Ärzte transplantieren Penis und Hodensack

Verena Elson

Vor acht Monaten führten US-amerikanische Ärzte die weltweit erste Transplantation eines Penis mitsamt Hodensack durch. Wie geht es dem Patienten heute?

US-Ärzte transplantierten erstmals einen Penis mitsamt Hodensack
US-Ärzte transplantierten erstmals einen Penis mitsamt Hodensack © jacoblund/iStock

„Ich kann nicht viel über den anonymen jungen Mann verraten (…)“, erzählt der Chirurg Richard Redett dem britischen Guardian. „Alles, was ich sagen kann, ist, dass er Amerikaner und Soldat ist und dass er 2010 in Afghanistan auf eine improvisierte explosive Vorrichtung trat. Seine Beine wurden ebenso wie seine Genitalien und sein Unterleib weggebombt. Es war eine verheerende Verletzung.“

Redett war einer von elf Ärzten, die am 26. März 2018 an der Johns Hopkins University in Baltimore eine medizinische Prämie durchführten: Sie transplantierten dem Soldaten Penis, Hodensack und einen Teil der Bauchwand eines Verstorbenen.

 

Hodensack ohne Hoden verpflanzt

Der Eingriff dauerte 14 Stunden. „Was es kompliziert machte, ist die unterschiedliche Blutversorgung von Hodensack, Penis und Bauchwand“, so Redett. „Man muss sehr kleine Blutgefäße ankuppeln. Das ist es, was Zeit braucht: Blutgefäß um Blutgefäß zusammennähen.“ Nur wenn diese „Bastelarbeit“ bis ins Detail glückt, hat der Patient später ein Gefühl im Penis und ist in der Lage, eine Erektion zu bekommen.

Die Ärzte transplantierten den Hodensack ohne Hoden um einen ethischen Konflikt zu umgehen: Hätte er die Hoden des Spenders bekommen, wäre er theoretisch in der Lage gewesen, Kinder mit der DNA des Verstorbenen zu zeugen.

 

Die schwierige Suche nach einem Spender

Die größte Herausforderung stellte sich für das Ärzteteam jedoch bereits vor dem Eingriff: die Suche nach einem Spender. „Die Menschen wissen gar nicht, dass man auch Genitalien spenden kann. Das ist nicht wie eine Niere oder Leber; sogar Gesichtstransplantationen kommen häufiger vor“, erzählt Redett. Doch schließlich wurden sie fündig: „Wir konnten der Spenderfamilie sagen, dass der Empfänger ein Veteran mit einer verheerenden Beckenverletzung ist. Sie hatten Verbindungen mit dem Militär, also willigten sie ein.“

Den Angaben der Ärzte zufolge erholt sich der Patient gut – Einzelheiten darüber, inwieweit der neue Penis seine einzelnen Funktionen bereits wieder erfüllt, wurden nicht bekannt. Fest steht jedoch: Seine Zeugungsfähigkeit kann das Spenderorgan dem US-Amerikaner nicht zurückgeben – denn ohne Hoden kann der Körper keine Spermien produzieren.

 

Dritte Penistransplantation der Welt

Bei der Operation handelte es sich nicht um die erste Penistransplantation der Welt – aber um die erste, bei der der Hodensack mitverpflanzt wurde. Die weltweit erste Transplantation des Organs wurde 2014 in Südafrika durchgeführt – der Empfänger wurde wenig später sogar Vater. 2016 meldeten US-amerikanische Ärzte erneut eine erfolgreiche Penistransplantation.

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