27. SSW: Der Fötus nimmt Geräusche wahr

Christina Liersch
Schwangere Frau mit Kopfhörern auf dem Bauch
Nach der Geburt erinnert sich das Kind an die ihm vertrauten Geräusche. © iStock/Yuri_Arcurs
Inhalt
  1. 27. SSW: Was passiert im Körper?
  2. Schwangerschaftssymptome in der 27. SSW
  3. Wie entwickelt sich der Fötus in der 27. SSW?
  4. 27. SSW: Darauf sollten Sie achten

Mit der 27. Schwangerschaftswoche steht das letzte Kapitel der Schwangerschaft unmittelbar bevor. PraxisVita erklärt, warum Eltern jetzt mit ihrem ungeborenen Kind sprechen oder ihm Musik vorspielen sollten.

In der 27. SSW endet das zweite Trimester und der Endspurt ist in Sicht. Der Fötus ist immer aktiver und nimmt akustische oder visuelle Signale wahr. Daher sollten Eltern jetzt direkt mit ihrem Nachwuchs sprechen, um ihn an die Stimmen zu gewöhnen. Insbesondere die Stimme der Mutter wird von Babys nach der Geburt wiedererkannt. In der 27. SSW hat die werdende Mutter zunehmend mit Beschwerden wie Wassereinlagerungen oder Rückenschmerzen zu kämpfen. Manche Schwangere ist nun zerstreut, vergesslich oder schlicht unkonzentriert. Im englischen Sprachraum existiert dafür sogar ein Begriff: „Pregnancy Brain“ (Schwangerschaftshirn). Oft ist einfach nur Müdigkeit die Ursache. Manche Experten gehen hingegen davon aus, dass die hormonelle Umstellung tatsächlich Einfluss auf die Hirnleistung hat. Andere Fachleute mutmaßen, dass Schwangere lediglich ihre Prioritäten verändern und lieber der Schwangerschaft ihre ganze Aufmerksamkeit widmen. 

 

27. SSW: Was passiert im Körper?

Vor dem Anbruch des letzten Drittels der Schwangerschaft nehmen Frauen rund 450 Gramm pro Woche zu. Dafür sind maßgeblich Wassereinlagerungen verantwortlich, die vielen Schwangeren zunehmend Probleme bereiten. Am Ende der Schwangerschaft sind rund vier von fünf Frauen betroffen. Auf das Tragen von eng anliegendem Schmuck sollte daher verzichtet werden. Zudem drückt die immer größer werdende Gebärmutter auf die Blase. Da kann es leicht passieren, dass beim Niesen oder Husten ungewollt etwas Urin abgesondert wird. Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens sind jetzt besonders empfehlenswert.

Schwangere Frau liegt mit einem Stillkissen auf dem Bett
Mit einem Stillkissen ist das Liegen viel angenehmer, da das Kind nicht auf die Organe drückt. © iStock/Drazen_

Viele Schwangere liegen im Bett oder beim Ausruhen auf dem Sofa wegen des wachsenden Babybauchs auf dem Rücken. In dieser Position drückt der Uterus aber stärker auf die Organe. Angenehmer ist oft die Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien. Wem das noch nicht bequem genug ist, der kann sich an ein langes, schmales Seitenschläfer- oder Stillkissen schmiegen.

 

Schwangerschaftssymptome in der 27. SSW

•    Wassereinlagerungen
•    Harndrang
•    Rückenschmerzen 
•    Fußschmerzen
•    Steißbeinschmerzen  
•    Ausfluss aus den Brüsten 
•    Krämpfe in den Beinen 
•    Verdauungsstörungen 
•    Sodbrennen
•    Kurzatmigkeit 
•    Schlafstörungen 
•    Kreislaufprobleme

Graphische Darstellung Fötus in der 27. Schwangerschaftswoche
Der Fötus nimmt die Stimmen und Geräusche wahr - am deutlichsten die Stimme der Mutter.  © iStock/Eraxion
 

Wie entwickelt sich der Fötus in der 27. SSW?

Das Baby misst vom Scheitel bis zur Ferse rund 34 bis 36 Zentimeter und wiegt etwa zwischen 1000 und 1200 Gramm. Seine Knochen werden immer kräftiger und die Haut ist noch runzelig, da das Fettgewebe fehlt. Das ändert sich jedoch in den nächsten Wochen. Auch wächst das Kind nicht mehr so schnell, dafür legt es aber pro Woche rund 200 Gramm an Gewicht zu. Die Sinnesorgane des Fötus sind nun so gut entwickelt, dass er seine Umgebung wahrnimmt. Er hört nicht nur den Herzschlag der Mutter oder die Geräusche ihres Verdauungstrakts, sondern auch Stimmen, die durch die Bauchdecke dringen. Am deutlichsten nimmt es aber die Stimme der Mutter wahr und erkennt sie nach der Geburt wieder. Wie sehr andere akustische Reize, zum Beispiel klassische Musik oder die Melodie einer Spieluhr, vom Säugling wiedererkannt werden und die Entwicklung seines Gehirns positiv beeinflussen, ist nicht gesichert. Sprechen Sie aber gern häufiger mit Ihrem ungeborenen Kind, singen Sie ihm etwas vor oder spielen Sie Musik. Diese „direkte“ Beschäftigung mit dem Fötus kann die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind stärken. Setzen Sie sich aber nicht unter Leistungsdruck. 

 

Schwangere Frau

© iStock/AleksandarNakic

Hier finden Sie alle Schwangerschaftswochen auf einen Blick!

 

27. SSW: Darauf sollten Sie achten

Alle Schwangeren, bei denen noch kein Diabetes diagnostiziert wurde, haben zwischen der 24. und der 28. SSW Anspruch auf einen Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Erhöhte Blutzuckerwerte gehören zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen in Deutschland. Schwangerschaftsdiabetes kann beispielsweise dazu führen, dass das Kind bei der Geburt etwas größer ist, was potenziell Probleme verursacht. Schwangerschaftsdiabetes erhöht auch das Risiko für eine Präeklampsie. Diese Erkrankung zählt zu den sogenannten späten Schwangerschaftsvergiftungen. Sie äußert sich durch erhöhten Blutdruck, vermehrte Ausscheidung von Eiweiß über den Urin und Wassereinlagerungen. Allerdings hat die überwiegende Zahl der betroffenen Frauen eine ansonsten normale Schwangerschaft und bringt ein gesundes Kind zur Welt. Ein positiver Befund auf Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht, dass die Schwangere dauerhaft an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 erkrankt ist. Sehr hohe Blutzuckerwerte können allerdings darauf hinweisen, dass die Frau vor der Schwangerschaft bereits erkrankt war. Zudem entwickeln Betroffene später im Leben häufiger Diabetes Typ 2. Darauf weist der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland hin. 

So wird auf Schwangerschaftsdiabetes getestet

Die Patientin trinkt für den Suchtest eine Glukoselösung. Dafür muss sie nicht nüchtern sein. Eine Stunde später wird Blut entnommen und der Blutzuckerwert bestimmt. Zeigt der Vortest einen auffälligen Befund, wird bald ein zweiter Zuckertest, der orale Glukosetoleranztest (oGTT), durchgeführt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für beide Untersuchungen. Meist kann allein die Umstellung der Ernährung gegen erhöhten Blutzucker helfen. Auch mehr Bewegung wirkt sich positiv aus. Nur wenige Betroffene müssen Insulin spritzen. Andere Diabetesmedikamente sind für schwangere Frauen nicht zugelassen. Ein Zuckertest nach der Geburt kann sicherstellen, ob sich die Werte normalisiert haben. 

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