Abführende Hausmittel: Was bringt den Darm in Schwung?

Michelle Kröger

Verstopfung zählt zu den häufigsten Volksleiden in Deutschland. Die Auslöser: Arbeiten im Sitzen, mangelnde Flüssigkeitsaufnahme und zu wenig Bewegung. Darmentleerung ohne Abführmittel? Für viele Betroffene schier unvorstellbar. Doch nicht nur ein aktiver Lebensstil wirkt der Verstopfung entgegen. Es gibt auch einige natürliche, abführende Hausmittel, die die Darmtätigkeit anregen – auf sanfte Art und Weise.

Frau sitzt auf Sofa und hält sich den Bauch
Bei Verdauungsstörungen muss man nicht immer gleich zum Arzt gehen Foto:  Foto: Deagreez/iStock
Inhalt
  1. Verstopfung – was ist das?
  2. Traditionelle Hausmittel bei Verstopfung
  3. Bewegung und Massagen fördern Verdauungsarbeit
  4. Abführende Hausmittel – auch gut für Schwangere und Kinder?
 

Verstopfung – was ist das?

Von einer Verstopfung (auch: Obstipation) ist dann die Rede, sobald es weniger als dreimal wöchentlich zur Darmentleerung kommt. Es handelt sich entgegen vieler Annahmen um ein Symptom, nicht um eine Krankheit. Zu den häufigsten Beschwerden einer Verstopfung gehören:

  • Harter Stuhlgang
  • Seltener Stuhlgang (weniger als dreimal pro Woche)
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Starkes Pressen beim Stuhlgang erforderlich
  • Völlegefühl und Blähungen

Häufig ist ein ungesunder Lebensstil die Ursache einer Verstopfung. Dazu gehören: morgendlicher Stress, mangelnde Bewegung, falsche Ernährung und unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Generell unterscheiden Ärzte zwischen zwei verschiedenen Formen der Verstopfung: der primären (funktionellen) Verstopfung und der sekundären Verstopfung.

Verstopfungsbeschwerden können Betroffene stark belasten
Krankheiten & Behandlung Was ist Verstopfung (Obstipation)?

Abführmittel nicht abrupt absetzen

Betroffene, die bisher zu Abführmitteln gegriffen haben, sollten diese nicht sofort absetzen. Warum? Der Darm hat sich an die Medikamente gewöhnt. Und er benötigt etwas Zeit, um sich zu entwöhnen. Deshalb die Empfehlung: Lassen Sie das Arzneimittel langsam ausschleichen. Gleichzeitig können Sie Hausmittel hinzuziehen, die Sie ab sofort konsequent anwenden – am besten in Absprache mit Ihrem Arzt und je nach Verträglichkeit.

 

Traditionelle Hausmittel bei Verstopfung

Es gibt viele Lebensmittel, die die Verdauung anregen. Doch warum wirken sie sich positiv auf unsere Darmtätigkeit aus? Aufgrund der guten Inhaltsstoffe. Beispielsweise Nüsse und Leinsamen gehören zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln, die einen regelmäßigen Stuhlgang fördern. Auch Milchprodukte wie reine Buttermilch und Joghurt unterstützen die Darmflora, aufgrund der enthaltenen Bakterien.

Natürlich abführen mit Trockenfrüchten wie Pflaumen und Feigen

Dörrpflaumen oder getrocknete Feigen sind ein altbewährtes Hausmittel gegen Verstopfung. Weichen Sie am Abend einige Trockenfrüchte in einer Tasse Wasser ein und lassen sie diese abgedeckt über Nacht stehen. Nach dem Aufstehen essen Sie dann die eingeweichten Früchte. Auch das Einweichwasser sollten Sie trinken. Klingt gewöhnungsbedürftig? Sie können beides auch im Mixer pürieren und als Smoothie zu sich nehmen. Viele Menschen empfinden das als angenehmer. Eine weitere Möglichkeit: ein Glas naturtrüber (Bio-)Dörrpflaumensaft am Morgen. Dieser enthält noch viele seiner natürlichen Ballaststoffe.

Wassermelone wirkt abführend

Der frische Sommersnack besitzt ebenfalls abführende Eigenschaften. Allerdings sollten Sie zu kernhaltigen Wassermelonen greifen. Denn anders als man denkt, enthalten die schwarzen Kerne viele wertvolle Mineralien. Deshalb: einfach mitessen. Allerdings sollten Sie beachten, dass Wassermelonen immer auf nüchternen Magen verzehrt werden sollten, nicht als Nachspeise. Wassermelonen werden nämlich extrem schnell verdaut. Wenn die Früchte nach einer anderen Mahlzeit gegessen werden, können Gärprozesse im Verdauungssystem die Folge sein. Damit wird eine schnelle Verdauung nicht mehr möglich. 

Gesunde Öle als Abführmittel

Zusätzlich wirken auch spezielle Ölsorten ähnlich wie Abführmittel, nur viel sanfter. Öle machen den Darm schön geschmeidig. Rizinusöl zum Beispiel regt die Darmtätigkeit an. Einfach morgens auf nüchternem Magen ein bis zwei Esslöffel Rizinusöl einnehmen. Auch durch hochwertiges Olivenöl oder Leinöl kommt Bewegung in den Darm. Der Stuhl kann besser abtransportiert werden.

Mit Weintrauben abführen

Auch Weintrauben können sich positiv auf das Verdauungssystem auswirken. Täglich sollten rund 350 Gramm (Bio-)Trauben verzehrt werden, um die Darmtätigkeit anzuregen. Bevorzugen Sie kernhaltige Weintraubensorten, denn diese enthalten oftmals weniger Zucker als kernlose Varianten. Haut und Kerne können und sollten Sie mitessen, kauen Sie alles gut durch und schlucken Sie die Kerne nicht im Ganzen herunter. In Traubenhaut und -kernen stecken reichlich Ballaststoffe und gute sekundäre Pflanzenstoffe. Letztere wirken entzündungshemmend und antioxidativ.

Ballaststoffe – die idealen abführenden Lebensmittel

Ballaststoffe können eine gesunde Verdauung unterstützen. Wird eine ballaststoffreiche Ernährung verfolgt, so kann es erst gar nicht zu einer Verstopfung kommen. Erhöhen Sie den Verzehr von ballaststoffreichen Lebensmitteln, denn sie führen zu einem erhöhten Stuhlvolumen und helfen den Darmbakterien bei ihrer Arbeit. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Co. sind empfehlenswert. Bananen, Schokolade und Weißmehl sollten Sie dagegen meiden. Sehen Sie von Fertiggerichten ab und bereiten Sie Mahlzeiten immer frisch zu.

Leinsamen, Chiasamen und Flohsamenschalen

Gleichermaßen abführend wirken auch Leinsamen, Chiasamen und Flohsamenschalen. Es handelt sich dabei um gute Darmreiniger, nicht zuletzt aufgrund der großen Mengen an Schleim- und Ballaststoffen. Sie wirken allesamt stark quellend, nehmen Sie die Schalen bzw. Samen also immer mit ausreichend Flüssigkeit zu sich. So können sie im Verdauungstrakt quellen und den Darminhalt vergrößern. Außerdem unterstützen sie die verdauungsfördernde Darmbakterien in unserem Körper. Werden die Samen trocken und ohne zusätzliche Flüssigkeit eingenommen, wird die Verstopfung verstärkt und genau das Gegenteil erreicht.

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Gemüse-Mix für den Darm

Aus vielen verschiedenen Gemüsesorten lässt sich ein Saft herstellen, der gegen Verstopfung hilft. Vermischen Sie beispielsweise Tomatensaft (150 ml) mit Sauerkrautsaft (80 ml) und Karottensaft (100 ml). Denkbar ist natürlich auch ein Gemüse-Smoothie, den Sie durch das Pürieren der jeweiligen Gemüsesorten im Mixer herstellen können. Fügen Sie auch gern eine Prise Chili oder Cayennepfeffer hinzu. Die scharfen Gewürze verstärken den Abführeffekt und wirken desinfizierend.

Generell sollten Sie jedoch auch darauf achten, jeden Tag Obst und Gemüse zu verzehren. Bei Verstopfung besonders gut geeignet:

  • Apfel
  • Orange
  • Birne
  • Kaki
  • Papaya
  • Ananas
  • Guave
  • Pflaume
  • Feige
  • Aprikose
  • Johannisbeeren

Gemüse:

  • Bohnen
  • Kohl
  • Sauerkraut
  • Erbsen
  • Spinat
  • Gurken
 

Bewegung und Massagen fördern Verdauungsarbeit

Bewegungsmangel verhindert das reibungslose Funktionieren der Organe. Ja, besonders unser Darm leidet unter unzureichender Bewegung, ohne sie kann er nicht richtig verdauen. Aus diesem Grund sollten Sie auf ausreichend viel Fitness und Sport achten. Auch regelmäßige Spaziergänge helfen. Verdauungsfördernd wirken auch Bauchmassagen. Reiben Sie im Uhrzeigersinn mehrmals täglich rund um den Bauchnabel. Jeweils für rund 15 Minuten. Das wirkt nicht bloß extrem beruhigend auf den Geist, sondern fördert auch die Darmaktivität.

Trinken Sie viel Wasser

Wie bei vielen anderen Körperleiden hilft eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr auch bei Verstopfung. Trinken Sie jeden Tag zwischen 1,5 und 2 Liter Wasser (ohne Kohlensäure). Das hält den Darm feucht und der Stuhlgang wird erleichtert.

 

Abführende Hausmittel – auch gut für Schwangere und Kinder?

Viele Frauen haben während der Schwangerschaft mit Verstopfung und Verdauungsproblemen zu kämpfen. Dürfen auch sie abführende Lebensmittel als Heilmittel verwenden? Natürlich. Besonders sollten Schwangere zu ballaststoffreichen Lebensmitteln greifen.

Kleinkinder müssen meist einfach ausreichend viel trinken, um die Bauchschmerzen zu lindern und den Stuhlgang anzuregen. Schafft die ausreichende Wasserzufuhr keine Abhilfe, so können abführende Lebensmittel wie etwa Apfelsaft oder Trockenfrüchte (z.B. Aprikosen oder Pflaumen) gegeben werden.

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