30 Minuten langer Stromschlag - Wie das der Körper überleben kann

Ein Schild warnt vor Hochspannung
Ob man einen Stromschlag überlebt, hängt von verschiedenen Faktoren ab © Fotolia

Ein Gärtner aus Florida erleidet einen Stromschlag, der eine halbe Stunde anhält. Wie durch ein Wunder überlebt der Mann. Teil drei unserer Reihe.

Den Rettungskräften bot sich eine gespenstische Szene: Während Qualm von seinem Kopf aufstieg, schrie Pedro Grave (44) immer wieder verzweifelt: „Ich halte es nicht mehr aus! Bitte, gebt mir einen Revolver – oder erschießt mich!“ – dann verlor der Mann das Bewusstsein. Während der Gärtner aus Florida 14 Meter hoch bewusstlos in den Ästen eines Laubbaumes hing, zitterte sein Körper unter schweren Stromschlägen. „Der ganze Baum stand unter Strom“, berichtete hinterher ein Feuerwehrmann. „Es ist wie ein Wunder, dass der Mann überlebt hat.“

Was war passiert? Pedro Grave, Vater von fünf Kindern, beschnitt die Bäume im Garten einer Villa in West Palm Beach. Dicke Äste waren einer elektrischen Leitung zu nahe gekommen. Es war Sonntag. Pedro hatte den Job trotzdem angenommen, um sich ein wenig extra Geld zu verdienen: „Ich wollte meiner Frau doch zum Geburtstag eine hübsche Handtasche kaufen“, erzählt er später. Dann begann es zu regnen und urplötzlich brach ein tropischer Sturm aus. Ein Ast knallte gegen die elektrische Leitung in den Baum, an dem Pedro arbeitete. Sofort jagten 7.000 Volt Strom durch den Stamm – und durch Pedros Körper. „Ich hatte unbeschreibliche Schmerzen“, berichtet der Gärtner. „Es war, als würde ich bei lebendigem Leib geröstet werden.“

Seine lauten Schreie alarmierten die Nachbarn. Ein Mann versuchte, per Leiter an Pedro heranzukommen. Doch er wurde sofort durch den starken Strom zu Boden geworfen. Als die Feuerwehrleute endlich eintrafen, konnten diese zunächst auch nicht helfen: Die Elektrizitätsgesellschaft hatte den Strom noch nicht abgestellt. Zum Glück ging der Ast, der die Leitung berührte, trotz des Regens in Flammen auf. Der Kontakt mit dem Baum wurde unterbrochen. Erst dann – nach einer halben Stunde – konnte Pedro gerettet werden. „Als ich da oben hing, betete ich zu Gott, mich zu retten“, berichtete Pedro im Hospital seiner Familie. Der Familienvater überlebte – mit wenigen Brandverletzungen an Hüfte und Rücken.

 

Wie kann man einen solchen Stromschlag überleben?

Warum blieb Pedro überhaupt in dem Baum hängen und ließ nicht los? Dieses Phänomen wird häufig bei langanhaltenden Stromschlägen beobachtet. Durch die Stromeinwirkung verkrampfen die Muskeln und der Betroffene kann nicht mehr loslassen – er hängt an der Stromquelle fest.

Verschiedene Faktoren beeinflussen, ob ein Stromschlag tödlich endet. Einer davon ist, ob der Strom durch das Herz fließt. Denn dann kann das Reizleitungssystem des Herzens gestört werden. Der genau abgestimmte Rhythmus des Herzens kommt dann aus dem Takt. Die Folge: Das Herz schlägt immer schneller und kann den Kreislauf nicht mehr effektiv mit Blut versorgen. So kann es zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommen. Offenbar hatte Pedro Glück und sein Herz wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch auch nach einem harmlosen Stromschlag sollten Betroffene einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen – denn Herzrhythmusstörungen können auch noch verzögert auftreten.

Hamburg, 16. November 2015

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