555 Tage ohne Herz

Stan Larkin und sein künstliches Herz
Stan Larkin lebte über eineinhalb Jahre mit einem künstlichen Herz - außerhalb seines Körpers © University of Michigan Health System

Kann man mehr als eineinhalb Jahre ohne Herz leben? Ja, mit einem elektrischen Herz, das man im Rucksack auf dem Rücken trägt. Einem Amerikaner hat das elektrische Herz das Leben gerettet.

Stan Larkin litt bereits seit einiger Zeit an einer rechtsseitigen ventrikulären Dysplasie, einer Herzerkrankung, bei der der rechte Herzmuskel allmählich durch Fett- und Bindegewebe ersetzt wird und das Herz so am Pumpen hindert. Betroffene haben ein hohes Risiko für Herzinfarkte und Rhythmusstörungen.

Ende 2014 traf dieses Schicksal auch Larkin, er wurde mit einem Infarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte stellten fest, dass sein Herz so irreparabel geschädigt war, dass sie es entfernen mussten.

Da kein geeignetes Spenderherz zur Verfügung stand, musste Stan Larkin umgehend an ein künstliches Herz angeschlossen werden. Das fast 200 Kilo schwere Gerät übernahm fortan die Funktionen eines gesunden Herzens: seinen Körper mit Blut zu versorgen.

 

Künstliches Herz übernimmt, wenn kein Spenderherz gefunden wird

Die Suche nach einem geeigneten Spenderherz zog sich hin und Larkin blieb ans Krankenhausbett gefesselt. Seine Ärzte beschlossen, ihn als ersten Patienten im Bundesstaat Michigan, an ein neuartiges mobiles Herz anzuschließen. Das sogenannte SynCardia Freedom-Herz kann man in einem Rucksack auf dem Rücken tragen.

Das mobile Herz wird dann mit verschiedenen Röhren an die Brust des Patienten angeschlossen. Zwar war Larkin nun endlich wieder in der Lage, sich frei zu bewegen, doch musste er sich erst an sein neues „Rucksack-Herz“ gewöhnen: „Es war ganz schön anstrengend am Anfang, weil ich mich erst an den Lärm gewöhnen musste. Mein Herzschlag hat immerhin rund um die Uhr Geräusche verursacht“ erzählte Larkin dem CTV News Channel. „Erst als ich mich an den Lärm gewöhnt hatte, konnte ich wieder schlafen. Und dann musste ich mich auch noch daran gewöhnen, immer drei Taschen mit mir herumzutragen, egal wo ich hinging“. Auch Duschen war wegen der Elektrik nicht möglich.

 

Das Herz auf dem Rücken tragen

Erst nach 555 Tagen, mehr als eineinhalb Jahre nachdem man ihm sein Herz entfernt hatte, wurde ein passendes Spenderherz für Stan Larkin gefunden. Die Transplantation hat er gut überstanden und ist froh, wieder ein natürliches Herz in seiner Brust zu haben.

Das „Rucksack-Herz“ der Firma SynCardia ist seit 2010 auf dem europäischen und seit 2014 auf dem amerikanischen Markt zugelassen. Es wiegt ungefähr sechs Kilo und besitzt zwei wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien. So lange diese laden, kann man das Herz direkt an eine Steckdose anschließen.

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Hamburg, 10. Juni 2016

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