Hochwasser-Folgen: Neue Warnung und hohes Infektionsrisiko!

Ines Fedder Medizinredakteurin

Die Ausmaße des Hochwassers in Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind verheerend. Nachdem die Wassermassen gebändigt wurden, droht nun die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Und natürlich weitere Unwetter. Die Hintergründe.

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Unwetter in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern haben in den vergangenen Tagen zur größten Hochwasser-Katastrophe der letzten Jahre geführt. Die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau werden noch Jahre dauern, prognostizieren Experten. Das Wasser birgt aber auch noch weitere Gefahren. So können Wasserverunreinigungen auch gefährliche Infektionskrankheiten verursachen. Und während im Schlamm, Schutt und Müll die Krankheitserreger lauern, drohen erneut Unwetter am Wochenende. Die aktuelle Unwetter-Lage.

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Neue lokale Unwetter-Warnungen am Wochenende

Gerade erst ist Tief Bernd über Deutschland gefegt, greift auch schon Tief Dirk an - am Wochenende drohen in gleich mehreren Regionen Unwetter. Leider auch in denen, die gerade erst damit angefangen haben, die Folgen der Unwetter-Katastrophe zu bewältigen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert, wird es am Samstag im Südwesten Deutschlands und am Alpenrand zu kurzzeitig lokalen Unwettern kommen, die dann auch in Richtung Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ziehen. Gewarnt wird vor Hagel, Sturmböen und Starkregen. Nicht die einzige Gefahr. Denn in den von Unwetter gebeutelten Gebieten besteht auch eine erhöhte Infektionsgefahr. Welche das sind?

 

Nach Überschwemmung in Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz: Magen-Darm-Erkrankungen durch verunreinigtes Grundwasser

Bereits kurz nach der ersten Unwetter-Welle in Rheinland-Pfalz und Bayern warnten die Kommunen vor möglichen Magen-Darm-Erkrankungen durch E.Coli-Bakterien. Diese können unter anderem in überlaufenden Kanalisationen lauern, die bei lang anhaltendem Hochwasser auch ins Grundwasser übertreten können. Je länger das Wasser steht, desto schneller können sich die Bakterien vermehren.

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Nach Hochwasser: Gefahr von Bakterien im Leitungswasser im Ruhrgebiet

Ebenfalls eine potenzielle Gefahrenquelle ist das Trinkwasser in den betroffenen Hochwassergebieten. Die Kommunen Euskirchen, Mettmann, Oberhausen und Mühlheim warnen bereits vor verunreinigtem Trinkwasser und empfehlen, das Wasser vor dem Verzehr unbedingt abzukochen. Der Grund: In weiten Teilen des Ruhrgebiets sei Flusswasser ins Trinkwasser geraten.

Um eine Erkrankung durch Bakterien und Keime zu verhindern, empfehlen die Kommunen:

  • Wasser vor dem Verzehr mindestens drei Minuten sprudelnd abkochen.
  • Auch Lebensmittel nur mit abgekochtem Wasser waschen.
  • Wasser für Haustiere vorher abkochen und abkühlen lassen.
  • Kein Leitungswasser zum Zähneputzen und Einfrieren von Eiswürfeln benutzen.
  • Kranke und Immungeschwächte sollten ebenfalls abgekochtes Wasser zur Körperpflege verwenden. 

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Lebensmittelvergiftung und Salmonellen-Gefahr in Hochwasser-Gebieten

Infektionskrankheiten drohen nicht nur durch kontaminiertes Trinkwasser, sondern auch durch verunreinigte Lebensmittel. Ungekühlte Nahrung wie Milch, Käse und Fleisch sollte nicht mehr verzehrt werden. Bereits bei Temperaturen ab zehn Grad Celsius vermehren sich die Bakterien erheblich. Es droht unter anderem eine Salmonellen-Infektion. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Durchfall.

 

Pilzgefahr bei Getreide nach Unwetter in Deutschland

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz empfiehlt nach einer Überschwemmung kein Obst und Gemüse aus den überschwemmten Gebieten zu verzehren. Auch von der Nutzung erntereifem Getreide aus dem überschwemmten Gebieten wir abgeraten, da es durch die Verunreinigung zu einer Verpilzung kommen kann.

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Offene Wunden: Ansteckung mit Hepatitis A und Wundstarrkrampf möglich

Offene Wunden bilden den idealen Nährboden für Infektionskrankheiten wie Hepatitis A und Wundstarrkrampf (Tetanus). Über die offenen Wunden können Keime, Bakterien und Viren in den Körper eintreten. Menschen, die Verletzungen vorweisen, sollten daher besonders vorsichtig sein.

Obwohl sich die Lage in den Unwettergebieten in Bayern, in Nordrhein-Westfalen und insbesondere in der Eifel allmählich gebessert hat, sind die Folgen des Hochwassers noch lange nicht abzusehen. Die erhöhte Gefahr vor Infektionskrankheiten wird wohl noch andauern, bis eine saubere Trinkwasserversorgung gesichert und die Wassermassen weitestgehend abgelaufen sind.

Quellen:

Infektionsrisiko bei Hochwasser: Die verborgene Gefahr, in: gesundheit.de

Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser, in: bbk.bund.de (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Landwirte kämpfen gegen Starkregen und Überschwemmungen, in: topagrar.com

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