2020: Das Jahr in dem Antibiotika nicht mehr wirken?

Frau mit Mundschutz
Lungenentzündungen sind heute nur gut behandelbar, weil es Antibiotika gibt. Sollten sie nicht mehr wirken, könnte das Millionen das Leben kosten © Fotolia

Einige Experten sehen in ihnen den Hauptgrund unserer langen Lebenserwartung: Antibiotika. Umso besorgniserregender, dass sie ihre Wirkung verlieren. Doch noch gibt es Hoffnung.

Man sieht sie nicht, und doch sind sie eine der größten Gefahren im Krankenhaus: Keime, gegen die Antibiotika kaum noch etwas ausrichten können! Anfang des Jahres geriet die Kieler Uniklinik in die Schlagzeilen: 31 Patienten infizierten sich, drei davon starben.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) meldet: Pro Jahr kommt es im Zuge medizinischer Behandlungen zu knapp einer Million Infektionen. Bis zu 30 000 Menschen sterben jedes Jahr bei uns daran. Experten schätzen, dass diese Zahlen in Zukunft noch stark steigen werden, wenn sich nicht grundlegend etwas an dem System ändert.

 

Strategie gegen multiresistente Bakterien

Aus diesem Grund, hat die Bundesregierung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie 2020 (DART 2020) entwickelt. Denn auch sie hat die Dringlichkeit des Problems erkannt: „Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, drohen die Behandlungsmöglichkeiten in ein Vor-Penicillin-Zeitalter zurückzufallen“, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe heute in Berlin, als er die neue Strategie vorstellte. „Eine Blasenentzündung oder auch eine entzündete Operationswunde können dann zu schweren Gesundheitsschäden führen.“ Um das zu verhindern, seien klare Regeln für den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung oder Medizin nötig. Auch müssten neue Medikamente alternativer Therapiemethoden und Tests zur Schnelldiagnostik entwickelt werden.

DART 2020 soll parallel in der Human- und Veterinärmedizin ansetzen. Da Tiere und Menschen oft von denselben Krankheitserregern infiziert werden und sie auch die gleichen Antibiotika erhalten. Nur mit einem Sektor übergreifenden Ansatz kann deshalb die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen erfolgreich eingedämmt werden.

 

Die Bundesregierung verkündete folgende Ziele der DART 2020

1. Nationale und international Zusammenarbeit stärken

Die zuständigen Bundesministerien sollen eng kooperieren. Die Bundesministerien werden die fachlich relevanten internationalen Organisationen unterstützen, um Antibiotikaresistenzen weltweit zu bekämpfen. "Kein Staat kann den weltweiten Anstieg von Antibiotika-Resistenzen alleine aufhalten", so Gröhe.

2. Resistenzentwicklungen frühzeitig erkennen

Überwachungssysteme sollen ausgebaut werden, um neue Erreger und Resistenzen frühzeitig zu erkennen und bessere Daten für ganz Deutschland zu erhalten. Dies soll erlauben, zeitnah Therapie- und Hygiene-Empfehlungen sowie gezielte Präventionsstrategien zu entwickeln.

3. Therapie-Optionen erhalten und verbessern

Das sogenannte Antibiotika-Verbrauchs-Monitoring wird erweitert. Die damit gewonnenen Daten sollen zeigen, wo der größte Bedarf für Veränderungen besteht.

4. Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und Infektionen vermeiden

Sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin soll die Diagnostik verbessert und die Umsetzung von Hygienemaßnahmen gefördert werden. Die Methoden der Tierhaltung müssen in diesem Sinne überarbeitet werden.

5. Bewusstsein fördern und Kompetenzen stärken

Wissen und Handlungskompetenzen, zum Beispiel über Hygienemaßnahmen sollen in der Bevölkerung, bei Gesundheitsexperten oder in der Landwirtschaft durch zielgruppenspezifische Informationen vermittelt werden. Sie können entscheidend dazu beitragen, die Verbreitung resistenter Krankheitserreger einzudämmen.

6. Forschung und Entwicklung unterstützen

Passende Forschungsbereiche in der Human- und Veterinärmedizin sollen gestärkt werden, zum Beispiel Projekte zur Resistenzentstehung und –verbreitung oder zur Entwicklung neuer Antibiotika.

Hamburg, 13. Mai 2015

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