ADHS bei Erwachsenen

Redaktion PraxisVITA

Noch bis vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass es sich bei ADHS um eine reine Kinderkrankheit handelt. Ein Irrtum. Erfahren Sie hier, wie sich ADHS bei Erwachsenen äußert und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

„Die Diagnose war eine Befreiung! Endlich war klar – ich bin doch nicht verrückt!“ Laura Hafner-Kehm erzählt fast fröhlich von dem Moment, als festgestellt wurde, dass Sie unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) leidet. Denn vorher konnte niemand ihre Beschwerden lindern: innere Unruhe, emotionale Ausbrüche und das Gefühl, mit allem überfordert zu sein. Ein Arzt tippte auf Depressionen und verschrieb der jungen Frau Antidepressiva – ohne Erfolg. Erst als ihr Sohn auf ADHS untersucht wurde, realisierte die junge Frau: „Mensch, das ist bei mir doch genauso.“

 

ADHS bei Erwachsenen – unerkanntes Leiden

Ein typischer Verlauf, wie auch ADHS-Expertin und Psychologin Cordula Neuhaus bestätigt. „Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, ist die Störung leicht zu erkennen. Aber einige Ärzte und Psychologen kennen sich damit zu wenig aus.“ Darum wird bei vielen Patienten erst im Erwachsenenalter festgestellt, dass ADHS Auslöser für ihre Probleme ist. „Rückblickend erklären sich damit viele Verhaltensweisen, die ich schon als Kind und Jugendliche hatte“, erzählt Laura Hafner-Kehm. Damals glaubten alle, das Kind sei verzogen. Sie selbst war unsicher, merkte, dass sie anders war. „Ich dachte immer nur: Warum versteht mich keiner?“

 

Typische Symptome bei ADHS-Kranken

Etwa ein bis vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter ADHS. So unterschiedlich sich die Krankheit äußert, so gibt es doch typische Symptome. „Die Betroffenen können sich nicht konzentrieren, wenn es darauf ankommt“, sagt Neuhaus. „Es fällt ihnen schwer, Absprachen zu treffen. Sie reagieren extrem emotional.“ Bei Kindern ist die körperliche Hyperaktivität deutlich stärker ausgeprägt. Bei ADHS bei Erwachsenen bleibt eine innere Unruhe. „Viele ADHS-Patienten sind erfolgreich, stehen ganz oben auf der Karriereleiter. Aber wenn man nach der Beziehung fragt, kommt oft raus, dass gerade die vierte Ehe geschieden wurde“, so Neuhaus.

 

Partner von ADHS-Patienten leiden mit

Für den Partner ist es nicht leicht, sich auf einen ADHS-Patienten einzustellen. Dass sie schlecht mit Kritik umgehen können, oft die Kontrolle verlieren und alles nur aus ihrem Blickwinkel sehen, sind keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung. Eine kleine Meinungsverschiedenheit kann im Handumdrehen zum heftigen Streit oder sogar zur Trennung führen.

 

Keine einheitliche Therapie bei Erwachsenen mit ADHS

Nach neuesten Erkenntnissen ist ADHS eine neurobiologische Erkrankung. Die Störungen sind im Gehirn verankert und u.a. genetisch bedingt. Sie lassen sich meist nicht heilen, sondern nur lindern. Eine einheitliche Therapie gibt es nicht. Meist wird durch Psychotherapie versucht, den Patienten Wege aufzuzeigen, um Gedanken zu steuern, sich die Zeit richtig einzuteilen und Beziehungen zu führen.

Auch eine begleitende Behandlung mit Medikamenten ist häufig unerlässlich. Einige Patienten müssen nur in bestimmten Phasen (z. B. vor Prüfungen) zu Pillen greifen, andere jahrelang, wenn sie z. B. beruflich unter Stress stehen. Für Laura hat sich die Therapie gelohnt: „Ich kann jetzt meinen Alltag bewältigen. Auch wenn in meiner Familie immer noch alles etwas extremer ist.“

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