Ärzte fordern Rauchverbot in Autos

Ein Mann raucht im Auto
Die Bundesärztekammer fordert ein Rauchverbot in Autos, wenn Kinder mitfahren © Fotolia

Die Bundesärztekammer fordert ein Rauchverbot in deutschen Autos, wenn Kinder mitfahren. Damit würde Deutschland dem Beispiel Großbritanniens folgen, wo ein solches Rauchverbot letzte Woche in Kraft getreten ist.

„Es ist dringend notwendig, Kinder und Jugendliche, die in PKW mitfahren, wirksam vor Passivrauchen zu schützen“, fordert Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer (BÄK). Nach Meinung der Experten sollte der Gesetzgeber dem Beispiel Großbritanniens folgen. Dort wird seit Donnerstag beim Rauchen im Auto in Anwesenheit von Kindern ein Bußgeld fällig.

 

Passivrauchen für Kinder noch gefährlicher

Kinder leiden unter dem Passivrauchen noch stärker als Erwachsene“, erläutert Mischo. Tatsächlich setzt der Rauch in einem geschlossenen Raum dem kindlichen Organismus mehr zu als dem eines Erwachsenen. Der Grund: Kinder atmen deutlich schneller und nehmen so mehr Atemluft auf. Außerdem befinden sich ihr Immunsystem und ihre Organe noch in der Entwicklung und reagieren besonders sensibel auf schädliche Einflüsse wie Tabakrauch.

In dem engen Innenraum eines Autos ist die Schadstoffbelastung besonders hoch – das ändert auch das Öffnen der Fenster nicht. „In der Fahrgastzelle liegt die Schadstoffkonzentration sogar über der einer durchschnittlich verrauchten Bar“, sagt  Mischo. Studien zeigen, dass die Feinstaubpartikelbelastung in Autos, in denen geraucht wird, im Schnitt bei etwa 85 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt – der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unbedenklich eingestufte Wert liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Folgen für Kinder können schwere Atemwegsinfektionen, Erkrankungen wie Asthma und langfristig Lungenkrebs sein. Auch Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen sowie Mittelohr- und Hirnhautentzündungen kommen bei Kindern, die Tabakrauch ausgesetzt sind, häufiger vor. Laut BÄK stellt Passivrauchen bei Kleinstkindern einen Hauptrisikofaktor für den plötzlichen Kindstod dar.

Hamburg, 6. Oktober 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.