Achtung, Ausschlag an den Füßen: Nicht immer ist es Fußpilz

Dr. med. Nadine Hess

Hätten Sie gedacht, dass hinter schuppiger Haut an den Fußsohlen die unterschiedlichsten Krankheitsbilder stecken können? Dr. Nadine Hess schildert hier an einem Fallbeispiel aus ihrer Praxis, wie Kinderärzte bei der Diagnose vorgehen und der wahren Ursache auf die Spur kommen.

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Auch nach der Hand-Fuß-Mund-Krankheit – einer Infektion mit Enteroviren – kann es zur Ablösung der Haut und sogar der Nägel an den Füßen kommen.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Kürzlich habe ich einen elfjährigen Jungen gesehen, der mir von seinen Eltern aufgrund einer neu aufgetretenen Schuppung der Fußsohlen vorgestellt wurde. Sie bestand erst seit wenigen Tagen. Was konnte das sein? Sonst war der Junge völlig gesund. Er gab an, dass die Füße jucken würden, aber nur minimal. Wenn sich besonders viel Haut löse, sei das etwas schmerzhaft, sonst aber nicht.

Die oberste Hautschicht löste sich relativ großflächig unter beiden Fußsohlen. Die Zehenzwischenräume sahen unauffällig aus, dort fand sich keine Mazeration (aufgeweichte, beschädigte Haut), was bei einer Pilzinfektion häufig der Fall ist. Die Fußnägel waren unauffällig. Unter einer Fußsohle hatte er eine Dornwarze, die wir bereits seit einiger Zeit mit einem Warzenpflaster und regelmäßiger Kürettage (Abtragung der aufgeweichten Warzenhaut) behandelten. Eine Unverträglichkeitsreaktion auf das Pflaster und den Wirkstoff wäre möglich gewesen, war aber sehr unwahrscheinlich, da sich auch am anderen Fuß die Haut ablöste, wo keine Warze behandelt werden musste.

Fussballspielen im Sonnenuntergang
Wer viel Zeit in nicht atmungsaktiven Sportschuhen verbringt und Gemeinschaftsduschen benutzt, hat ein erhöhtes Fußpilz-Risiko© Fotolia
 

Was alles hinter schuppigen Fußsohlen stecken kann

Für mich kamen mehrere Diagnosen in Frage: Da mein Patient täglich Fußball spielte, also viel in nicht besonders atmungsaktiven Sportschuhen steckte und Gemeinschaftsduschen benutzte, dachte ich an einen Fußpilz. Auch nach der Hand-Fuß-Mund-Krankheit – einer Infektion mit Enteroviren – kann es zur Ablösung der Haut und sogar der Nägel an den Füßen kommen – daran hatte der Junge in der letzten Zeit aber nicht gelitten. Ebenso wenig an Scharlach, wobei eher die Fingerkuppen und die Haut an den Zehen Schuppen aufweisen. Die Zehen waren aber nicht betroffen. Es kommen noch einige weitere Virusinfekte infrage, die mit Ablösung der Haut einher gehen können – das müssen auch nicht unbedingt schwerere Erkrankungen mit Fieber gewesen sein. Wie die meisten Kinder in seinem Alter hatte mein junger Patient in der letzten Zeit mehrere solcher harmlosen Infekte gehabt. Differentialdiagnostisch kam noch ein Fußekzem in Frage, doch dabei ist der Juckreiz in der Regel viel stärker und es treten oft auch feine Bläschen auf – auch die konnte ich bei dem Jungen nicht entdecken.

 

Was tun gegen den Ausschlag an den Füßen?

Am wahrscheinlichsten waren für mich die Möglichkeiten Fußpilz oder Folge eines Virusinfektes. Der Nachweis von Pilzen ist nicht immer ganz einfach, ich hätte einiges an Hautschuppen einsenden müssen. Das kulturelle Anzüchten von Pilzsporen dauert relativ lange – circa vier Wochen – wenngleich man oft unter dem Mikroskop die Hyphen bereits erkennen kann.

Junge spielt Fussball
Juckende Fußsohlen: Als Ursachen kommen Warzen, Pilze, Ekzeme, Virusinfekte, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Scharlach in Frage© shutterstoc

Darum habe ich zunächst auf eine Kultur verzichtet, aber den Eltern empfohlen, dass sie die Dusche nach der Benutzung zunächst immer gut desinfizieren (mit einem Oberflächendesinfektionsmittel) und der Junge eine separate Fußmatte erhält, damit sich nicht die ganze Familie ansteckt. Ich bestellte ihn nach einer Woche wieder in meine Praxis. War ein Virusinfekt ursächlich, müsste es bis dahin von allein deutlich besser geworden sein. War es aber nicht. Somit war für mich ziemlich klar, dass es sich um einen Fußpilzinfekt handeln musste. Wir behandelten mit einer Fußpilzcreme, zusätzlich desinfizierten wir täglich die Schuhe. Er erhielt ein separates Handtuch, mit dem er die Füße nach dem  Duschen abtrocknete, welches, ebenso wie die Duschmatte und die Strümpfe, täglich gewechselt und bei mindestens 60° Celsius gewaschen werden mussten.

Nach circa einer Woche waren die Beschwerden verschwunden. Wir behandelten aber noch ein wenig darüberhinaus, da Pilzsporen recht hartnäckig sein können und noch in der Haut persistieren, obwohl alles wieder gesund aussieht.

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