30 Tage nicht jammern – schaffen Sie das?

Verena Elson
"Immer fährt mir die Bahn vor der Nase weg". "Das Essen hier war auch schon mal besser". "In den letzten Jahren hatten wir gar keinen richtigen Sommer". Solche Sätze kennen wir alle – von unseren Mitmenschen und von uns selbst. Kann man auf sie verzichten
Einen ganzen Monat lang nicht meckern und jammern – kann das funktionieren? © iStock/MartinPrescott

Das Wetter ist dauernd schlecht, der Chef ist nie freundlich genug und der Partner erledigt generell zu wenig im Haushalt. Was würden wir nur tun, wenn wir uns gar nicht mehr beschweren dürften? Dieser Herausforderung stellen sich momentan die Bewohner Flanderns – denn sie sind dazu aufgerufen, einen Monat lang nicht zu meckern.

Ständiges Gemecker vergiftet nicht nur die eigene Stimmung, sondern auch die des Umfelds, das belegen Studien. Es kann sogar negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Untersuchungen zeigen, dass ständiges Jammern und Beklagen zu einer vermehrten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt – und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

 

Gute-Laune-Monat in Flandern

Eine Kampagne der Regierung soll in Flandern diesem selbstgemachten Stress den Kampf ansagen. Initiiert wurde sie von der Wellness-Expertin Greet van Hecke, die den flämischen Gesundheitsminister Jo Vandeurzen für ihre Idee gewinnen konnte. Auf die Kampagnen „30 Tage ohne Alkohol“ und „30 Tage ohne Fleisch“ folgt jetzt die Aktion „30 Tage ohne Klagen“.

Seit dem 15. Januar sind die Flamen aufgerufen, auf jegliches Meckern und Schimpfen zu verzichten. Um die Ergebnisse des landesweiten Selbstversuchs auswerten zu können, hat Vandeurzen ein „Glücksformular“ erstellt, in dem die Teilnehmer des Experiments regelmäßig notieren, wie glücklich sie sich fühlen. 

 

Meckern liegt in der Natur des Menschen

Wer schon einmal ausprobiert hat, konsequent positiv zu denken, weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Die negativen Gedanken kommen ganz von alleine und es kostet ungemeine Anstrengung und Selbstdisziplin, sich selbst kontinuierlich zu beobachten und die aufkommenden „Stimmungstöter“ zu stoppen, bevor sie sich im Kopf breitmachen. 

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Automatismus des negativen Denkens uns einen evolutionären Vorteil verschaffen soll: Wer sich immer zuerst auf das Negative konzentriert, erkennt Gefahren schneller und kann besser auf sie reagieren.

 

Gute-Laune-Trick

Wer sich schwertut, seinen inneren Steinzeitmenschen zu besiegen und einfach nicht von den negativen Gedanken wegkommt, kann seinem Gehirn mit einem Trick etwas gute Laune „aufzwingen“. Lachen ist ein hochwirksames Mittel, um Glückshormone freizusetzen und Stress abzubauen. Das funktioniert (in Maßen) auch, indem wir das Lächeln nur simulieren: Mehrmals am Tag für 30 Sekunden einen Bleistift quer zwischen den Zähnen halten – das Gehirn hält dieses Manöver für ein echtes Lächeln und empfängt das Signal „mir geht es gut“.

Ob ein Monat Meckerverzicht wirklich positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, ist bisher nicht erforscht. Doch der Selbstversuch lohnt sich in jedem Fall. Auch unser Umfeld wird sich freuen: Denn gute Laune ist ebenso ansteckend wie schlechte – auch das ist wissenschaftlich belegt.
 

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