Podcast: Übergewicht – alles eine Frage des Selbstwertgefühls?

Franziska König

Übergewicht im Rahmen einer Essstörung ist ein ständiger Kreislauf: Betroffene leiden mitunter an Selbstzweifeln, die im schlimmsten Fall zu unkontrollierbaren Essanfällen führen. In einer neuen Folge VITATALK berichtet Carmen Schmidt, Leiterin der BFE Beratungsstelle Dick und Dünn E.V., über das Leid der Betroffenen und neue Therapiemöglichkeiten. Dabei steht eines besonders im Fokus: die Stärkung des Selbstwertgefühls.      

Übergewichtige Frau sitzt frustriert an einem Tisch voll gedeckt mit ungesunder Nahrung
Übergewichtige Menschen leiden häufig unter ihrem krankhaften Essverhalten Foto:  istock/motortion
Inhalt
  1. Ab wann beginnt Übergewicht?
  2. Gesundheitspodcast VITATALK zum Thema „Übergewicht“ 
  3. Welche Ursachen gibt es für Übergewicht?
  4. Schlechtes Selbstwertgefühl: Wie kann es gestärkt werden?
  5. Wie sieht eine Beratung aus?
  6. Welche Klinik ist die richtige?
  7. Gibt es positive Effekte einer Diät?
  8. VITATALK: Der Gesundheitspodcast online hören
 

Ab wann beginnt Übergewicht?

Das Körpergewicht eines Menschen und damit auch das Übergewicht definiert sich in der Regel über den sogenannten „Bodymaßindex“ (BMI). Es handelt sich um eine Maßzahl, die das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße bewertet. Bei Normalgewicht liegen die BMI-Werte zwischen 18,5 und 24,9. Übergewicht beginnt ab einem BMI-Wert von 25, Adipositas (Fettsucht) Grad I ab 30, Grad II ab 35 und Grad III ab 40. Der BMI-Rechner ist jedoch umstritten, da er häufig gerade aktiven und sportlichen Menschen ein zu hohes Körpergewicht bescheinigt, ohne deren Muskelmasse mit einzuberechnen.

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Gesundheitspodcast VITATALK zum Thema „Übergewicht“ 

 

Welche Ursachen gibt es für Übergewicht?

Nicht nur Bewegungsmangel und psychische Belastung, sondern auch die genetischen Veranlagungen sind in vielen Fällen verantwortlich für Übergewicht: Untersucht man das Familiengenogramm, also den Körperbau seiner Vorfahren, können Rückschlüsse auf die eigene Körperform gezogen werden. Psychologische Essstörungen beginnen häufig schon im Jugendalter: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind unzufrieden, wenn sie dem heutigen Schönheitsideal nicht entsprechen und unter dem Druck des Schlankheitswahns leiden. Es kommt zu ersten Diätversuchen, die den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Schnell setzt der „Jojo-Effekt“ ein, der mit zusätzlichem Bewegungsmangel zu Übergewicht führt. Die Unzufriedenheit über den eigenen Körper und Diskriminierung von außen führen häufig zu Essanfällen, dem sogenannten Binge Eating Disorder, eine psychogene Essstörung. Die Betroffenen spüren dabei emotionalen Hunger, den man mit Essen kompensieren möchte. Sie haben das Gespür für ihr Sättigungsgefühl verloren.

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Schlechtes Selbstwertgefühl: Wie kann es gestärkt werden?

Übergewichtige leiden häufig unter ständigem Selbstzweifel, wie Carmen Schmidt von der Beratungsstelle Dick und Dünn e.V. weiß. Er zeigt sich in unterschiedlichen Formen, erklärt sie. Darunter unter anderem in:

 

Übergewichtige fühlen sich zudem meist unwohl und diskriminiert. Der Gedanke "so wie ich bin, bin ich nicht gut genug" schwirrt den Betroffenen im Kopf herum, erklärt Carmen Schmidt.

Die BFE Beratungsstelle Dick und Dünn E.V. will den Betroffenen helfen. Sie sieht das Antidiätkonzept vor, um den Teufelskreis zu durchbrechen und neuen Lebensmut zu finden: Die psychotherapeutische Behandlung versucht, den Betroffenen zu vermitteln, dass sie trotz ihres Übergewichtes ein zufriedenes Leben führen können und niemand das Recht hat, sie zu diskriminieren. Sie zielt darauf ab, das Gewicht zu halten und die innere Einstellung zu ändern. Die Betroffenen sollen in ihrem Selbstwert gestärkt werden. Es wird geklärt, wo der psychische Leidensdruck herkommt und ob bereits Folgeerkrankungen bestehen. Erst bei extremen Übergewicht können die Folgeerkrankungen (wie z.B. Diabetes, Gelenk-, Herzkreislauf- und Lungenerkrankungen) eine Gefahr darstellen.

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Wie sieht eine Beratung aus?

Die Beratungsstelle sieht eine Erstberatung vor - sowohl für Betroffene als auch für Angehörige. Hier wird unter anderem geklärt, in welchem Stadium sich der Betroffene befindet und ob er schon Vorerfahrungen mit klinischer oder ambulanter Ernährungsbetreuung hatte. Gemeinsam werden weitere Maßnahmen, wie z.B. die Gruppentherapien, besprochen. Gegebenenfalls wird an eine Klinik oder spezifische Einrichtung mit Diätcharakter und Ernährungsberatung verwiesen.

Die moderierten Gruppentherapien finden mit gleichgesinnten statt. Die Teilnehmer kommen wöchentlich zusammen. Man erfährt gegenseitige Solidarität und Unterstützung. Die Moderatorin gibt Alltagshilfen und fachlichen Input. Unangenehme Situationen und neue Verhaltensmöglichkeiten werden in kleineren Rollenspielen geübt, wodurch das Selbstwertgefühl gestärkt werden soll. Auch Entspannungsübungen stehen auf dem Plan. "Angehörige leiden genauso mit – so gibt es auch für sie Gruppentherapien", sagt die Leiterin der Einrichtung. Unsere Expertin weist zudem auf einen reflektierten und sinnvollen Umgang mit Social Media hin: Anstatt sich von Posts, die dem vermeintlichen Schönheitsideal entsprechen, herunterziehen zu lassen, sollten Seiten wie "Fat Acceptance und Body Positivity" genutzt werden. Sie haben einen Vorbildcharakter.

Dick & Dünn e.V. ist ein Beratungszentrum des Bundes Fachverbands für Essstörungen (BFE) mit Sitz in Berlin. Beim BFE handelt sich um einen Zusammenschluss aus Ärzten, Therapeuten und Beratern, die sich auf den Bereich Essstörungen spezialisiert haben.

 

Welche Klinik ist die richtige?

Im Fall der Fälle wird im Beratungsgespräch gemeinsam mit dem Patienten die richtige Klinik rausgesucht: Es gibt eine deutschlandweite Klinikliste, die alle Einrichtungen beinhaltet, die sich auf bestimmte Essstörungen wie Binche-Eating-Disorder und Ansätze wie Fat Acceptance spezialisiert haben. Zudem sind psychotherapeutische Praxen und einzelne Therapeuten mit ihren Spezialisierungen und Verfahren aufgezählt. Nachdem der Patient an eine bestimmte Einrichtung vermittelt wurde, kann er dort unverbindliche Vorgespräche führen, sog. probatorische Sitzungen. 

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Gibt es positive Effekte einer Diät?

Diäterfolge sind abhängig von unseren individuellen Voraussetzungen. Dabei sind die genetische Veranlagung, Bewegung, der Stoffwechsel und das Hormonsystem Faktoren. So lösen bestimmte Hormone einen größeren Appetit aus, fehlen diese, ist das Sättigungsgefühl weniger stark ausgeprägt.

 

VITATALK: Der Gesundheitspodcast online hören

Hier gibt es noch mehr VITATALK! Hören Sie rein! Entweder hier bei uns, auf iTunesTuneInSoundcloud und podcast.de.

Unsere Expertin: Carmen Schmidt ist Leiterin des Beratungszentrums Dick und Dünn e.V. Außerdem ist sie Sozialpädagogin, Beraterin und Moderatorin der Gruppentherapien.

Quelle:

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