • Rosmarin: Durch den würzig frischen Duft eignet Rosmarinöl sich besonders für Bewusstseinsübungen, bei geistiger Erschöpfung und Konzentrationsschwäche.
  • Teebaumblätter: Das wetbekannte Teebaumöl kann im Falle einer Erkältung die Atemwege freimachen und kann zur Pflege und Desinfektion von Hautunreinheiten und Entzündungen dienen.

Je nach gewünschter Wirkung können Sie jedoch auch andere Heilplfanzen verwenden, wenn SIe Ihr eigenes ätherisches Öl selbst herstellen.

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