78 Minuten ohne Herzschlag - wie das möglich war

Nach seinem tragischen Unglück zollten die Fans Muamba Respekt
Nach seinem tragischen Unglück zollten die Fans Muamba Respekt © CC BY 2.0 - Ronnie Macdonald

Der Fußballprofi Fabrice Muamba bricht während eines Spiels bewusstlos zusammen. Für 78 Minuten steht sein Herz still! Niemand hält es für möglich, doch er überlebt. Teil elf unserer Reihe.

Es passiert in der 40. Minute. Der damals 23-Jährige Fabrice Muamba kollabiert plötzlich auf dem Feld, als er mit seiner englischen Mannschaft Bolton Wanderers am 17. März 2012 ein Spiel absolviert.

Die Spieler sind geschockt, fangen an zu weinen, als die Rettungskräfte den Bewusstlosen auf dem Feld behandeln. Muamba hat Glück, dass ein Defibrillator vor Ort ist, damals durchaus kein Standard im Stadion. Doch nicht nur das: Unter den Zuschauern sitzt ein Herzspezialist, der den Rettungskräften zu Hilfe eilt.

Sieben Minuten vergehen, bis der Fußballer auf einer Liege in einen Krankentransporter befördert wird. Schon auf dem Feld versetzen ihm die Sanitäter zwei Stromstöße, bis sie das Krankenhaus erreichen, folgen noch 13 weitere. Alle zeigen keine Wirkung. Als die Ambulanz dort ankommt, schlägt sein Herz seit 48 Minuten nicht mehr.

Weitere 30 Minuten versuchen die Ärzte ihn mit Schocks, Herzdruckmassagen und Medikamenten wiederzubeleben. Der Herzspezialist Dr. Deaner, der die ganze Zeit an seiner Seite ist, betont später: „Fabrice Muamba war in dieser Zeit aus medizinischer Sicht tot“.

Nach unglaublichen 78 Minuten jedoch fängt sein Herz plötzlich wieder an zu schlagen.  

 

Wie ist es möglich, das zu überleben? 

Wenn das Herz aufhört zu schlagen, werden das Gehirn und alle anderen Körperteile auch nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Speziell für das Gehirn ist das höchst gefährlich, da schon nach wenigen Minuten Hirnzellen absterben. Je länger der Zustand dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, sich davon zu erholen.

Dass Fabrice Muamba nicht stirbt und sogar keine bleibenden Schäden erleidet, bezeichnen mehrere Ärzte als medizinisches Wunder.

Vermutlich retteten die Ärzte ihm das Leben, indem sie die  Herzdruckmassage nicht beendeten. So wurde durchgehend Blut in sein Gehirn gepumpt, auch wenn das Herz in dieser Zeit nicht gearbeitet hat. Der Kardiologe Dr. Deaner erklärte sich die Heilung so: „Die schnelle Reaktion der Sanitäter am Platz hat seine Überlebenschancen wesentlich erhöht. Der Ablauf war einfach absolut fehlerlos.“

Fabrice Muamba kommt 30 Stunden nach seiner Ankunft im Krankenhaus wieder zu sich. Seine Genesung ist außergewöhnlich. Bereits einen Monat später wird er entlassen, erhält jedoch von seinen Ärzten den Rat, auf Profifußball zu verzichten. Heute ist er gesund und lebt glücklich mit seiner Frau Shauna und seinen zwei Söhnen zusammen.

 

Was muss ich bei einem Herzstillstand tun?

Erleidet jemand einen Herzstillstand, rufen Sie sofort einen Notarzt! Dann beginnen Sie umgehend mit der Wiederbelebung: Legen Sie den Betroffenen am Boden auf den Rücken, verschränken Sie Ihre Hände und drücken mit dem Handballen auf die Mitte des Brustkorbs, etwa 100- mal pro Minute. Um diesen Rhythmus einzuhalten, hilft es an den Bee-Gees-Hit "Staying alive" zu denken. Die Drucktiefe sollte fünf Zentimeter betragen. Nachdem sie 30- mal gedrückt haben, beatmen sie die Person zweimal: Dafür normal einatmen und abwechselnd in Nase und Mund des Betroffenen ausatmen. Bei der Beatmung des Mundes die Nase der Person verschließen, bei der Beatmung der Nase den Mund schließen, indem Sie den Unterkiefer nach oben drücken. Den 30:2 Rhythmus beibehalten, bis die Person zu Bewusstsein kommt oder die Sanitäter eintreffen. Sollte ein Defibrillator zur Verfügung stehen, nutzen Sie diesen, indem Sie den Sprachanweisungen des Geräts folgen. 

Hamburg, 18. November 2015

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