A2 Milch im Faktencheck: Das müssen Sie wissen

Mona Eichler

Ist A2 Milch für Menschen mit Laktoseintoleranz wirklich verträglicher als gewöhnliche Milch? Hier der Faktencheck.

Milch wird in einen Bottich gekippt
A2 Milch soll besonders verdauungsfreundlich sein Foto:  istock/peopleimages
Inhalt
  1. Woher kommt die Bezeichnung A2 Milch?
  2. Welche Rinder geben A2 Milch?
  3. Wodurch unterscheiden sich A1 und A2 Milch?
  4. Ist A2 Milch wirklich gesünder?

Milch – beziehungsweise die Frage, wie gesund Milch für den menschlichen Organismus ist, gehört zu den umstrittensten Themen unserer Gesellschaft. Das liegt zum Teil daran, dass Milch für die Verdauung als schlecht verträglich gilt und immer mehr Menschen über Laktoseunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz klagen.

 

Woher kommt die Bezeichnung A2 Milch?

Seit Jahren wird A2 Milch immer wieder als eine Art Wundermilch angepriesen. Aufgrund ihrer erhöhten Verträglichkeit sollen sogar Menschen mit einer Laktoseintoleranz A2 Milch problemlos trinken können. Gewöhnliche Milch, auch A1 Milch genannt, hingegen verursache Verdauungsprobleme, heißt es.  

Doch wofür stehen die Bezeichnungen A1 und A2 überhaupt? Um das nachvollziehen zu können, muss man sich die Bestandteile von Kuhmilch genauer anschauen.

Milch besteht neben Wasser und Fett aus Proteinen, also aus Eiweiß. Den größten Anteil dieser Proteine bildet das Beta-Casein. A1 und A2 sind jene zwei Varianten des Beta-Caseins, die in Kuhmilch am häufigsten vorkommen.

Ob ein Rind A1 Milch, A2 Milch oder eine Mischform gibt, ist im Erbgut des Tieres festgelegt und kann von außen nicht beeinflusst werden. Die Forschung vermutet, dass ursprünglich alle Rinder A2 Milch gegeben haben und es erst durch eine Mutation bei europäischen Rassen zur Durchsetzung des A1 kam.

 

Welche Rinder geben A2 Milch?

Hohe A2 Frequenzen finden sich unter anderem in den Rinderrassen Guernsey, Jersey und Brown Swiss.

 

Wodurch unterscheiden sich A1 und A2 Milch?

Wissenschaftlich belegt ist, dass sich A1 und A2 Milch an nur einem Punkt ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Casein setzt sich im Allgemeinen aus Aminosäuren zusammen, die Ketten bilden. An Position 67 dieser Aminosäurenkette befindet sich bei A2 Milch die Aminosäure Prolin. Bei A1 Milch sitzt hier die Aminosäure Histidin.

 

Ist A2 Milch wirklich gesünder?

Beim Verdauungsprozess von A1 Milch wird Beta-Casein aufgespalten und es entsteht Beta-Casomorphin-7 (BCM-7) im Verdauungstrakt. Jahrelang wurde dieser Stoff in Verbindung mit Krankheiten wie Typ1 Diabetes, Herzinfarkt und Autismus gebracht. Da BCM-7 bei der Verdauung von A2 Milch nicht oder kaum entsteht, sahen es Befürworter als erwiesen an, dass A2 Milch gesünder als A1 Milch ist. Tatsache ist allerdings, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die einen Zusammenhang zwischen A1 Milch und den genannten Krankheiten belegen.

Braucht es A2 Milch überhaupt?

In den vergangenen Jahren konzentrierten sich verschiedene Studien auf die Frage, ob A2 Milch leichter verträglich als A1 Milch ist. Die Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft zitiert hierzu aus zwei kleineren Studien aus Asien, bei denen die Teilnehmer mit Milchunverträglichkeit bei A2 Milch weniger Beschwerden aufwiesen als bei A1 Milch. Mit einer Probandenzahl von 41 bzw. 45 Menschen seien diese Studien aber keineswegs aussagekräftig.

Als Schlussfolgerung heißt es auf der Homepage der LfL:
„Die Milch unserer Kühe enthält ohnehin schon 65 bis 80 Prozent A2-Kasein. Ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Konsum von A1-haltiger Milch können nach sorgfältiger Abklärung durch renommierte europäische Einrichtungen so gut wie sicher ausgeschlossen werden. Nach den vorliegenden Ergebnissen zu Verdauungsbeschwerden durch A1-haltige Milch könnte reine A2-Milch ein interessantes Produkt für den asiatischen Markt werden. Dies gilt aber in erster Linie für Trinkmilch, Käseprodukte und andere Milcherzeugnisse sind noch nicht abgeklärt. Ob die Ergebnisse für den europäischen Markt überhaupt irgendeine Relevanz besitzen, kann im Moment noch nicht gesagt werden, hierzu wären europäische Studien notwendig."

Auch das Max Rubner-Institut, das sich intensiv mit A2 Milch beschäftigt hat, kommt zu dem Schluss, dass der Hype um die vermeintlich besser verträgliche Milch nicht gerechtfertigt ist. Dazu heißt es auf der Homepage:

„Die vereinzelt in den Medien zu lesende Aussage zur besseren Verträglichkeit von A2-Milch bei Laktoseintoleranz entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. A2-Milch unterscheidet sich im Laktosegehalt in keiner Weise von der A1-Milch."

Quellen:

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