Abgelaufene Medikamente: Darf ich Antibiotika & Co. trotzdem nehmen?

Redaktion PraxisVITA

Viele Menschen sind beim Griff in den Medizinschrank unsicher, ob sie abgelaufene Medikamente noch verwenden können. Sind abgelaufene Salbe oder Hustensaft noch gut und kann ich abgelaufene Antibiotika trotzdem nehmen?

Tabletten in Blistern auf Holztisch
Abgelaufene Medikamente verlieren meist nur ihre Wirkung, manchmal kann es jedoch auch zu problematischen Nebenwirkungen kommen Foto:  iStock-1133425325 sanjagrujic

Bei einer Erkältung ist man froh, wenn und noch ein paar Präparate vom letzten Jahr im Schrank liegen – doch abgelaufene Medikamente werfen auch häufig Fragen auf, zum Beispiel:

  • Darf ich abgelaufene Tabletten einnehmen? 
  • Kann ich die abgelaufene Salbe noch benutzen?
  • Muss ich die alten Medikamente entsorgen? 

Arzneimittel haben genau wie Lebensmittel ein Verfallsdatum. Viele Menschen sind sich unsicher, ob die Medikamente dann ihre Wirkung verlieren – oder sogar schaden können. Ob es dabei einen Unterschied zwischen festen Medikamenten wie Tabletten in Blistern und flüssiger Medizin gibt, ist auch oft unklar. Worauf muss man also bei abgelaufenen Medikamenten achten?

 

Ist der Hustensaft abgelaufen, wird er klumpig

Bei flüssigen Arzneimitteln wie Fieber- und Hustensaft trennen sich nach Ablauf des Verfallsdatums häufig die Bestandteile voneinander: Es kommt zu Verklumpungen. Zwar sind diese Veränderungen nicht schädlich, doch häufig können die Inhaltsstoffe dann nicht mehr ihre volle Wirkung entfalten.

Foto: iStock
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Nasentropfen können Entzündungen hervorrufen

Für Tropfen, die aus einem Fläschchen in Nase oder Augen geträufelt werden, gilt eine strenge Regel: Sie sollten nicht länger als vier Wochen nach Anbruch verwendet werden. Sonst können sich Keime in der Flüssigkeit ansiedeln und Entzündungen hervorrufen. Sind diese Medikamente abgelaufen, heißt es also: Weg damit!

 

Antibiotika abgelaufen – trotzdem nehmen?

Hier ist besondere Vorsicht geboten: Ebenso wie bei Insulin- oder Hormonpräparaten kommt es bei Antibiotika auf die richtige Lagerung an. Sie müssen bei 2 bis 6 Grad im Kühlschrank aufbewahrt werden. Ist das Verfallsdatum überschritten, können sich die Inhaltsstoffe verändern, dadurch zu problematischen Nebenwirkungen führen – schlimmstenfalls wird die Entwicklung resistenter Krankheitserreger gefördert. Ein abgelaufenes Antibiotikum sollte deshalb direkt im Müll landen.

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Abgelaufene Salbe und Creme wird ranzig

Wenn sich die unterschiedlichen Bestandteile einer abgelaufenen Salbe aufspalten, kann ihre Wirksamkeit erheblich beeinträchtigt sein. Für Cremes gilt das in der Regel nicht. Sie können zwar ranzig werden und einen unangenehmen Geruch entfalten. Das tut ihrer Wirksamkeit jedoch keinen Abbruch.

 

Abgelaufene Tabletten verlieren ihre Wirkkraft

Präparate, die Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin, ASS) enthalten, verlieren nach ihrem Verfallsdatum langsam an Wirkkraft. Allerdings gehen Arzneimittel-Hersteller in Deutschland auf Nummer sicher, indem sie in der Regel ein sehr frühes Verfallsdatum ansetzen. Wenige Wochen nach dem Ende der angegebenen Haltbarkeit können die Tabletten deshalb noch bedenkenlos eingenommen werden.

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Grundsätzlich gilt also: Anders als bei Lebensmitteln, die man auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießen kann, sollte man abgelaufene Medikamente besser entsorgen

 

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