Abnehmfrust: Gewichtszunahme trotz Sport?

Ines Fedder Medizinredakteurin

Sport gilt als die Geheimwaffe, um überschüssige Pfunde loszuwerden. Nicht selten jedoch zeigt der Blick auf die Waage auch nach intensivem Training nicht das gewünschte Ergebnis. Schlimmer noch: Die Waage zeigt sogar mehr Kilos an, als zuvor. Aber woran liegt das eigentlich?

Inhalt
  1. Gewichtszunahme durch mehr Muskelmasse
  2. Stoffwechsel läuft auf Sparflamme
  3. Zunahme durch Wassereinlagerungen
  4. Freizeitstress macht dick

Wer schön sein will, muss leiden – und wer abnehmen will, kommt um Sport einfach nicht herum, so das Mantra, welchen vielen Abnehmwilligen gebetsmühlenartig von Ernährungs- und Sportcoaches vorgetragen wird. Ein Irrtum, der Bewegungsmuffel verzweifeln lässt. Schließlich brauch es, um Gewicht zu verlieren, lediglich ein Kaloriendefizit. Das heißt es müssen weniger Kalorien aufgenommen werden, als der Körper verbraucht.

Zugegeben… Sport ist einer der effektivsten Methoden, um seinen Energieumsatz zu steigern und so ein Kaloriendefizit aufzubauen. Kein Wunder also, dass fast jedes Abnehmvorhaben beinahe immer mit einem intensiven Trainingsvorhaben Hand in Hand geht. 

Schnell abnehmen, nie wieder zunehmen

Gerade Sporteinsteiger sind dann häufig geschockt, wenn man nach wochenlangem „Schuften auf dem Laufband“ statt dem gewünschten Gewichtsverlust sogar noch an Gewicht zugelegt hat. Für die Gewichtszunahme kann es mehrere Gründe geben:

 

Gewichtszunahme durch mehr Muskelmasse

Wer viel Sport treibt, baut unweigerlich Muskelmasse auf. Zweifelsfrei ein gewünschter Effekt, denn ein definierter Körper sieht nicht nur besser aus, Muskeln verbrennen auch mehr Kalorien, sodass der Grundumsatz steigt. Was viele nicht wissen: Muskulatur ist schwerer als Fettgewebe, was sich natürlich auch auf der Waage zeigt. Man wiegt also de facto mehr, sieht dafür aber schlanker aus. Warum: Ein Kilogramm Muskelmasse hat weniger Umfang als Fettgewebe. Der Körper wirkt schlanker als vorher.

Aber aufgepasst: Wer regelmäßig nach dem Sport ausgiebig schlemmt, kann auch trotz des Sports zunehmen. In diesem Fall sind die überschüssigen Kilos vermutlich nicht auf den Ausbau der Muskelmasse zurückzuführen.

 

Stoffwechsel läuft auf Sparflamme

Oft kommt es vor, dass vor dem Beginn regelmäßiger Sporteinheiten eine Diät oder Ernährungsumstellung stattfand. Betroffene also erst durch den vorigen Gewichtsverlust zu mehr Bewegung motiviert werden. Ist man dann vielleicht sogar übermotiviert und baut in seinen Alltag jede Menge Sporteinheiten ein, kann es passieren, dass die Gewichtszunahme stoffwechselbedingt ist. Während einer Diät nimmt man in der Regel sehr wenig Kalorien zu sich und baut so ein großes Kaloriendefizit auf. Die Folge: Der Stoffwechsel läuft auf Sparflamme und bunkert zusätzliche Energie für schlechte Zeiten. Fängt man dann auch noch an, intensiv Sport zu treiben, bunkert der Körper jegliche Energie, die er kriegen kann und verbrennt weniger. Die Folge: Gewichtszunahme. 

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Zunahme durch Wassereinlagerungen

Sporteinsteiger kennen das – da hat man sich jahrelang nicht so richtig bewegt und schon bekommt man sofort einen Muskelkater. Der tut nicht nur weh, sondern kann auch das Gewicht beeinflussen. Der Körper speichert bei einem Muskelkater nämlich vermehrt Wasser – und genau diese Wassereinlagerungen können auch das ein oder andere Kilogramm mehr auf die Waage bringen.

 

Freizeitstress macht dick

Viel Bewegung und dann auch noch die richtige Ernährung. Wenn man das erst mal alles unter einen Hut gekriegt hat, ist schon viel geschafft – manchmal sogar zu viel, sodass man infolge ständig unter Stress steht. Und genau dieser Stress kann bewirken, dass die Pfunde nicht mehr purzeln und man sogar zulegt. Unter Stress wird nämlich vermehrt das Hormon Cortisol ausgeschüttet. Und dieses Cortisol hemmt den Fettabbau. Wer sich also mit zu viel Sportstress unter Druck setzt, kann genau das Gegenteil einer Gewichtsabnahme bewirken. Daher gilt: Ein ausgeglichener Trainingsplan mit genügend Erholungsphasen und eine gesunde Ernährung sind wesentlich effektiver als ein stetig durchgeplanter Terminkalender mit hochintensiven Trainingseinheiten.

Kleiner Tipp: Nicht zu oft wiegen

Was den Stresspegel noch weiterhin in die Höhe treibt? Ständiges Wiegen. Klar sollten Betroffene, die dazu neigen, zu viel auf die Waage zu bringen, ihr Gewicht im Auge behalten, allerdings: Tägliches Wiegen sollte möglichst vermieden werden. Denn das Körpergewicht kann sogar stündlich variieren. So kann es durchaus passieren, dass man von ein auf den anderen Tag zwei Kilogramm mehr auf die Waage bringt – vielleicht aufgrund von Hormonschwankungen oder Wassereinlagerungen. Dass es sich hierbei allerdings um zwei Kilogramm Fett handelt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Am besten wiegen Sie sich einmal in der Woche nach dem Aufstehen immer am selben Tag.

Wer auf eine gesunde Ernährung achtet und dazu noch Sport treibt, hat den Kampf gegen das Übergewicht schon halb gewonnen. Sportanfänger sollten sich keineswegs von einem Ungleichgewicht auf der Waage vom Weg abbringen lassen. Langfristig wird sich früher oder später ein Gewichtsverlust auch auf der Waage zeigen – und im Spiegel allemal.

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