Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung: STIKO prüft Änderung bei Impf-Vorgehen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Sollte der Impfabstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung bei AstraZeneca, Moderna und Biontech verkürzt werden? Das prüft nun die Ständige Impfkommission. Der Grund: die sich schnell ausbreitende Delta-Variante.

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Der Abstand zwischen der Erst und Zweitimpfung beträgt in der Regel zwischen sechs und zwölf Wochen – je nachdem, welcher der zugelassenen Corona-Impfstoffe verabreicht wird. Nun könnte der Impfabstand verkürzt werden.

 

Empfohlener Impfabstand bei Corona-Impfung bisher

 

Laut Zulassung: Geringerer Impfabstand bei Biontech, Moderna und AstraZeneca

Aktuell wird geprüft, ob der Impfabstand zwischen den beiden Dosen verkürzt werden kann. Denn: Laut Zulassung sind auch schnellere Impfserien möglich. Bei Biontech könnte demnach ein Abstand von drei Wochen zwischen Erst- und Zweitdosis möglich sein, bei Moderna und AstraZeneca ein Abstand von vier Wochen. Allerdings: Die Ständige Impfkommission empfiehlt dieses Vorgehen bisher nicht.

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Ständige Impfkommission prüft kürzere Impfabstände wegen Delta-Variante

Der Grund für die Verkürzung des Impfabstands ist die drohende Gefahr, die von der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante ausgeht. Die Corona-Mutation, die erstmals in Indien entdeckt wurde, gilt als ansteckender – und nur ein vollständiger Impfschutz durch zwei Impf-Dosen kann vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante entsprechend schützen.

Wie kann man sich also besser wappnen? Na klar, durch eine schnellere, vollständige Impfung. Aber funktioniert das überhaupt? Die Frage sei nicht trivial, erklärte der Präsident der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, gegenüber der Deutschen Presseagentur. Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, die für und gegen eine Verkürzung der Impfabstände sprechen.

 

AstraZeneca bei längerem Abstand wirksamer

Ein wesentlicher Punkt, der gegen eine Verkürzung spricht: Das Vakzin von AstraZeneca ist laut aktuellen Studien bei längerem Abstand wirksamer. Zudem gebe es in Deutschland immer noch eine Impfknappheit. Zunächst einmal müssten möglichst viele Menschen mit einer Erstimpfung versorgt werden. Und dann stehe ja auch noch die Auffrischungsimpfung bei den älteren Patienten aus, die bereits Anfang des Jahres geimpft worden sind. 

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Jens Spahn: Alles bleibt, wie es ist

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bleibt seiner Linie treu: Er erklärte am Freitag in Berlin: „Innerhalb des Intervalls (welches bei der Zulassung freigegeben wurde, Anm. d. Red.), entscheiden das am Ende der Arzt und der zu Impfende.“ Er gehe davon aus, dass in vier bis sechs Wochen über 50 Prozent der Deutschen vollständig geimpft sei.

Weitere Experten wie Erik Sander von der Charité in Berlin geben sich ebenfalls noch gelassen. Angesichts der niedrigen Infektionszahlen könne man „mit Ruhe so weitermachen“, zitiert die „Rheinische Post“ den Experten.

Warum denn überhaupt die Diskussion um verkürzte Impfabstände?

 

Delta-Variante in Deutschland bei über 36 Prozent

Das Robert Koch-Institut (RKI) verunsichert mit alarmierenden Zahlen. So gab RKI-Chef Lothar H. Wieler am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt, dass der Anteil der Delta-Variante in Deutschland aktuell bei bereits 36 Prozent liegt. Damit hat sich der Anteil im Vergleich zur Vorwoche mehr als verdoppelt. In Portugal und Großbritannien ist die Delta-Variante bereits dominant uns sorgt für zahlreiche Infektionen – auch bei bereits Geimpften und Kindern.

Angesichts der Tatsache, dass Deutschland im Impffortschritt im Vergleich zu Großbritannien noch zurückliegt und gerade bundesweit weitere Lockerungen beschlossen wurden, ist die Gefahr groß, dass das Infektionsgeschehen durch die Delta-Variante erneut angefacht wird. Ein sicherer Schutz durch eine schnellere, doppelte Impfung könnte dies natürlich verhindern. Fest steht: die Delta-Variante wird auch in Deutschland dominant werden, das verkündete das RKI bereits vor einigen Wochen. Nun befindet man sich mitten im Impfwettlauf gegen die Zeit. 

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Was allerdings nicht vergessen werden darf: Auch gegen die ansteckendere Delta-Variante wirken Maßnahmen wie Abstand halten, Maske tragen und Kontaktreduktion. Dies sind bewährte Mittel, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, solange die StIKO noch prüft, ob der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung verringert werden kann.

Quellen:

Sollte der Impfabstand wegen Delta verkürzt werden?, in: rp-online.de

Wie groß ist der Impfabstand zwischen AstraZeneca- und mRNA-Impfstoffen?, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

Durchführung der COVID-19-Impfung (Stand 25.6.2021), in: rki.de

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