Achtung, giftig: Kann ein Fingerhut mich erblinden lassen?

Fingerhut ist sehr giftig
So schön und doch so gefährlich. Der Fingerhut ist eine der gefährlichsten Giftpflanzen der Welt. Schon 0,3 Gramm können für einen Erwachsenen tödlich sein © Fotolia

Sie sehen harmlos aus und wachsen in unseren Gärten. Erst bei genauerer Betrachtung wird klar: Viele Pflanzen verfügen über ein ganzes Arsenal an hochgiftigen Waffen. Aber wie genau wirken diese Toxin-Cocktails im menschlichen Körper?

"Plötzlich waren alle Gegenstände um mich herum neonfarben." "Die Halluzinationen waren unglaublich; ich sah alles doppelt." "Um mich war alles wie aus Watte, vollkommen friedlich." Die Erfahrungsberichte von Menschen, die Teile des Fingerhuts als Droge konsumierten, klingen auf den ersten Blick ungefährlich. Fakt ist jedoch: Sie alle erlebten letztendlich nichts anderes als die Vorstufe einer lebensbedrohlichen Vergiftung und waren nur wenige Milligramm vom Tod entfernt. Tatsächlich gehört der Fingerhut zu den gefährlichsten Giftpflanzen der Welt. Schon 0,3 Gramm können für einen Erwachsenen tödlich sein. Verantwortlich dafür sind die sogenannten toxischen Digitaloide. Sie sind sowohl im Stiel als auch in der Blüte und in den Blättern enthalten – und das hochkonzentriert. Im Anfangsstadium manipuliert das Gift zunächst die Retina unseres Auges, daher berichten viele Opfer und Drogenkonsumenten von Halluzinationen und Sehstörungen. Je nach Dosis (manchmal reichen zwei bis drei getrocknete Blätter) greift das Toxin jedoch auch das Herz an, indem es dort verschiedene Prozesse in den Zellen blockiert. Dann sinkt der Puls unter 50 Schläge pro Minute. Schließlich kommt es zum tödlichen Herzkammerflimmern. Genau diese zerstörerische Kraft scheint aber in winzigen Mengen auch positive Effekte zu haben: Ergebnisse norwegischer Forscher zeigen, dass das Gift des Fingerhuts auch gegen Krebszellen wirkt.

 

Nach wie vielen Tollkirschen setzt meine Atmung aus?

Sie liegen versteckt im Inneren der Pflanze – und sind sowohl den Wurzeln, Sprossen und Blättern als auch in den Früchten enthalten: Die Inhaltsstoffe der Tollkirsche gehören zu den tödlichsten Waffen in der Pflanzenwelt und lesen sich wie das Lexikon der gefährlichsten Giftstoffe überhaupt: Alkaloide wie Hyoscyamine, Apoatropine sowie Scopolamin und Tropinon – sie alle können im menschlichen Körper zu tödlichem Organversagen führen und nach einem narkotischen Tiefschlaf unsere Atmung aussetzen lassen. Dafür benötigt das Nachtschattengewächs in vielen Fällen nicht einmal 24 Stunden. Grund: Gifte in der Pflanze sind so hochkonzentriert, dass bereits acht bis verzehrte Tollkirschen einen Erwachsenen töten können. Die Faust lautet: Ab zehn Milligramm treten Delirien und Halluzinationen auf. 100 Milligramm kann eine tödliche Atemlähmung einsetzen. Der isolierte Giftstoff aus einer Schüssel Kirschen kann sogar mehr als 100 Menschen umbringen – die Pflanze ist eben ein potenzieller Massenmörder.

 

Kann eine Kartoffel mich lähmen?

Hochwertiges Eiweiß, Vitamin B und C, Mineralstoffe und Kohlenhydrate – Kartoffeln gehören zu den gesündesten Pflanzen überhaupt. Was jedoch kaum jemand weiß: Sie können auch giftig sein! Tatsächlich ist in den grünen Teilen der Pflanze, also in den Blättern, im Stiel und in bestimmten Teilen der Knollen Solanin eingelagert. Das Alkaloid hackt sich in unsere Nervenbahnen und kann neben Magenkrämpfen und Kopfschmerzen auch zu Teillähmungen des Körpers und sogar zu inneren Blutungen führen. Allerdings ist die Solanin-Konzentration in den grünen Teilen der Kartoffel so gering, dass ein Erwachsener mindestens 200 Milligramm des Alkaloids oder – anders ausgedrückt – 1,5 Kilo Kartoffeln zu sich nehmen müssen, um solch schwere Vergiftungserscheinungen zu verspüren. Experten raten dennoch dazu, stets die sogenannten Augen und grünen Stellen einer Kartoffel vor dem Kochen herauszuschneiden.

 

Kann ein Maiglöckchen mein Herz angreifen?

Sieht zart aus und ist doch ein echter Killer: Das Maiglöckchen gilt dank seiner potenten Giftproduktion als unantastbar. Denn jeder Feind, ob Tier oder Mensch, der nur wenige Gramm zu viel seinen Blüten, Beeren oder Blätter zu sich nimmt, bezahlt mit seinem Leben. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Glykoside, von denen das kleine Gewächs mindestens 38 besitzt und zum Großteil so einzigartig sind, dass sie von keiner anderen hergestellt werden. Werden Teile des Maiglöckchens gegessen, sorgen sie nicht nur für Übelkeit: Bereits eine Handvoll der Beeren enthält eine so hohe Glykosid-Konzentration, dass die Folgen lebensgefährlich sein können. Der Giftcocktail lässt zunächst den Kalziumgehalt in und zwischen den Körperzellen ansteigen. Im Herzmuskel bewirkt das eine erhöhte Kontraktionsfrequenz. Dadurch steigt Blutdruck rapide an, ehe er absinkt. Kann der Körper das wasserlösliche Gift nicht ausscheiden, kommt es zum Herzstillstand.

 

Wie verläuft ein Giftanschlag der Rizinus-Samen im Körper?

Sie sind nur wenige Mikrometer groß, wirken jedoch in unserem Körper wie eine Handgranate: Die Samenschale der Rizinuspflanze enthält eines der giftigsten Eiweiße der Welt: Rizin. Das Toxin greift die roten Blutkörperchen an und perforiert die Zellwände von Organen wie Leber und Nieren. Folge: Bereits wenige Minuten nach der Einnahme kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, Stunden später setzen Krämpfe ein. Innere Blutungen führen zu multiplem Organversagen. Je nach der Dosis tritt spätestens nach 72 Stunden der Tod ein. Um diese Wirkung im menschlichen Körper zu erzielen, reichen bei einem Erwachsenen bereits drei bis sechs Samen. Ein Kind kann an zwei verschluckten Samen sterben. Besonders fatal: Gegen das Rizin gibt es kein Gegengift. Genau das scheinen auch Terroristen zu wissen. So wurden allein in den vergangenen zwei Monaten drei Briefe mit Rizin an Barack Obama und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg abgefangen.

 

Schaltet Ginster unsere Lunge aus?

Es ist eine Gratwanderung zwischen Leben und Tod: Ginster seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt – dabei zählt er den Top Ten der giftigsten Pflanzen Deutschlands! Vor allem Spartein Cytisin sind Bestandteile seines hocheffektiven Verteidigungsarsenals. Und die finden sich in allen Teilen des Ginsters. Das erstere der beiden aggressiven Alkaloide blockiert die Natriumkanäle in unseren Herzzellen. Das Cytisin und andere Komponenten des Ginster-Giftcocktails lähmen die Lunge: Die Substanzen docken an den Kontaktstellen der Nervenzellen an und verhindern so die Weitergabe von Befehlen vom Gehirn Atemmuskulatur – die Lunge setzt langsam aus. Schon 300 Milligramm können nach anfänglichen Krämpfen und Brechreiz fatal wirken. Todesursache: meist Ersticken, manchmal auch Herzstillstand. Kleinere Mengen dieser Biostoffe wirken hingegen heilend: Heute werden Blüten des Ginsterstrauchs gegen Hautkrankheiten, Brustkrebs, Knochenschwund verwendet.

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