2G Modell: In welchen Bundesländern was gilt

Mona Eichler Health-Redakteurin

Nach Hamburg wird Baden-Württemberg die 2G-Regel einführen. Dem Chef des Weltärztebundes dürfte das gefallen: Er fordert den Teil-Lockdown für Ungeimpfte deutschlandweit. Es gibt allerdings auch 2G-Kritiker. Die Hintergründe.

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Baden-Württemberg wird nach Hamburg als zweites Bundesland das 2G-Modell umsetzen. Danach dürfen nur noch geimpfte und genesene Personen an bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens teilnehmen, nicht aber getestete. Geht es nach Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, gilt die 2G-Regel bald in ganz Deutschland. 

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Baden-Württemberg führt 2G ein: Teil-Lockdown für Ungeimpfte kommt

Bisher gilt in Baden-Württemberg die 3G-Regel, nach der Geimpfte, Genesen und negativ Getestete gleichgestellt sind und zum Beispiels Veranstaltungen, Restaurants, Fitnessstudios und Hotels besuchen dürfen. Die neuen Corona-Einschränkungen nach 2G gelten dann ab Montag (13. September). Die Landesregierung hat dabei zwei Grenzwerte festgelegt, wie die "Deutsche Presseagentur" meldet.

Warnstufe vor 2G

Die sogenannte Warnstufe schließt negativ Getestete noch nicht aus. Sie gilt ab einer Hospitalisierungsrate von 8 Personen pro 100.000 Einwohner und Woche oder sobald 250 Intensivbetten mit COVID-19-Erkrankten belegt sind.

In dieser Stufe dürfen Ungeimpfte noch Tests vorlegen, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es muss sich dabei allerdings um PCR-Tests handeln – gewöhnliche Schnelltests reichen nicht mehr aus. 

2G ab Alarmstufe

Strengere 2G-Regeln gelten in Baden-Württemberg in der sogenannten Alarmstufe. Diese tritt ab einer Hospitalisierungsrate von 12 in Kraft oder sobald 390 Intensivbetten mit COVID-19-Erkrankten belegt sind. 

Ab dieser Stufe sind negativ Getestete von Aktivitäten wie Restaurantbesuchen ausgeschlossen. Wer sich möglichst frei in der Öffentlichkeit bewegen will, muss geimpft oder genesen sein und dies belegen können. Ausnahmen gelten für Läden der Grundversorgung, etwa Supermärkte und Tankstellen. 

Stand 9. September liegen 174 SARS-CoV-2-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen Baden-Württembergs. 

 

Warum 2G-Modell? Ungeimpfte "Träger der Pandemie"

Den Schritt zum 2G-Modell erklärt die Landesregierung mit dem steigenden Infektionsgeschehen und der Tatsache, dass die meisten Neuinfektionen unter Ungeimpften nachgewiesen werden. Wie das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg meldete, entfielen in der letzten August- und ersten Septemberwoche 7.874 der insgesamt 9.048 COVID-19-Fälle auf Nicht-Geimpfte oder Personen mit unklarem Impfstatus. "Die Nicht-Geimpften sind jetzt natürlich die Träger der Pandemie", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schon vor Tagen der "dpa". 

Das 2G-Modell solle dennoch nicht als indirekte Impfpflicht verstanden werden. Vielmehr seien die Einschränkungen der Versuch, das Infektionsgeschehen zu drücken. "Das hat nichts mit Strafe oder irgendwas durch die Hintertür zu tun, sondern es ist die Erfordernis, die Pandemie im Griff zu behalten. Andere Motive stehen überhaupt nicht dahinter", betonte Kretschmann. 

 

Weltärztebund fodert 2G deutschlandweit

Für eine bundesweite Verschärfung der Corona-Maßnahmen durch 2G spricht sich derzeit auch Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, aus. Laut des Experten reiche es nicht, das Impfangebot zu vereinfachen und die Menschen so zur Corona-Immunisierung zu bringen. Den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" sagte Montgomery: "Um die vierte Welle zu brechen, bevor sie dramatisch wird, sollte man jetzt bundesweit überall dort, wo es möglich ist, eine 2G-Regel einführen." 

Dort, wo es möglich ist, hat natürlich Grenzen. Während das 2G-Modell in Restaurants, Fitnessstudios oder beim Friseur vergleichsweise einfach umzusetzen ist, wäre es beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr nahezu unmöglich. Für Bereiche wie diese schlägt der Weltärztebund-Chef eine strengere 3G-Regel vor: "Ungeimpfte müssten dann einen aktuellen PCR-Test vorweisen. Ein einfacher Schnelltest dürfte nicht mehr ausreichen."

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Baden-Württemberg, Hamburg & Co.: Wo und in welchem Umfang gilt 2G bereits?

Nicht überall sind die 3G- und 2G-Modelle so flächendeckend geplant wie in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern Deutschlands bezieht sich 2G oft nur auf einen Teilbereich des öffentlichen Lebens. Hier eine Übersicht darüber, wo was gilt. 

 

Hamburg: 2G-Optionsmodell

Hamburg führte als erstes Bundesland das 2G-Modell ein. Allerdings haben die Verantwortlichen dort anders als in Baden-Württemberg die Wahl: Sie können negativ Getestete ausschließen, müssen es aber nicht. 
Im 3G-Modell gelten dann strengere Regeln als im 2G-Modell. Auch der Wechsel zwischen 2G und 3G ist möglich. 

 

Rheinland-Pfalz: 2G-Plus

Ab Sonntag (12. September) gelten in Rheinland-Pfalz drei Warnstufen, die sich aus der Sieben-Tage-Inzidenz, der Hospitalisierungsrate und dem Anteil der mit COVID-19-Erkrankten belegten Intensivbetten zusammensetzen. Mindestens zwei der Faktoren müssen über drei Tage erhöht sein, damit eine Warnstufe in die nächsthöhere übergeht. 
In Warnstufe 1 dürfen sich beispielsweise maximal 25 ungeimpfte Menschen im öffentlichen Raum treffen. In WS 2 sind nur noch zehn, in WS 3 fünf Personen erlaubt.   

 

Berlin: 2G beim Feiern & Co.

In Berlin dürfen negativ Getestete aktuell nicht Clubs oder Diskotheken. Geimpfte und Genesen müssen in diesen Innenräumen keine Masken tragen. 
Über weitere mögliche 2G-Regelungen berät die Landesregierung noch. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) betont, noch sei keine Entscheidung gefallen. "Ich gehe davon aus, dass es doch eine Optionsregel geben wird, dass wir Formulierungen finden, wo­nach die entsprechenden Bereiche die Option ziehen können, nur Menschen, die genesen und geimpft sind, den Zugang zu entsprechenden Einrichtungen zu ermöglichen", sagte er der Presse.  

 

Bayern: 2G "nicht vorgeschlagen"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält an der Gleichstellung von Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten fest. 2G sei in der Theorie zwar möglich, werde aber "vom Staat nicht vorgeschlagen", so der Politiker. 

 

Brandenburg: 2G für mehr Wirtschaftlichkeit

In Brandenburg soll das 2G-Modell in verschiedenen Bereichen kommen. Kriterien hierfür sieht die Landesregierung in der Hospitalisierungsrate, der 7-Tages-Inzidenz, den landesweit verfügbaren Intensivbetten und der Impfquote in Deutschland. 
SPD-Fraktionschef Erik Stohn betonte, es wäre begrüßenswert, wenn "Optionsmodelle für Betreiber gefahren werden, die unter Nutzung von 2G stärkere Wirtschaftlichkeit, aber auch eine stärkere Sicherheit für Unternehmen und für Betreiber von Einrichtungen vorsehen".

 

Hessen: Gastronomie & Co. haben die Wahl

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kann sich das 2G-Modell ähnlich wie in Hamburg vorstellen: mit einer Wahlmöglichkeit für Veranstalter, Gastronomen & Co.. Diese sollten selber entscheiden können, ob sie das 3G- oder das 2G-Modell anwenden, sagte er der "FAZ". 

 

Saarland und Mecklenburg-Vorpommern: 3G bleibt vorerst

Nicht alle Landesregierungen favorisieren die 2G-Regelung. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) geht davon aus, dass in ihrem Bundesland weiterhin auf die 3G-Regeln gesetzt werden wird. Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) lehnt 2G aktuell ab. "Ehrlich gesagt möchte ich keine Gesellschaft haben, in der Menschen, die schwanger sind, oder Familien mit Kindern nicht mehr vor die Tür gehen und nicht mehr ins Restaurant gehen können. Das kann nicht sein", sagte er der Presse. 

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Virologe warnt vor Teil-Lockdown für Getestete

Die 2G-Regel ist heftig umstritten in Deutschland. Zu den Gegnern des Modells gehört der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" betonte er: "Es ist doch nicht so, dass Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, nur noch frustriert alleine zu Hause sitzen und kein soziales Leben mehr haben. Wir würden lediglich mehr unkontrollierte und unkontrollierbare Ausbrüche im privaten Bereich haben, die dann auch nicht getestet werden."

Laut des Virologen wird das 2G-Modell außerdem wesentlich geringere positive Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen haben als von den Befürwortern angenommen. "2G mag in der Theorie einen Effekt haben. Es wird aber in der Realität nicht bewirken, was man auf dem Rechenschieber sehen mag", so Streeck. Er halte 2G deswegen weder für "sozial noch medizinisch sinnvoll". 

Quellen:
Baden-Württemberg: Offenbar "Alarmstufe" für 2G ab 390 Intensivpatienten geplant, in: swr.de
Weltärztebund-Chef fordert 2G-Regel, in: zdf.de
Wo und seit wann gilt die Corona-Regel „2G“ und welche Bedeutung hat sie?, in: swp.de
Streeck: 2G weder sozial noch medizinisch sinnvoll, in: presseportal.de

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