90 Sekunden Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Bauchspeicheldrüsenkrebs
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den besonders aggressiven Krebsarten. © iStock

Ein neuartiges Verfahren soll den aggressiven Krebs schon im Vorstadium unschädlich machen können. Und das innerhalb von nur 90 Sekunden – ganz ohne Operation.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten. Er wird durch seine unspezifischen Symptome meistens erst sehr spät entdeckt und ist dann nur noch schwer therapierbar. Einmal entstandene Karzinome in der Bauchspeicheldrüse wachsen rasch, befallen in kurzer Zeit auch umliegende Körperregionen und sprechen kaum auf Therapiemöglichkeiten an. Bisherige Behandlungsmöglichkeiten umfassen verschiedene Kombinationen aus operativer Entfernung, Chemo- und Strahlentherapie und Antikörpertherapie. Doch auch nach einem operativen Eingriff und einer Chemotherapie ist fünf Jahre später nur noch ungefähr ein Drittel aller Patienten am Leben. Im Durchschnitt ist zehn Jahre nach der Diagnose nur noch einer von 100 Patienten noch am Leben.

 

Kann die Zauberstab-Methode die Chemotherapie ersetzen?

Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt sich häufig aus sogenannten Zysten. Die zunächst gutartigen mit Flüssigkeit gefüllten Geschwülste können sich zu bösartigen schleimbildenden Tumoren entwickeln. Da die Zysten in jedem Fall die Vorstufe eines Bauchspeicheldrüsenkrebs’ darstellen können, werden sie, sofern sie rechtzeitig entdeckt werden, meist umgehend entfernt. Bisher war dies nur durch eine Operation möglich, die oft durch eine anschließende Chemotherapie ergänzt wurde. In Großbritannien wird zurzeit eine neuartige Behandlungsform getestet. Mit der sogenannten Zauberstab-Methode können verdächtige Zellen in gerade einmal 90 Sekunden zerstört werden, ganz ohne Chemotherapie und große chirurgische Eingriffe. Das Verfahren nennt sich endoskopische ultraschallgeleitete Radiofrequenz-Ablation. Dabei wird ein Endoskop (ein langer, flexibler Katheder) über den Mundraum bis in die Bauchspeicheldrüse vorgeschoben. Durch das Endoskop wird eine Nadel in die Bauchspeicheldrüse geschoben. Diese Nadel wird mit Hilfe eines Radiofrequenzgenerators stark erhitzt und zerstört verdächtige Zysten.

 

Testphase entscheidet über weitere Anwendung

Das Verfahren befindet sich noch in der Testphase. Derzeit wird es an verschiedenen Krankenhäusern wie dem Royal Free Hospital und dem University College Hospital in London an einigen hundert Patienten getestet. Sollte das Verfahren auch langfristig gute Wirkungen zeigen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch an deutschen Krankenhäusern angeboten wird.

© by WhatsBroadcast

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.