5 Dinge, die Eltern wahnsinnig machen

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Baby im Tragetuch
Im Tragetuch fühlen sich die meisten Babys wohl – und anders als einige wohlmeinende Verwandte warnen, besteht auch keine Erstickungsgefahr © iStock

Blähungen, Erblindung, Erstickungsgefahr: Gut gemeinte Warnungen von Freunden und Familie können junge Eltern ganz schön verunsichern. Sie sollten sich aber nicht verrückt machen lassen, einige davon sind haltlos oder übertrieben. Was wirklich hinter den gruseligen Gerüchten steckt.

Bei den vielen Ratschlägen, die täglich auf junge Eltern einprasseln, ist ein entspanntes Ankommen zu Hause mit dem neuen Erdenbürger manchmal gar nicht möglich. Dabei sind viele dieser Ratschläge und Warnungen schlicht Mythen, die sich hartnäckig halten. Andere haben einen wahren Kern, arten aber in sinnlosen Stress aus, wenn Eltern sich zu akribisch daran halten.

 

Stillkinder: Blähungen durch falsche Ernährung der Mutter

Wenn Babys in den ersten drei Lebensmonaten schreien, werden als Ursache häufig Blähungen vermutet. Außenstehende wenden sich dann meist an die Mutter mit der Frage: „Was hast du gegessen?“ Dabei gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass die Ernährung der Mutter während der Stillzeit Einfluss auf die Verdauung des Babys hat. Mütter sollten also alle Schuldgefühle ablegen und essen, was ihnen schmeckt.

 

Zu wenig Luft im Tragetuch

Im Tuch getragen zu werden, ist schön: Das Baby kuschelt sich gemütlich an, spürt Mamas oder Papas Herzschlag und fühlt sich geborgen. Doch einige Eltern werden von Freunden oder Verwandten verunsichert: Das Kind kriegt doch da drin überhaupt keine Luft! Diese Warnung können Sie getrost vergessen. Das Baby dreht seinen Kopf so, dass es atmen kann und bekommt genug Luft.

 

Lebensgefahr im Elternbett?

Ein Ratschlag, den alle Eltern kennen, lautet: Das Kind darf nicht im Elternbett schlafen, sonst erhöht sich das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Tatsächlich gibt es Studien, die darauf hinweisen. Da viele Babys sich aber schwertun, ohne Körperkontakt einzuschlafen, schlafen einige Eltern nur noch abwechselnd – während einer schlummert, liegt der andere mit dem schlafenden Baby wach im Bett und überwacht dessen Atmung. Das hält niemand lange durch. Derart geplagten Eltern kann die Angst vielleicht nicht ganz genommen werden, die Statistik gibt aber Anlass zur Beruhigung: Der plötzliche Kindstod ist sehr selten. Eine britische Studie kam 2013 zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen acht von 100.000 Kindern (0,008 Prozent) am plötzlichen Kindstod versterben. Schlafen die Babys im Elternbett und werden alle anderen Regeln eingehalten, sterben demnach 23 von 100.000 Kindern (0,023 Prozent) am plötzlichen Kindstod. Die Ursachen sind bis heute ungeklärt. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Risiko nachweislich verringern: Das Kind sollte in einem Schlafsack liegen und nicht in Decken gewickelt sein und es sollte möglichst nicht in Bauchlage schlafen. Die Raumtemperatur sollte kühl sein (rund 18 Grad) und gestillte Babys sind besonders gut geschützt. Studien belegen, dass Kinder von Rauchern besonders häufig vom plötzlichen Kindstod betroffen sind. Vom Schlafen im Elternbett ist abzuraten, wenn ein Elternteil alkoholisiert oder durch Medikamente reaktionseingeschränkt ist, wenn die Eltern in einem Wasserbett schlafen oder das Kind aus dem Bett fallen könnte.

 

Wie gefährlich ist die Babyschale?

Frischgebackene Eltern hören häufig die Warnung, ihr Baby bekomme in der Babyschale nicht genug Luft und sollte gar nicht oder nicht länger als 20 Minuten darin liegen. Tatsächlich ist die gekrümmte Haltung nicht ideal für die Kleinen. Die ersten Lebensmonate sollten sie hauptsächlich liegend oder im Tragetuch verbringen, um ihre empfindliche Wirbelsäule zu schonen. Kinderärzte und Hebammen raten darum davon ab, das Baby in den ersten sechs Wochen länger als zwei Stunden am Stück im Auto zu transportieren und das auch nicht täglich. In Ausnahmefällen stellt das aber kein Problem dar. Mehrere Pausen und eine Babyschalen-Auszeit in den folgenden Tagen geben dem Säugling die Chance, sich von der Fahrt zu erholen. Was Eltern allerdings nicht tun sollten, ist, ihr Kind dauerhaft in der Babyschale liegen zu lassen – beim Einkaufen, zu Besuch bei Freunden, zu Hause zum Schlafen. Das belastet die Wirbelsäule des Babys  unnötig.

 

Erblindung durch Blitzlicht

Kommt ein Baby auf die Welt, ist es der Star der Familie – und alle wollen ein Foto machen. Viele Eltern haben Angst, dass das Blitzlicht den Augen ihres Nachwuchses schaden könnte. Eine dubiose Facebook-Meldung sorgte 2015 für Panik bei jungen Eltern mit der Geschichte eines Säuglings, der angeblich durch das Blitzlicht einer Kamera erblindet sei. Diese Meldung scheint jedoch frei erfunden zu sein – weder Name der Eltern, des Kindes oder sonst irgendeine Quelle werden genannt. Experten geben Entwarnung: Das Blitzlicht einer Kamera schadet den Augen nicht, auch Babyaugen nicht. Um wirklich Schäden anzurichten, müsste das Licht 100-500 mal stärker sein als Blitzlicht.

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