Abstrich beim Frauenarzt: Welcher ist sinnvoll?

Verena Elson Medizinredakteurin

Ab 2020 gibt es neue Regelungen für die Krebsvorsorge beim Frauenarzt: Für Frauen ab 35 wird der Abstrich beim Frauenarzt dann nur noch alle drei Jahre empfohlen. Neu ist auch: Er kombiniert den Pap-Abstrich mit dem HPV-Test.

Eine Ärztin steckt ein Wattestäbchen mit einerm Abstrich in eine Plastikhülle
Der Abstrich ist Teil der Krebsvorsorge beim Frauenarzt Foto:  iStock/dusanpetkovic
Inhalt
  1. Was ist ein Pap-Abstrich?
  2. Was ist ein HPV-Test?
  3. HPV-Test genauer als Pap-Abstrich?
  4. Pap-Abstrich nur alle drei Jahre – reicht das?
  5. Abstrich beim Frauenarzt: Wann er außerdem Sinn macht

Der Abstrich gehört für Frauen zur jährlichen Krebsvorsorge beim Frauenarzt – und das bereits seit den 1970er Jahren. Bei dem Abstrich entnimmt der Arzt oder die Ärztin mit einem Wattestäbchen Zellen der Oberfläche des Muttermundes und des unteren Teils des Gebärmutterhalskanals – diese werden dann im Labor analysiert.

 

Was ist ein Pap-Abstrich?

Der Pap-Abstrich soll Tumoren und deren Vorstufen im Gebärmutterhals aufspüren – allerdings erkennt er laut Experten krankhafte Veränderungen nur zu 51 Prozent. Bisher wurde allen Frauen ab 20 ein jährlicher Pap-Abstrich empfohlen. Die neue Regelung sieht den jährlichen Abstrich nur noch für Frauen zwischen 20 und 34 vor. Frauen ab 35 wird künftig stattdessen alle drei Jahre eine Kombination aus Pap-Abstrich und dem sogenannten HPV-Test angeboten.

 

Was ist ein HPV-Test?

Bei dem HPV-Test handelt es sich um einen Abstrich auf humane Papillomviren (HPV). Rund 80 Prozent der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit diesen Viren, in den meisten Fällen ohne schwerwiegende Folgen. Doch in seltenen Fällen können HPV-Infektionen mit einem Hochrisiko-Stamm zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs führen. In 99 Prozent dieser Krebserkrankungen sind HP-Viren die Auslöser.

Frau untersucht eine Probe im Labor
Service Neuer Test auf Gebärmutterhalskrebs

 

HPV-Test genauer als Pap-Abstrich?

Der HPV-Test spürt DNA von bestimmten HP-Viren auf der Gebärmutterhalsschleimhaut auf. Studien zufolge kann der HPV-Test das individuelle Krebsrisiko einer Frau deutlich genauer einstufen als der Pap-Abstrich. In einigen Ländern – darunter Australien – wurde der Pap-Abstrich darum bereits vollständig durch den HPV-Test ersetzt. Eine 2018 veröffentlichte Studie zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs in Australien zeigt beispielsweise, dass die Umstellung der Krebsvorsorge zusammen mit der Einführung einer umfangreichen Kampagne für die HPV-Impfung dazu führte, dass Australien heute als weltweiter Spitzenreiter in der Prävention von Gebärmutterhalskrebs gilt – 2028 könnte die Erkrankung laut der Studienautoren als eliminiert gelten.

 

Pap-Abstrich nur alle drei Jahre – reicht das?

Die Vergrößerung der Abstände zwischen den Abstrichen beim Frauenarzt sollte Frauen nicht beunruhigen – im weltweiten Vergleich sind diese Abstände sogar sehr gering. In anderen Ländern werden Frauen deutlich weniger Abstriche empfohlen (z.B. Finnland mit Pap-Abstrichen alle fünf Jahre) – dennoch sind die Erkrankungsraten in diesen Ländern nicht höher als hierzulande. Das liegt aus Expertensicht daran, dass in der Regel mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen, bevor aus Gewebsveränderungen am Gebärmutterhals Krebs entsteht. 

Einige Mediziner sehen vor allem die jährlichen Pap-Abstriche bei sehr jungen Frauen kritisch: Bei ihnen ist das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, extrem gering. Zudem steigt mit häufigen Pap-Abstrichen auch das Risiko falsch-positiver Ergebnisse. So können Auffälligkeiten entdeckt werden, die ohne Folgen von selbst wieder verschwunden wären. Betroffene Frauen kann eine solche Entdeckung aber extrem beunruhigen und zudem kann sie mit unnötigen chirurgischen Eingriffen verbunden sein.

HPV
Kindergesundheit Wie sinnvoll ist eine HPV-Impfung bei Jungen?

 

Abstrich beim Frauenarzt: Wann er außerdem Sinn macht

Nicht nur zur Krebsvorsorge ist ein Abstrich beim Frauenarzt sinnvoll. Auch zur Diagnose von sexuell übertragbaren Erkrankungen, bakteriellen Infektionen oder Pilzerkrankungen wird er angewendet. Bei Symptomen wie Jucken und Brennen oder auffälligem Ausfluss können mithilfe eines Abstriches unter anderem folgende mögliche Erkrankungen abgeklärt werden:

  • Scheidenpilz
  • Chlamydien-Infektion
  • Gonorrhoe (Tripper)
  • Herpes genitalis (Genitalherpes)
  • Bakterielle Vaginose

Quellen:
Mayrand, Marie-Hélène, et al. (2007): Human papillomavirus DNA versus Papanicolaou screening tests for cervical cancer. In: New England Journal of Medicine.

Hall, Michaela T., et al. (2019): The projected timeframe until cervical cancer elimination in Australia: a modelling study. In: The Lancet Public Health.

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