5 erstaunliche Allergiestopper

Redaktion PraxisVITA
Schmutziges Geschirr in der Spüle
Und das soll gesund sein? Ja! Handgereinigtes Geschirr schützt Kinder vor Allergien, zeigt eine neue Studie © Fotolia

Hätten Sie gedacht, dass so der beste Schutz vor Allergien aussieht? Wer sein Geschirr mit der Hand spült, senkt das Allergierisiko seines Kindes – weitere spannende Erkenntnisse aktueller Allergiestudien finden Sie hier.

Mediziner warnen: Kinder in Industrieländern wachsen zu steril auf. Hygienische Reinigungsmittel und wenig Kontakt zur Natur und ihren Bewohnern hindern das Immunsystem daran, sich mit häufigen Bakterien „bekanntzumachen“. Die Folge: Das körpereigene Abwehrsystem hält eigentlich harmlose Stoffe für feindliche Eindringlinge – und reagiert mit Allergien, Hautauschlägen und Asthma. Darum sind Forscher seit langem auf der Suche nach einfachen Strategien, um die Kleinen vor der Überreaktion ihres Immunsystems zu schützen. Im Folgenden fassen wir die neuesten Studienergebnisse zum Thema für Sie zusammen.

 

Spülmaschine verbannen

In ihrer aktuellen Studie untersuchten Allergologen der Universität im schwedischen Gothenburg den Zusammenhang zwischen der Verwendung einer Spülmaschine und der Entstehung von Allergien. Dazu befragten sie die Eltern von 1.029 Kindern im Alter von sieben bis acht Jahren zu Allergien, Asthma und Ekzemen bei ihren Kindern – und dazu, ob sie eine Spülmaschine benutzen oder ihr Geschirr per Hand reinigen. Dabei zeigte sich: Kinder aus Familien ohne Spülmaschine hatten seltener Allergien als Kinder aus Spülmaschinen-Haushalten. Ekzeme waren bei ihnen ebenfalls deutlich seltener und das Asthma-Risiko sank leicht, wenn das Geschirr mit der Hand gespült wurde. Die Erklärung der Studienleiter: Spülmaschinen entfernen Bakterien viel effektiver vom Geschirr als das in einem Handspülgang möglich wäre – der Bakterienrückstand auf dem handgereinigten Geschirr trainiert das Immunsystem.

 

Essen vom Bauernhof kaufen

In derselben Studie befassten sich die Wissenschaftler damit, wie die Nahrung der Kinder sich auf ihr Allergierisiko auswirkte. Sie fanden heraus, dass Kinder, die viele Produkte vom Bauernhof und fermentierte Lebensmittel aßen, seltener an Allergien litten. Fermentierte Lebensmittel sind Speisen, die mit biologischen Zellkulturen wie Bakterien angereichert werden und so für eine gesunde Darmflora sorgen. Und die Darmflora spielt eine wichtige Rolle in unserem körpereigenen Abwehrsystem: Die an der Darmwand angesiedelten Bakterien wehren „feindliche Eindringlinge“ wie Krankheitserreger ab. Ist das Gleichgewicht der Darmflora beispielsweise durch übertriebene Hygienemaßnahmen gestört, können leichter Allergien, Infekte und Verdauungsprobleme entstehen.

Lebensmittel vom Bauernmarkt
Kinder, die viele Produkte vom Bauernhof essen, leiden seltener an Allergien © istock
 

Kinder an Erdnüsse gewöhnen

Babys, die an einer Ei-Allergie oder an starken Ekzemen leiden, haben ein erhöhtes Risiko, eine Erdnussallergie zu entwickeln – das belegt eine US-amerikanische Studie. Deshalb untersuchten Forscher des King’s College in London jetzt, ob sich diese Entwicklung durch frühzeitige Immunisierung der Kleinen aufhalten lässt. Für ihre Studie teilten sie Kinder im Alter von vier bis elf Monaten in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe nahm pro Woche sechs Gramm Erdnussproteine (das entspricht etwa 22 Gramm Erdnüssen) mit der Nahrung zu sich, die andere bekam eine erdnussfreie Ernährung. Als die Kinder fünf Jahre alt waren, überprüften die Wissenschaftler, wer von ihnen eine Erdnussallergie entwickelt hatte. Das Ergebnis erstaunte die Forscher: In der Gruppe der sensibilisierten Kinder hatten sich 81 Prozent weniger Erdnussallergien entwickelt. Die Forscher raten Eltern jedoch, die Erdnuss-Sensibilisierung nicht ohne Absprache mit einem Arzt durchzuführen.

 

Muttermilch

Im Rahmen der großangelegten Wayne County Health, Environment, Allergy and Asthma Longitudinal Study (WHEALS) untersuchten US-Forscher, ob Stillen das Immunsystem von Kindern stärken und so Allergien vorbeugen kann. Für ihre Studie analysierten sie Stuhlproben von ein und sechs Monate alten Babys. Sie stellten fest, dass Babys, die gestillt wurden, eine besser entwickelte Darmflora hatten als Kinder, die Flaschennahrung bekamen. Dieser Effekt schlug sich in einem deutlich geringeren Risiko nieder, eine Tierhaarallergie zu entwickeln. Der Grund dafür sind die Bakterien, die der Säugling mit der Muttermilch aufnimmt – sie stabilisieren die Darmflora.

Stillen schützt vor Allergien
US-Forscher fanden heraus, dass Stillen das Immunsystem von Kindern stärken und so Allergien vorbeugen kann© istock
 

Schnuller anlutschen

In einer 2013 durchgeführten Studie testeten schwedische Wissenschaftler, ob Eltern das Immunsystem ihres Kindes stärken können, indem sie seinen Schnuller regelmäßig in den Mund nehmen. Dazu teilten sie 184 Familien in zwei Gruppen ein – die Eltern der ersten Gruppe nahmen den Schnuller ihres Kindes mehrmals am Tag in den Mund, die Teilnehmer der zweiten Gruppe taten dies nie. Das Ergebnis: Die Kinder, deren Eltern regelmäßig selbst am Schnuller lutschten, hatten ein deutlich geringeres Risiko, Asthma oder Ekzeme zu entwickeln. Als Erklärung vermuten die Forscher, dass das Immunsystem des Kindes durch die Bakterien im Speichel der Eltern gestärkt wird.

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