In 12 Jahren: Lebensgefahr für 40 Millionen Diabetiker

Carolin Banser Medizinredakteurin

Immer mehr Menschen sind zuckerkrank. Daraus ergibt sich ein höherer Bedarf an Insulin. Forscher prognostizieren, dass dieser im Jahr 2030 nicht mehr gedeckt werden kann. Zu den Hintergründen einer aktuellen Studie.

Insulin spritzen
In zwölf Jahren wird der weltweite jährliche Insulinbedarf um etwa 20 Prozent ansteigen. Forscher gehen davon aus, dass nur die Hälfte aller Patienten, die eine Insulinbehandlung benötigen, eine ausreichende Versorgung erhalten Foto:  istock

Laut der Internationalen Diabetes-Föderation haben weltweit rund 425 Millionen Erwachsene (einer von elf) Diabetes, davon mehr als 90 Prozent einen Typ-2-Diabetes.

Jedes Jahr wird allein in Deutschland bei rund 500.000 Menschen zum ersten Mal Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert. Die schnelle Ausbreitung der Diabetes-Epidemie steigert die Nachfrage von Insulin. Forscher prognostizieren, dass der Bedarf bis zum Jahr 2030 um etwa 20 Prozent ansteigt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht.

Insulin ist für die meisten Diabetiker (Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes) lebensnotwendig. Ein Viertel aller Zuckerkranken muss sich die Substanz verabreichen, um zufriedenstellende langfristige Blutzuckerwerte zu erreichen. War früher fast nur die Therapie mit Insulin-Injektionen bekannt, wird das Hormon heute oft auch in Tablettenform verabreicht.

Krankheiten & Behandlung Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Trotz neuer Therapien und Behandlungsformen dürfte die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahren weiter rapide steigen – und damit auch die Ausgaben für Medikamente, Geräte und Diagnosemittel. Zu hohe Preise sind das zentrale Problem bei der weltweiten Insulinversorgung. Insbesondere in Afrika und Asien muss der Zugang zum Medikament deutlich verbessert werden, warnt der Leiter der Studie, Dr. Sanjay Basu, Assistenzprofessor für Medizin an der Stanford University in den USA. Statt derzeit 718.000 würden bis zum Jahr 2030 etwa 5,1 Millionen Insulindosen jährlich benötigt. In Asien rechnen die Wissenschaftler mit einem Anstieg von 26,5 Millionen Dosen pro Jahr.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis 2030 weltweit 79 Millionen Erwachsene mit Typ-2-Diabetes Insulin benötigen, um ihre Zuckerwerte stabil zu halten. Schätzungsweise nur die Hälfte wird aufgrund der aktuellen Ressourcen eine ausreichende Versorgung erhalten.

Quelle:

Basu, Sanjay, et al. (2018): Estimation of global insulin use for type 2 diabetes, 2018–30: a microsimulation analysis in: The Lancet Diabetes & Endocrinology

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