Abtreibung – was passiert bei einem Schwangerschaftsabbruch?

Rieke Heinze Medizinredakteurin

Eine Schwangerschaft kann etwas Wunderbares für eine Frau sein. Sie kann aber auch das Gegenteil bedeuten. Durch eine Abtreibung kann eine Schwangerschaft beendet werden.

Frau lehnt an der Wand und schaut nach oben
Der Schritt zu einem Schwangerschaftsabbruch kann eine starke seelische Belastung für eine Frau darstellen Foto:  iStock/Cecilie_Arcurs
Inhalt
  1. Wie wird ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?
  2. Absaugmethode
  3. Ausschabung
  4. Abtreibungspille
  5. Spätabbruch
  6. Welche Voraussetzungen müssen für einen Schwangerschaftsabbruch erfüllt sein?
  7. Wer übernimmt die Kosten einer Abtreibung?
  8. Wie gehe ich mit einer Abtreibung um?

Eine Schwangerschaft kann auf Wunsch der werdenden Mutter beendet werden. Gründe können gesundheitlich oder auch persönlich sein und sollten immer ernst genommen werden.

Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch

  • Gesundheitszustand der Mutter
  • Zu erwartende Fehlbildungen des Kindes, aufgrund derer es nicht mehr lebensfähig ist
  • Seelische Belastung der Mutter (z.B. wenn die Schwangerschaft Folge einer kriminellen Handlung ist)
  • Soziales Umfeld und allgemeine Lebenssituation der werdenden Mutter
 

Wie wird ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?

Welches Verfahren für das Beenden einer Schwangerschaft verwendet wird, kann nicht pauschal gesagt werden. Abhängig vom fortgeschrittenen Zeitpunkt der Schwangerschaft, Gesundheitszustand und den Wünschen der Frau können unterschiedliche Methoden zum Einsatz kommen. 

Regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen gehören zur Vorsorge während der Schwangerschaft
Service Frühtest auf Chromosomen-Störung: Fluch oder Segen?

 

Absaugmethode

Wie der Name es schon vermuten lässt, werden bei dieser Methode der Fötus, das Fruchtwasser und die Schleimhaut aus der Gebärmutter abgesaugt. Dafür werden Gebärmutterhals und Muttermund mithilfe von Kugelzangen und Metallstiften geweitet, bis ein schmaler Schlauch eingeführt werden kann. Durch diesen werden das Kind und das Gewebe ausgesaugt; dabei werden sowohl der Fötus als auch die Plazenta in Stücke gerissen.

Diese Form des Schwangerschaftsabbruches wird bis zur zwölften Woche durchgeführt. Der Fötus kann eine Größe von bis zu 8 Zentimetern bis zu diesem Zeitpunkt erreicht haben. Nach der Absaugung kann es vorkommen, dass mögliche Gewebereste noch ausgeschabt werden müssen. Würden diese nicht entfernt werden, kann es zu einer Entzündung kommen. Anschließend wird Oxytocin verabreicht — ein Wehenhormon, welches das Zusammenziehen der Gebärmutter fördert und so Blutverlust verhindern und die Rückbildung der Gebärmutter fördern soll.

Blutungen und Unterleibsschmerzen sind typische Folgen der Absaugmethode. Betroffene Frauen sollten aber nach circa zehn Tagen beschwerdefrei sein. Nach diesem Zeitraum ist auch Geschlechtsverkehr wieder erlaubt.

Eine Abtreibung durch Absaugen wird im Normalfall ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. In seltenen Fällen kann sie auch unter Vollnarkose im Krankenhaus erfolgen.

Ultraschall Schwangerschaft
Schwangerschaft & Geburt Untersuchungen in der Schwangerschaft - welche sind nötig?

 

Ausschabung

Die Ausschabung wird auch Curettage genannt. Verwendet wird dafür die sogenannte Curette, ein Instrument, welches an einen langen Stab mit einer Schlaufe an einem Ende erinnert. Diese Form der Abtreibung wird selten alleinstehend verwendet, sondern erfolgt meist als zweiter Schritt nach einer anderen Methodik des Schwangerschaftsabbruches. Durch sie werden mögliche Gewebereste von Kind und Plazenta vollständig aus der Gebärmutter entfernt, um Entzündungen zu verhindern.

 

Abtreibungspille

Bei der Abtreibungspille handelt es sich um eine minimal invasive Form eines Schwangerschaftsabbruches. Circa ein Fünftel der Abtreibungen in Deutschland wird über die Einnahme der Abtreibungspille Mifegyne® durchgeführt. Dabei wird der Tode des Kindes im Mutterleib und eine anschließende Fehlgeburt initiiert. Mifegyne® blockiert das körpereigene und für das Aufrechterhalten der Schwangerschaft zuständige Hormon Progesteron. Dadurch lösen sich das Kind als auch Gebärmutterschleimhaut und Fruchtsack und der Muttermund öffnet sich. Durch diesen Vorgang stirbt der Fötus ab. Nach ein bis zwei Tagen muss die Frau Prostaglandin-Tabletten einnehmen: Diese bewirken ein Zusammenziehen der Gebärmutter und ein wehenähnliches Ausstoßen des Gewebes. Nach circa zwei Stunden setzen die Abbruchblutungen ein, bis der gesamte Fruchtsack abgestoßen ist, können aber bis zu zwei Wochen vergehen. Diese Form des Abbruchs wird typischerweise in der siebten bis zur neunten Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Typische Beschwerden, die einem Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille folgen, sind Übelkeit, Blutungen und Unterleibsschmerzen.

Eine Frau liegt im Bett und schaut besorgt
Schwangerschaft & Geburt Blutungen in der Schwangerschaft: Was bedeuten sie?

Die Verwendung der Abtreibungspille wird besonders kritisch betrachtet: So argumentieren die Gegner dieser Pille, dass es den Frauen durch diese Methode besonders leicht gemacht wird, eine unerwünschte Schwangerschaft zu beenden. Gegenmeinungen hierzu besagen, dass gerade die Einsamkeit und der Alleingang der Situation den seelischen Druck auf die Schwangere erhöhen. Zusätzlich ist sie aktiv durch das Einnehmen der Pille an der Abtreibung beteiligt, anders sieht dies aus, wenn der Arzt den Abbruch durchführt.

 

Spätabbruch

Von einem Spätabbruch wird dann gesprochen, wenn eine Schwangerschaft nach der zwölften Woche beendet wird. Derart späte Abbrüche werden bei einer schweren Erkrankung von Mutter oder Kind oder bei einer Fehlbildung des Kindes durchgeführt.

Für einen Spätabbruch wird die Geburt medikamentös eingeleitet, hierfür werden Prostaglinde verabreicht. Diese Hormone lösen Wehen aus und das Kind wird natürlich ausgestoßen. Für eine späte Abtreibung wird die Mutter immer stationär im Krankenhaus aufgenommen. Sollte der Abbruch nach der 16. Schwangerschaftswoche stattfinden, muss zusätzlich der Milcheinschuss durch die Einnahme von Bromocriptin medikamentös unterdrückt werden.  

Adoptionsfreigabe

Eine Frau kann sich entscheiden, ein Kind auszutragen, ohne dieses dann großziehen zu wollen. In diesem Fall kann sie das Kind zur Adoption freigeben. Beratung zum Ablauf und den rechtlichen Rahmenbedingungen sind im Jugendamt einzuholen.

 

Welche Voraussetzungen müssen für einen Schwangerschaftsabbruch erfüllt sein?

Auch wenn es sich um den eigenen Körper und das eigene Leben der Frau handelt – eine Abtreibung lässt sich nicht ohne Weiteres durchführen. Laut §218 Strafgesetzbuch ist der Schwangerschaftsabbruch nur unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgbar.

Zu diesen Voraussetzungen zählen:

  • Beratung der Schwangeren: Besteht der Wunsch eine Schwangerschaft zu beenden, muss ein Beratungsgespräch in einer entsprechenden Einrichtung stattfinden. Ziel soll es hierbei nicht sein, der Schwangeren ein schlechtes Gefühl zu vermitteln oder sie zu belehren, viel mehr geht es darum, Optionen und Entscheidungsmöglichkeiten sowie Hilfeleistungen darzustellen. Dieses Vorgehen wird auch Beratungsregelung genannt.
  • Medizinische Indikation: Muss eine Schwangerschaft aus medizinischen Gründen abgebrochen werden, stellt der diagnostizierende Arzt sowohl einen Überweisungsschein als auch eine Indikationsbescheinigung aus. Die tatsächliche Abtreibung darf nicht vom gleichen Arzt durchgeführt werden. Bei einer medizinisch bedingten Abtreibung gibt es keine Fristen; auch Spätabbrüche (Fetozid) sind erlaubt. Entscheidend hierbei ist, dass ohne einen Abbruch Lebensgefahr oder schwere körperliche und seelische Beeinträchtigungen bei der Schwangeren befürchtet werden.
  • Kriminologische Indikation: Entsteht eine Schwangerschaft durch eine kriminelle Handlung, z. B. eine Vergewaltigung, darf eine Abtreibung durchgeführt werden. Der medizinischen Indikation gleich, bedarf es der Diagnose eines ersten Arztes inklusive der Indikationsbescheinigung und des Überweisungsscheins, bevor ein zweiter Arzt schließlich die Behandlung durchführt.

Bei einer medizinischen und kriminologischen Indikation ist eine Beratung keine zwingende Voraussetzung für eine Abtreibung. Das heißt aber nicht, dass betroffene Frauen das Gespräch nicht suchen dürfen. Ganz im Gegenteil, psychologische und praktische Hilfe sollte immer in Anspruch genommen werden.

Betroffene können sich an folgende Institutionen wenden:

  • Pro Familia
  • Donum vitae
  • Diakonisches Werk
  • Caritas
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Der Paritätische Wohlfahrtsband
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Gesundheitsamt
 

Wer übernimmt die Kosten einer Abtreibung?

Handelt es sich bei dem Eingriff um eine kriminologisch oder medizinisch begründete Abtreibung, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Kommt die Beratungsregelung zum Einsatz, muss die Leistung privat gezahlt werden. Es kann aber ein Antrag auf Kostenübernahme bei Bedürftigkeit gestellt werden, wird dieser genehmigt, übernimmt auch hier die Krankenkasse die Kosten. Der Antrag wird bei der eigenen Krankenkasse gestellt, diese stellt auch alle weiterführenden Informationen bereit. Der finanzielle Aufwand eines Schwangerschaftsabbruchs beläuft sich auf circa 350 bis 600 Euro.

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie leiden an einer Depression, dann bitten Sie Ihren Hausarzt um Rat. Er kann Ihnen die richtige Hilfe bei Depressionen vermitteln
Naturmedizin Hilfe bei Depressionen: Was kann ich selbst tun?

 

Wie gehe ich mit einer Abtreibung um?

Neben den körperlichen Belastungen muss eine Frau sich auch mit den seelischen Anforderungen eines Schwangerschaftsabbruches konfrontieren. Schuld, Wut und Trauer sind normale Reaktionen, die auf einen derartigen Eingriff in den eigenen Körper und das eigene Leben folgen. Auch der Partner oder der Vater des Kindes müssen sich mit dieser Flut an Emotionen auseinandersetzen, sowohl mit den eigenen als auch mit denen der Mutter. Der Schritt zu einer Abtreibung ist groß und damit auch die emotionale Last. Frauen sollten sich immer Beratung und Gesprächspartner suchen und sich niemals schämen, um Hilfestellung zu bitten. Beratungsstellen und auch Vereine sind immer ansprechbar und bieten Unterstützung und Informationen bis hin zu Gruppensitzungen, in denen der gleiche Erfahrungshorizont besteht.

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Dr. med. Arne Schäffler (Hg.) (2008), Gesundheit heute. Krankheit - Diagnose - Therapie. Knaur Ratgeber Verlag
Gemeinsamer Bundesausschuss (2019): Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.