5 Fakten über HIV, die jeder kennen sollte

Daphne Sekertzi

Seit fast 40 Jahren ist das HI-Virus bekannt – und doch ist das Wissen darüber gering. Wussten Sie, dass HIV heutzutage so gut behandelt werden kann, dass Betroffene andere nicht mehr anstecken können? Oder, dass es ein Medikament gibt, das eine Infektion verhindert? Wir haben die fünf wichtigsten Fakten über HIV zusammengetragen. 

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Ob durch Aufklärungskampagnen, mediale Berichterstattung oder den jährlich am 01. Dezember stattfindenden Welt-AIDS-Tag – mit den Themen HIV und AIDS kommt man immer mal wieder in Berührung. Trotzdem sind heute noch viele Aspekte rund um das Hi-Virus unbekannt. Diese fünf Fakten sollte allerdings jeder kennen:

 

1. HIV und AIDS sind nicht dasselbe 

Oft werden HIV und AIDS als ein und dasselbe Krankheitsbild angesehen. Dabei unterscheiden sie sich grundlegend. HIV, die Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus, beschreibt eine Immunschwäche. Während kurz nach der Ansteckung meist grippeähnliche Symptome auftreten, treten in der folgenden Latenzphase bei vielen HIV-Infizierten keine oder nur leichte, unspezifische Symptome auf. Denn der Organismus kann das Virus zu Beginn in Schach halten. 

Doch je mehr Zeit vergeht, desto stärker vermehrt sich das Virus im Körper: Es dringt in immer mehr Zellen ein und setzt die für die Krankheitsabwehr wichtigen T-Helferzellen außer Gefecht. Dadurch wird das Immunsystem immer schwächer, bis es irgendwann selbst harmlose Infektionen nicht mehr bekämpfen kann. Dann spricht man von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), dem Immundefektsyndrom. Es ist das Endstadium einer HIV-Infektion, das mit schweren Erkrankungen einhergeht. Dazu gehören Lungenentzündungen, Tuberkulose und Krebs. Unbehandelt kann AIDS innerhalb weniger Monate zum Tod führen.  

Heutzutage muss sich HIV jedoch nicht zwangsläufig zu AIDS entwickeln, eine Immunschwäche sich nicht zu einem Immundefekt auswachsen. Das verhindern sogenannte antiretrovirale Medikamente, die die Vermehrung des HI-Virus in den Körperzellen und damit die Zerstörung des Immunsystems unterbinden.

Eine Ärztin hat einer Patientin Blut abgenommen
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2. Dank antiretroviraler Therapie können HIV-Infizierte andere nicht anstecken

Eine erfolgreiche antivirale Therapie verringert die Viruslast im Blut so stark, dass das HI-Virus im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Zwar bedeutet das nicht, dass der Betroffene geheilt ist. Wenn die Medikamente nicht täglich eingenommen oder ganz abgesetzt werden, vermehrt sich das Virus wieder. Was es allerdings bedeutet: Menschen mit HIV können das Virus nicht mehr weitergeben, wenn sie unter der Nachweisgrenze liegen. So ist etwa ungeschützter Geschlechtsverkehr möglich, ohne dass der Partner eine Infektion befürchten muss.

 

3. HIV ist nicht leicht übertragbar 

Ungeschützter Geschlechtsverkehr bildet ein hohes Risiko für eine HIV-Infektion, da durch die Reibung Mikroverletzungen entstehen können, die dann mit infizierten Körperflüssigkeiten in Berührung kommen. Umarmen, aus demselben Glas trinken, ein Kuss: Durch all das kann das HI-Virus hingegen nicht weitergegeben werden. Deswegen gilt das Virus auch als schwer übertragbar. Nicht jeder weiß das. Für die Betroffenen hat die Unwissenheit vieler Menschen über die Übertragungswege des Virus mitunter aber harte Konsequenzen: Viele erleben aufgrund ihrer HIV-Infektion im Alltag Ausgrenzung und Diskriminierung. 

Eine Frau kehrt einer Gruppe von Menschen den Rücken zu und schaut traurig
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4. Ein Medikament schützt vor einer HIV-Infektion

Safer Sex ist die zuverlässigste und wichtigste Präventionsmaßnahme, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Kommt es dennoch zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr, etwa weil das Kondom abrutscht oder reißt, kann die Ansteckung nachträglich verhindert werden – durch die Postexpositionsprophylaxe (PEP). Nach dem Risikokontakt werden vier Wochen lang HIV-Medikamente eingenommen. So kann sich das Virus erst gar nicht im Körper festsetzen. Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto größer sind die Erfolgschancen. Es wird empfohlen, innerhalb von zwei Stunden mit der Medikamenten-Einnahme zu beginnen, spätestens aber nach 48 Stunden.

In Sachen Schutz vor einer HIV-Infektion kommt auch der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) eine wichtige Bedeutung zu, vor allem für Menschen, die ein erhöhtes HIV-Risiko haben. Als PrEP wird ein Medikament bezeichnet, das auch in der Behandlung einer HIV-Infektion zum Einsatz kommt und täglich eingenommen wird. Dadurch baut der Körper einen Schutz gegen das HI-Virus auf, sodass dieses nicht in die Körperzellen eindringen kann. 

 

5. Es gibt HIV-Selbsttests für zuhause

Der Gang zum Arzt oder zum Gesundheitsamt ist nicht mehr zwingend notwendig, um den eigenen HIV-Status zu erfahren. In der Apotheke, in Drogerien und im Internet sind Selbsttests erhältlich, die innerhalb einer Viertelstunde das Ergebnis anzeigen. Um den Test durchzuführen, muss lediglich eine Applikation mit einigen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe benetzt werden. Auf diese Weise kann der Test Antikörper gegen das HI-Virus ermitteln

Ein zuverlässiges Ergebnis erhält man jedoch erst dann, wenn die Infektion mindestens 12 Wochen zurückliegt. In manchen Fällen zeigt der Test ein falsch-positives Ergebnis dann. Daher sollte ein zweiter Test beim Arzt oder Gesundheitsamt durchgeführt werden. Zu den wissenschaftlich anerkannten HIV-Selbsttests zählen der „INSTI“, der „Autotest VIH“ und der „Exacto“. 

Übersicht HIV-positiv – und jetzt?

Quellen
HIV-Infektion/AIDS, in: rki.de (Robert Koch-Institut) 
Safer-Sex-Unfall / PEP, in: aidshilfe.de
HIV-PrEP, in: aidshilfe.de
HIV-positiv und nicht ansteckend, in: aids.ch (Aidshilfe Schweiz)

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