ADHS – die unbekannte Krankheit

Redaktion PraxisVITA
Mann mit ADHS
Etwa zwei bis drei Prozent aller Erwachsenen bundesweit leiden unter ADHS, ohne es zu wissen © Fotolia

Probleme im Beruf und im Privatleben können auf eine unerkannte Erkrankung hinweisen. Warum sie bei Erwachsenen häufig übersehen wird, lesen Sie hier.

Neueste Untersuchungen belegen, dass einige der häufigsten Symptome psychischer Erkrankungen oft falsch behandelt werden. Dazu zählen vor allem depressive Verstimmungen, nur schwer kontrollierbare Aggressionen, starke Angstgefühle und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Diagnose lautet in der Regel "Depression" oder "Angststörung". Behandelt wird dann meistens mit einer Kombination aus Medikamenten und einer Verhaltenstherapie. Doch vielen Betroffenen verschafft das kaum Linderung. Der Grund: Die wahre Ursache ihrer Leiden ist eine nicht erkannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

 

Warum eine ADHS bei Erwachsenen oft nicht erkannt wird

Bei Kindern gehört ADHS zu den am häufigsten festgestellten Krankheiten, denn die Symptome sind in der Regel sehr eindeutig. Bei Erwachsenen ist die Erkrankung tatsächlich sehr viel schwieriger zu diagnostizieren. Denn die Betroffenen haben bereits Wege gefunden, mit ihrer ADHS umzugehen: Etwa indem sie ihre Selbstorganisation anderen überlassen. Außerdem zeigt sich Hyperaktivität nicht mehr so deutlich wie bei Kindern. Trotzdem leiden viele Betroffene unter großen Problemen bei der Alltagsbewältigung. Es fällt ihnen schwer, Partnerschaften aufrecht zu erhalten oder einer geregelten Berufstätigkeit nachzugehen. Mediziner führen das auf einen gestörten Gehirnstoffwechsel zurück, der zu einer mangelnden Impulskontrolle und zu Konzentrationseinschränkungen führt. Die Störung tritt im Kindesalter auf, bleibt bei etwa 60 Prozent der Patienten aber bis ins Erwachsenenalter bestehen. Doch genau dann wird die ADHS eben häufig nicht mehr erkannt. Dabei können Betroffene mit den richtigen therapeutischen Maßnahmen und Medikamenten in der Regel wieder ein erfülltes Leben führen – und die mit der Krankheit einhergehende Kreativität wieder frei entfalten.

Warum bestimmte Krankheiten oft nicht erkannt werden

"Es ist ein großes Problem, dass sich viele Ärzte nicht mehr die Zeit nehmen, um mit dem Patienten zu reden", sagt Prof. Dietrich Baumgart, Internist und Kardiologe am Essener Preventicum, einer Klinik für Diagnostik und medizinische Beratung. "Nicht nur aufseiten der Ärzte bleibt da schnell etwas auf der Strecke. Auch die Patienten vergessen unter Zeitdruck oft, essenzielle Dinge zu erzählen, die ein Arzt für seine Diagnose wissen müsste."

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