5-Tages-Implantat heilt Prostata-Leiden in 5 Minuten

Phyllis Kuhn
 iTIND
Das iTIND kann durch einen minimalinvasiven Eingriff innerhalb von wenigen Minuten in der Harnröhre platziert werden © Youtube

Pillen oder OP – beide möglichen Therapien bei einer vergrößerten Prostata haben Nebenwirkungen wie Inkontinenz und sexuelle Dysfunktion. Ein neues Verfahren soll die Behandlung revolutionieren.

Eine vergrößerte Prostata, auch benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt, betrifft bis zu 40 Prozent aller Männer über 50 Jahre. Im Gegensatz zum Prostatakarzinom ist die Hyperplasie zwar nicht lebensgefährlich, bedeutet für viele Betroffene dennoch erhebliche Alltagsbeschwerden, etwa beim Wasserlassen. Das passiert, wenn die vergrößerte Prostata auf die Harnröhre drückt und so den Urinfluss hemmt. Die Patienten haben dann zwar einen Druck auf der Blase, können sich jedoch beim Toilettengang meist nur um wenige Tropfen erleichtern. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu Folgeerkrankungen wie Blaseninfektionen, sexueller Dysfunktion und Nierenproblemen führen.

 

Bisherige Behandlung kann schwere Nebenwirkungen haben

Bei herkömmlichen Behandlungsoptionen wird die vergrößerte Prostata entweder mit Medikamenten therapiert oder es wird im Zuge einer Operation überschüssiges Gewebe entfernt, um die Harnröhre zu befreien. Da die Medikamente jedoch häufig Nebenwirkungen haben und Operationen das Risiko einer Potenzstörung, einer Inkontinenz oder der Unfruchtbarkeit bergen, haben israelische Wissenschaftler ein Implantat entwickelt, das ohne Nebenwirkungen die Funktion der Harnröhre wiederherstellen kann – in nur fünf Tagen.

 

Implantat macht den Weg frei

Das sogenannte iTIND (Temporäres Implantierbares Nitinol Device) ist ein zusammenfaltbares Gerüst aus Nickel- und Titaniumstäben, das unter örtlicher Betäubung mit Hilfe eines Zystoskopes (Katheter, der zur Blasenspiegelung genutzt wird) durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird. Dafür ist kein Skalpell nötig. Sobald sich der Katheder in der richtigen Position befindet, wird das iTIND in der Blase entfaltet und langsam in die Harnröhre zurück geschoben. Richtig platziert expandieren die drei Streben des iTIND bis auf Münzgröße. Dabei werden in das, den Weg blockierende Drüsengewebe drei Längsrillen gedrückt, durch welche der Urin ungehindert fließen kann. Nach wenigen Minuten ist der Eingriff fürs Erste abgeschlossen.

 

Nach fünf Tagen ist die Behandlung beendet

Nach dem Eingriff wird das iTIND, wieder mit Hilfe eines Katheders, vollständig entfernt. Die Längsrillen im Gewebe bleiben bestehen und bilden drei dauerhafte Urinkanäle. Die Vorteile: Es ist keine Erholungszeit wie nach einer Operation nötig und der Eingriff hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Schon nach fünf Tagen kann die Blase schmerzfrei und ohne Wartezeit entleert werden. Zwar berichteten einige Test-Teilnehmer von einem leichten Fremdkörpergefühl sowie einem unangenehm Empfinden durch das Implantat. Allerdings betraf dies nur einen Teil der Probanden und für die meisten überwogen die Vorteile des Metall-Implantats die fünf Tage des Unwohlseins.

Laut einer Studie italienischer Wissenschaftler hatten Probanden auch ein Jahr nach dem Eingriff keine Probleme beim Wasserlassen. Im nächsten Schritt wird das neue Verfahren nun an verschiedenen Kliniken, unter anderem in Großbritannien, getestet. Professor Prokar Dasgupta, der das Implantat im Londoner Krankenhaus The London Clinic testet, ist zufrieden mit den Ergebnissen: „Die vorläufigen Tastergebnisse sind sehr ermutigend. Es beseitigt die Verstopfung der Harnröhre und lindert die Symptome der vergrößerten Prostata ohne dabei Nebenwirkungen wie sexuelle Dysfunktion, die beim Einsatz von Medikamenten und einer Operation auftreten können, zu verursachen“.

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