Aspirin: Ein gefragtes Schmerzmittel Acetylsalicylsäure – Die häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Acetylsalicylsäure – Wirkstoff-Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Der Begriff Acetylsalicylsäure ist geläufig und in Verbindung mit bestimmten Medikamenten ist er sofort klar.

Aber wie wirkt das als Aspirin bekannte Schmerzmittel im Körper? Wird er von jedem gut aufgenommen? Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Acetylsalicylsäure.

 

Kann ich das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure einnehmen, um auf langen Flügen einer Thrombose vorzubeugen?

Es ist nicht ratsam, Acetylsalicylsäure als Vorsorge-Mittel gegen Thrombosen auf Langstreckenflügen einzusetzen. Zwar hemmt der Wirkstoff das Verklumpen von Blutplättchen, jedoch bietet Acetylsalicylsäure wenig Schutz vor der Entstehung einer Venen-Thrombose. Um einem Blutgerinnsel auf langen Flügen vorzubeugen, kann vor Flugbeginn bei hohem Risiko für Thrombosen (z.B. Bein ist in Gips fixiert, kürzliche Operation, fortgeschrittene Krebs-, Lungen- oder Herzerkrankungen) eine sogenannte Heparin-Spritze eingesetzt werden, die zuvor jedoch vom Arzt verschrieben werden muss. Bei Heparin handelt es sich um einen Blutgerinnungshemmer. Auch die nicht sehr beliebten, jedoch effektiven Kompressionsstrümpfe bieten einen Schutz gegen Venen-Thrombosen. Bewegung während des Fluges hat ebenfalls einen vorbeugenden Effekt.

Die Einnahme von Acetylsalicylsäure auf Langstreckenflügen schützt nicht vor einer Venenthrombose
Die Einnahme von Acetylsalicylsäure auf Langstreckenflügen schützt nicht vor einer Venenthrombose© Fotolia
 

Wie lange verbleibt das Schmerzmittel im Blut?

Die meisten Arzneimittel, die Acetylsalicylsäure enthalten, werden oral eingenommen. Nach bereits 30 bis 60 Minuten wird die höchste Konzentration im Blut erreicht. Die Halbwertszeit der Acetylsalicylsäure beträgt ca. nur 20 Minuten, nach dieser Zeit ist also die Hälfte des Wirkstoffes schon abgebaut. Sie wird u.a. in Salizylsäure umgewandelt, die ca. für 2-4 Stunden für die schmerzstillende Wirkung beiträgt. Die Acetylsalicylsäure hat aber neben der analgetischen noch eine entzündungshemmende und eine plättchenhemmende Wirkung. Bei entsprechend hohen Dosierungen kann die entzündungshemmende Wirkung über 20 Stunden anhalten. Die Hemmung der Thrombozytenaggregation kann darüber hinaus rund eine Woche anhalten. Acetylsalicylsäure hemmt die sogenannten Thrombozyten-Zyklooxygenasen irreversibel. Diese Wirkung hängt daher von der natürlichen Lebensdauer der Thrombozyten ab, nicht von der Verweildauer von Acetylsalicylsäure im Blut. Aus diesem Grund sollten Patienten, die dauerhaft, z.B. durch eine Langzeittherapie, Acetylsalicylsäure einnehmen müssen, vor einer anstehenden Operation oder auch nur einem Zahnarztbesuch, das Mittel mindestens eine Woche vorher absetzen, um so das Blutungsrisiko während eines Eingriffs zu reduzieren.

 

Darf ich Aspirin nehmen, wenn ich Diabetes habe?

Bei einer vorhandenen Diabetes-Erkrankung sollte immer der behandelnde Arzt entscheiden, ob ASS eingenommen werden darf oder nicht.

Wenn Acetylsalicylsäure verabreicht wird, dann jedoch immer nur unter ärztlicher Kontrolle und Blutzuckerüberwachung. Höhere Dosierungen von ASS steigern z.B. die Wirkung des blutzuckersenkenden Wirkstoffs Glibenclamid. Dies kann zu einer Unterzuckerung führen. Neben Zittern und Schweißausbrüchen droht im schlimmsten Falle Bewusstlosigkeit. Unter Umständen kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure aber hilfreich sein, um bei Diabetikern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.

 

Darf ich Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure einnehmen, wenn ich gleichzeitig andere blutverdünnende Medikamente einnehmen muss?

Experte Prof. Dr. Göbel: "Treten erste Vergiftungsanzeichen auf, muss der Betroffene sofort in eine Klinik gebracht werden."© privat

Ob Arzneimittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure eingesetzt werden dürfen, wenn gleichzeitig schon Medikamente mit blutverdünnender Wirkung eingenommen werden, sollte immer der behandelnde Arzt entscheiden. Es gilt immer zu bedenken, dass Acetylsalicylsäure die Wirkung des anderen Medikaments verstärken kann. Die Folge könnte sein, dass längere und vor allem stärke Blutungen, z.B. im Falle einer Verletzung, auftreten können.

 

Wie erkenne ich eine Vergiftung mit Acetylsalicylsäure und was kann ich dagegen tun?

Hohen Dosen, wie z.B. 10 g Acetylsalicylsäure (die Tageshöchstdosis entspricht 3 g), können bei einer erwachsenen Person schwere Vergiftungserscheinungen auslösen.

Die ersten Anzeichen für eine Vergiftung sind Ohrgeräusche, Kopfschmerzen, Fieber und Erbrechen. Das Ganze kann sich in eine sogenannte metabolische Azidose (Übersäuerung) mit einer Lähmung der Atmung und Bewusstlosigkeit, sowie einem Herzkreislaufschock und einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) steigern. Bei dem Verdacht auf eine Vergiftung durch Acetylsalicylsäure sollte der Patient sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Da bei einer Vergiftung der Säure-Basen-Haushalt gefährlich verändert wird, muss im Krankenhaus durch Medikamentengabe versucht werden den ph-Wert des Urins in den alkalischen Bereich (Harnalkalisierung) zu lenken, um so zusätzlich die Ausscheidung der Acetylsalicylsäure zu beschleunigen. Zudem wird mit einem Magenschlauch versucht den Wirkstoff aus dem Körper zu leiten. Hier wird auch sogenannte Aktivkohle eingesetzt, da diese Giftstoffe schnell absorbieren kann.

Auch wenn mit einer Vergiftung durch Acetylsalicylsäure nicht zu spaßen ist, so kommt sie doch – gemessen an der Häufigkeit der Einnahme des Wirkstoffs – verhältnismäßig selten vor.

 

Ist Acetylsalicylsäure tödlich?

An sich ist Acetylsalicylsäure ein sehr sicherer Arzneiwirkstoff, solange er richtig dosiert wird und kein Missbrauch mit ihm betrieben wird. Wer sich nicht an die empfohlene Tagesdosierung von 3 g hält und mehr einnimmt, muss mit schweren Vergiftungen rechnen, die bei keiner oder einer zu späten Behandlung auch tödlich enden können.

 

Ab welchem Alter darf man Aspirin nehmen?

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure sollte erst ab dem 12. Lebensjahr eingenommen werden. Kinder unter 12 Jahren sollten ihn nur aufgrund ärztlicher Verordnung einnehmen. Liegt ein Virusinfekt vor, kann in sehr seltenen Fällen ein Reye-Syndrom beobachtet werden. Dabei handelt es sich um eine extrem seltene, jedoch lebensgefährliche Erkrankung der Leber und des Gehirns. Die Erkrankung kann bei Kindern im Alter von sechs Monaten infolge eines viralen Leidens, wie z.B. nach einer Infektion mit Windpocken oder der Grippe, auftreten. Aber nicht nur ein vorhergehender Virusinfekt scheint die Krankheit zu begünstigen, sondern auch die gleichzeitige Einnahme von Acetylsalicylsäure. Worin genau dieser Zusammenhang besteht, ist bis heute jedoch nicht bekannt. Bei Kindern wurde nach Behandlung der Migräne mit ASS bisher kein Reye-Syndrom beobachtet. Kinder sollten Schmerzmittel nicht selbstständig einnehmen, sondern die Einnahme vorab mit dem Arzt klären.

 

Darf ich Aspirin in der Schwangerschaft nehmen?

Unbehandelte Erkrankungen können sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind gefährlich werden. Aus diesem Grund werden nach ärztlicher Verordnung auch Medikamente in der Schwangerschaft verabreicht. Grundsätzlich sollte eine Schwangere vor der Einnahme eines Medikamentes immer mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

Acetylsalicylsäure sollte ab der 24. Schwangerschaftswoche aufgrund eines Wehen hemmenden Effektes nicht mehr eingenommen werden soll. Es kann jedoch durchaus vorkommen, dass über die gesamte Schwangerschaftsdauer ASS vom Arzt verordnet wird, wenn er bei der Patientin eine sogenannte Präeklampsie (eine Bluthochdruckerkrankung in der Schwangerschaft, die unbehandelt tödlich sein kann) befürchtet und dieser vorbeugen will. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Gabe von Acetylsalicylsäure in der Schwangerschaft durchaus vertretbar.

Informieren Sie Ihren Arzt über die Einnahme von Arzneimitteln mit Acetylsalicylsäure
Informieren Sie Ihren Arzt über die Einnahme von Arzneimitteln mit Acetylsalicylsäure© Fotolia
 

Wie verträgt sich Aspirin in Kombination mit anderen Medikamenten?

An sich verträgt sich Acetylsalicylsäure problemlos mit anderen Medikamenten, doch es gibt auch Ausnahmen. Wenn der Patient z.B. zusätzlich Medikamente gegen Arthrose, Gicht oder Diabetes Mellitus einnehmen muss, sollte er vor der Einnahme von Acetylsalicylsäure unbedingt mit seinem Arzt sprechen. Auch bei einigen frei verkäuflichen Schmerzmitteln, wie z.B. Ibuprofen, sollte man sehr vorsichtig sein, denn dieser Wirkstoff hebt die blutverdünnende Wirkung von Acetylsalicylsäure auf, erhöhen das Blutungsrisiko und das kann unter Umständen lebensgefährlich sein. Grundsätzlich ist zu merken: Im Zweifelsfall immer lieber einmal mehr den Arzt oder Apotheker fragen, um gefährliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu vermeiden.

 

Wie wirkt Aspirin auf den Körper?

Wie Ibuprofen oder Diclofenac, so gehört auch Acetylsalicylsäure zur Wirkstoffgruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Diese Wirkstoffe wirken sowohl schmerzlindernd, als auch entzündungshemmend und fiebersenkend. Diese Wirkung haben sie, weil ihre Inhaltsstoffe bestimmte Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine hemmen. Diese Gewebshormone spielen eine wichtige Rolle in der Schmerzwahrnehmung. Werden diese Hormone nun durch den Arzneiwirkstoff gehemmt, hat der Betroffene für eine gewisse Zeit ein geringeres oder gar kein Schmerzempfinden mehr.

Aber Acetylsalicylsäure hat noch eine andere Eigenschaft: der Wirkstoff hemmt die Blutplättchen. Die Acetylsalicylsäure verhindert, dass die Blutplättchen sich aneinanderlagern, um so eine Wunde zu verschließen. Das Gute bei Acetylsalicylsäure ist, dass durch die blutverdünnende Eigenschaft Schlaganfälle und Herzinfarkte durch Verschluss von Adern vorgebeugt werden können. Da die Blutplättchen nicht so leicht verklumpen, ist das Risiko für Blutgerinnsel reduziert, die eventuell Gefäße im Gehirn oder im Herzen verstopfen könnten. Hier stellt Acetylsalicylsäure eine sehr gute Präventionsmaßnahme dar, wenn bereits ein Schlaganfall oder Herzinfarkt durch Gefäßverschluss aufgetreten ist.

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