20 Jahre Viagra – die wichtigsten Fragen

Verena Elson Medizinredakteurin
Seit 20 Jahren ist Viagra im Handel
Seit 20 Jahren ist Viagra im Handel © iStock/FluxFactory

Viagra hat Geburtstag – am 27. März 1998 wurde das Mittel zum ersten Mal verschrieben. Wir haben uns das zum Anlass genommen, die wichtigsten Fragen zur „blauen Pille“ zu beantworten.

 

Wer kam auf die Idee, Viagra zu entwickeln?

Viagra ist aufgrund einer Zufallsentdeckung entstanden. Eigentlich wurde der Wirkstoff Sildenafil zur Behandlung von Bluthochdruck und Angina Pectoris entwickelt. Im Rahmen der Medikamententests mit Probanden fiel seine potenzsteigernde Wirkung auf. Der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer brachte das Mittel 1998 unter dem Namen Viagra zur Behandlung von erektiler Dysfunktion auf den Markt.

 

Wie wirkt Viagra?

Der Wirkstoff Sildenafil gehört zu den sogenannten PDE5-Hemmern. PDE5 (Phosphorsäureesterbindung) ist ein Enzym im Penisschwellkörper. Sildenafil hemmt dieses Enzym, was einen gesteigerten Blutfluss in den Schwellkörper zur Folge hat – das erleichtert die Erektion.

 

Wird der Wirkstoff auch gegen andere Krankheiten eingesetzt?

Unter dem Markennamen „Revatio“ ist Sildenafil außerdem zur Behandlung der sogenannten pulmonalen Hypertonie zugelassen – also dem Anstieg des Blutdrucks im Lungenkreislauf.

Off-Label, also außerhalb des von den Arzneimittelbehörden freigegebenen Gebrauchs wird Sildenafil zudem zur Behandlung der Höhenkrankheit, der sogenannten Bronchopulmonalen Dysplasie (einer chronischen Lungenerkrankung), der Sklerodermie (einer krankhaften Verhärtung der Haut) und Bluthochdruck bei Hunden verwendet.

 

Löst die Einnahme von Viagra automatisch eine Erektion aus?

Nein – auch nach der Viagra-Einnahme ist die sexuelle Stimulation Voraussetzung für die Entstehung einer Erektion.

 

Wirkt Viagra auch bei Frauen?

Bei Frauen kann Viagra eine luststeigernde Wirkung haben, wie eine Studie von Forschern der University of New Mexico zeigte – und zwar dann, wenn sie an einer sexuellen Störung leiden, die auf die Einnahme von Antidepressiva zurückzuführen ist.

Noch eine positive Wirkung kann die blaue Pille bei Frauen haben: Eine 2014 veröffentlichte Studie ergab, dass Viagra die Symptome einer sogenannten interstitiellen Zystitis lindern kann – also einer Blasenentzündung, die nicht durch Bakterien, sondern durch eine chronische Entzündung der inneren Blasenwand hervorgerufen wird.

 

Warum ist Viagra blau?

Es heißt, der Hersteller habe das Design der Pille bereits vorliegen gehabt, als Viagra entstand – dass ausgerechnet die Potenzpille und nicht ein anderes Medikament so aussieht, ist demnach Zufall.

 

Wie lange vor dem Sex sollte Viagra eingenommen werden?

Viagra sollte 30 bis 60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Es wirkt drei bis fünf Stunden lang.

 

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Durch die Einnahme von Viagra kann es zu Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall kommen. Zudem sind Gesichtsrötungen, Kongestion (Blutansammlungen im Körper), eine verschwommene Sicht und Farbenblindheit mögliche Nebenwirkungen. In seltenen Fällen kommt es zu einem sogenannten Priapismus, also einer ungewöhnlich langanhaltenden Erektion. Dauert sie mehr als vier Stunden an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

Woran kann es liegen, wenn Viagra nicht wirkt?

Ein Grund für die ausbleibende Wirkung von Viagra kann fehlende sexuelle Stimulation sein – denn die kann auch ein Potenzmittel nicht ersetzen. Ein weiterer Grund, der bei Viagra häufig die Wirkung hemmt, ist eine fetthaltige, schwere Mahlzeit vor der Pilleneinnahme. In vielen Fällen ist der Grund nicht auszumachen – häufig wirkt die Pille bei der nächsten Einnahme wie vorgesehen.

 

Welche Alternativen gibt es?

Die gängigsten Alternativen zu Viagra sind die Mittel mit den Markennamen Levitra und Cialis. Levitra wirkt etwas schneller, die Wirkung hält aber etwa so lange an wie bei Viagra. Cialis kann dagegen bis zu 36 Stunden wirken. Weitere Therapiemöglichkeiten bei erektiler Dysfunktion finden Sie hier.

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